Workmen’s Compensation Act (Kanada) Information

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Als Workmen's Compensation Act wird, wie in anderen englischsprachigen LĂ€ndern, ein kanadisches Gesetz bezeichnet, mit dem ab 1914 Regelungen im Zusammenhang mit ArbeitsunfĂ€llen und Berufskrankheiten von den Gerichten der Provinzen und Territorien getroffen wurden. Dementsprechend wurden Unfallversicherungen, Regelungen zur ArbeitsunfĂ€higkeit, auch fĂŒr den Todesfall, aber auch zur Sicherheit am Arbeitsplatz eingefĂŒhrt, die jedoch von Provinz zu Provinz stark divergieren. Das Gesetz gilt als Auftakt zur Entwicklung des kanadischen Sozialstaats.

In einem weiteren Sinne handelt es sich bei der sogenannten Workers' compensation um eine Reihe von Gesetzen, die materielle Zuwendungen, medizinische Versorgung und Rehabilitationsmaßnahmen regelten. Bis dahin fielen ArbeitsunfĂ€lle und Berufskrankheiten unter das common law. Dies bedeutete in der Praxis, dass in jedem Einzelfall die Betroffenen ihren Arbeitgeber verklagen mussten, dem also eine Schuld im Sinne der VernachlĂ€ssigung bestimmter Obliegenheiten nachgewiesen werden musste.

1889 stellte die Royal Commission on the Relations of Labour and Capital fest, dass die Zahl der Verletzungen in der kanadischen Industrie sehr hoch sei, und dass die Arbeitsbedingungen unterdrĂŒckerischen (oppressive) Charakter haben. Voraussetzung fĂŒr eine moderne Regelung sei die Einsicht, dass Verletzungen unabhĂ€ngig von der Verantwortungsbereitschaft und der Sorgfalt unter industriellen Arbeitsbedingungen niemals ausgeschlossen werden könnten, und daher ein Ausgleich ohne Betrachtung der individuellen Verantwortlichkeit geschaffen werden mĂŒsse. Jedoch wurden die zahlreichen VerbesserungsvorschlĂ€ge von der Regierung zurĂŒckgewiesen, da sie in die AutoritĂ€t der Provinzen eingreifen wĂŒrden. Bis 1914 kam es dementsprechend zu keiner Regelung, da sich die Provinzen nicht dazu bereitfanden.

Eine Royal Commission unter Leitung von Sir William Meredith schlug 1913 ein System vor, das Arbeitern einen entsprechenden Ausgleich zusprach, jedoch sollten sie im Gegenzug auf ihr Recht verzichten, ihren Arbeitgeber zu verklagen. Das erste Gesetz unter dieser PrĂ€misse war der Ontario Workmen's Compensation Act von 1914. Ihm folgten gleichartige Gesetze in den Provinzen Nova Scotia (1915), British Columbia (1916) [1], Alberta (1918) und New Brunswick (1918) spĂ€ter in allen anderen Provinzen und Territorien. In Ontario entstand mit dem Gesetz der Worker's Compensation Board (seit 1998 Workplace Safety & Insurance Board), der neben seiner Funktion als Versicherung auch fĂŒr die Arbeitssicherheit zustĂ€ndig ist.

Anfangs waren nur Arbeiter in Industrien eingeschlossen, deren Gefahrenpotential bekannt war, heute sind fast alle eingeschlossen. Allerdings sind landwirtschaftliche Arbeiter, Heimarbeiter, Gelegenheitsarbeiter und Aushilfen nicht eingeschlossen. In einigen Provinzen kann dies allerdings per Antrag erreicht werden.

Die Ausgleichszahlungen hÀngen vom vorhergehenden Einkommen ab, sie liegen etwa bei drei Viertel dieses Einkommens.

Die Finanzierung erfolgt ĂŒber BeitrĂ€ge der Arbeitgeber in AbhĂ€ngigkeit von der aus Erfahrung bekannten GefĂ€hrdung in den verschiedenen Industriezweigen. So entrichtet man je nach GefĂ€hrdung zwischen 0,25 und 15 % des Lohns. Höhere Risiken werden also durch entsprechend höhere BeitrĂ€ge abgedeckt, was lĂ€ngerfristig zur Minderung der Risiken beitragen soll.

WĂ€hrend der Weltwirtschaftskrise forderten die WohlfahrtsempfĂ€nger, die in Straßenbaulagern arbeiten mussten, angesichts hoher Unfallzahlen die Ausdehnung des Gesetzes auf die Arbeitslager. In Vancouver kam es im April 1935 zu einem Streik. Im Juni zogen Hunderte von Arbeitern Richtung Hauptstadt ( On to Ottawa Trek), doch wurden sie am 1. Juli von der Polizei in Regina gestoppt. Bei dem Angriff auf die rund 3.000 Streikenden kam ein Polizist ums Leben, 40 Demonstranten und 5 Unbeteiligte wurden verletzt, 130 BĂŒrger inhaftiert. [2] Nur eine achtköpfige Delegation wurde zu Premierminister Richard Bedford Bennett vorgelassen, der sie jedoch als „Radikale“ beschimpfte und hinauswerfen ließ. Dennoch wurden die kasernenartigen Arbeitslager wenig spĂ€ter aufgelöst oder umgewandelt, so dass der Ausdehnung des Gesetzes auf diese Lager der Boden entzogen wurde.

Literatur

  • Ian Tom Coneybeer: The Origins of Workmen's Compensation in British Columbia: , Thesis M.A., Simon Fraser University 1990
  • Therese Jennissen, Michael J. Prince, Saul Schwartz: Workers’ compensation in Canada: a case for greater public accountability. Canadian Public Administration 43 (2000) 23–45
  • Eric Tucker: The Law of Employers' Liability in Ontario 1861–1900: The Search for a Theory. Osgoode Law Hall School 1984

Weblinks

Anmerkungen

  1. ↑ Vorbereitet 1915 vom Pineo Select Committee, dem Attorney General Avard B. Pineo vorsaß (Coneybeer, S. 143).
  2. ↑ Striking Back. Social unrest and new political visions emerge during the Great Depression, Canada. A People's History