Russisch-Schwedischer Krieg (1590‚Äď1595) Information

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Russisch-Schwedischer Krieg 1590‚Äď1595

Die Herrschaft √ľber die Festung Iwangorod stand im Mittelpunkt des Krieges
Datum
Ort Ingermanland, Estland, Finnland, Kola-Halbinsel, Weißes Meer
Casus Belli Schwedische Grenzverletzungen
Ausgang Russische R√ľckeroberung der im Livl√§ndischen Krieg verlorenen Gebiete und Festungen und Friede von Teusina
Konfliktparteien
Great coat of arms of Sweden.svg
Königreich Schweden
John III of Sweden.jpg
König Johann III.
Befehlshaber
Wojewode Scheremetjew
Wojewode Dolgorukow
F√ľrst Mstislawski
F√ľrst Swenigorodski
Feldmarschall Fleming
Feldmarschall Horn
Verluste

unbekannt

unbekannt

Der Russisch-Schwedische Krieg von 1590‚Äď1595 war ein bewaffneter Konflikt zwischen dem Russischen Zarenreich und K√∂nigreich Schweden um die im Verlauf des Livl√§ndischen Krieges an Schweden gefallenen Festungen Narva, Iwangorod, Jam und Koporje mit den umliegenden Territorien, sowie um den russischen Zugang zur Ostsee.

Vorgeschichte

Die Regierung von Boris Godunow bem√ľhte sich um die R√ľckgabe der verlorenen baltischen Gebiete, doch der K√∂nig Johann III. wollte nicht nachgeben und strebte einen Friedensvertrag an, in dem die neuen Ostgrenzen Schwedens anerkannt werden. Andernfalls drohte er mit der Wiederaufnahme der Kriegshandlungen. Dabei z√§hlte er auf die Hilfe seines √§ltesten Sohnes Sigismund III. Wasa, der nach dem Tod von Stefan Bathory zum K√∂nig von Polen-Litauen wurde. Um Russland unter Druck zu setzen, organisierten die Schweden eine Reihe von √úberf√§llen auf grenznahe Gebiete. Der Krieg mit Schweden wurde unumg√§nglich und die russische Seite beeilte sich, den Krieg zu erkl√§ren, solange die Lage des neugew√§hlten K√∂nigs in Polen noch unsicher war.

Kriegsverlauf

Kriegsbeginn

Am 4. Januar 1590 versammelte sich die russische Expeditionsstreitmacht in Nowgorod, wo die Einteilung der Wojewoden nach Divisionen erfolgte. Das 35.000 Mann z√§hlende Heer unter dem Befehl des Zaren Fjodor I. setzte sich Richtung Jamburg in Bewegung. Ein Teil der Armee unter der F√ľhrung von Pissemski und Chruschtschow, dem die Belagerung von Koporje befohlen wurde, l√∂ste sich dabei vom Hauptheer.

Am 26. Januar 1590 begann die Belagerung von Jam. Die nur 500 Mann z√§hlende Garnison der Schweden kapitulierte bereits am n√§chsten Tag unter der Bedingung der freien Passage. Zar Fjodor lie√ü in Jam einige Strelitzen zur√ľck und marschierte mit seiner Streitmacht nach Iwangorod und Narva, wohin auch die Belagerungsartillerie aus Pskow verlegt wurde.

Belagerung von Iwangorod und Waffenstillstand

Die ersten russischen Verb√§nde erreichten Iwangorod am 30. Januar und wurden von einem 4.000 Mann z√§hlenden Verband der Schweden angegriffen. Die Schweden erlitten eine Niederlage und zogen sich nach Rakvere in Estland zur√ľck. Als am 2. Februar die ganze russische Armee ankam, begannen die Belagerungsvorbereitungen. Wenige Tage sp√§ter begann der Artilleriebeschuss, w√§hrend die russische Kavallerie zum Verw√ľsten der Umgebung von Rakvere geschickt wurde, wo sich die Hauptkr√§fte der Schweden unter General Baner befanden.

Der am 19. Februar unternommene Sturm von Narva und Iwangorod endete f√ľr die Russen mit einem verlustreichen Abbruch. Danach setzte man den Artilleriebeschuss fort, den die Schweden nicht aushielten und um Waffenstillstand baten. Es erfolgte ein Treffen der Diplomaten und jedes Mal, wenn die Verhandlungen stockten, fuhr die russische Seite mit dem Beschuss fort. Die Schweden willigten ein, den Russen Iwangorod, Jam und Koporje zu √ľberlassen und ein einj√§hriger Waffenstillstand wurde geschlossen.

Bruch des Waffenstillstands

Der schwedische K√∂nig war mit dem Ergebnis der Verhandlungen h√∂chst unzufrieden und verurteilte Feldmarschall Horn zur Todesstrafe. General Bayer wurde daf√ľr abgesetzt, dass er nicht rechtzeitig dem Garnison Narvas zur Hilfe kam und wurde durch Feldmarschall Flemming ersetzt, der sich mit einer auf 18.000 Mann aufgestockten Armee an die Ostgrenze in Bewegung setzte.

Im November 1590 entschied sich die schwedische F√ľhrung, den Waffenstillstand mit Russland zu brechen und durch einen √úberraschungsangriff Iwangorod einzunehmen. Der Angriff wurde jedoch abgewehrt. Im Gegenzug belagerten die Russen Narva, brachen jedoch die Belagerung nach einem Befehl aus Moskau ab. Im Dezember 1590 verw√ľsteten die Schweden die Umgebung von Jam und Koporje.

Ein schwedischer √úberl√§ufer berichtete den russischen Wojewoden am 10. Januar 1591 vom bevorstehenden Angriff eines 14.000 Mann z√§hlenden schwedischen Heers aus Estland. Ihnen entgegen wurden drei Divisionen geschickt, die sich mit dem Verband des F√ľrsten Swenigorodski aus Oreschek vereinigten. Die K√§mpfe in der N√§he von Koporje dauerten drei Wochen, bis die Schweden den R√ľckzug antraten.

Ein neuer Angriff folgte im Sommer 1591. Er wurde in Absprache mit dem Krimtataren-Khan ńěazńĪ II. Giray unternommen, der im gleichen Jahr Moskau belagerte. Dem neuerlichen Einfall stellte sich ein Heer des Wojewoden Scheremetjew und des F√ľrsten Dolgorukow entgegen. Doch die Schweden nutzten die Zersplittertheit der russischen Truppen und schlugen sie durch einen unerwarteten Angriff in der N√§he von Gdow, wobei Dolgorukow gefangen genommen wurde. Die Russen konnten in diesem Jahr keine Erfolge vermelden, weil der Gro√üteil der Armee mit der Abwehr der krimtatarischen Invasion besch√§ftigt war.

Kämpfe im Norden Russlands

Neben der Front in Estland und Karelien wurde auch im hohen Norden Russlands gek√§mpft. Die Schweden bem√ľhten sich um die Eroberung der K√ľsten des Wei√üen Meeres, um den Moskauer Staat endg√ľltig zu isolieren. Am 18. Juli 1590 landeten die Schweden im Land der Pomoren und gingen mit einer gro√üen Brutalit√§t an das Abschlachten der lokalen Bev√∂lkerung und an die Pl√ľnderung und die Entweihung orthodoxer Gottesh√§user.

Eine schwedische Bauernarmee √ľberquerte zeitgleich die Kola-Halbinsel, erreichte das Wei√üe Meer und belagerte erfolglos das Petschenga-Kloster. Ebenso erfolglos wurde die Festung Kolski Ostrog belagert, weswegen sich die schwedischen Bauern mit der Pl√ľnderung der umliegenden Gebiete begn√ľgten und nach Schweden zur√ľckkehrten.

Im September 1591 versuchten die Verb√§nde von Peterson erfolglos, das Solowezki-Kloster einzunehmen und pl√ľnderten ein weiteres Mal die K√ľsten des Wei√üen Meeres. Die Hauptarmee Schwedens unter der F√ľhrung von Peterson griff w√§hrenddessen aus Karelien an und pl√ľnderte die Umgebung von Pskow.

Nach der Abwehr der Krimtataren beschloss man in Moskau, die immer sch√§dlicheren Aktivit√§ten der Schweden zu unterbinden. Eine zahlreiche Armee unter der F√ľhrung der F√ľrsten Wolkonski wurde nach Solowki geschickt. Sie vertrieb die Schweden vom Wei√üen Meer und gingen zum Gegenangriff √ľber. Die schwedischen Provinzen Oloi, Liinela und Sig wurden gepl√ľndert.

Wyborg-Feldzug

Die russischen Grenzgarnisonen wurden durch das Freiwerden der Kr√§fte nach dem Vertreiben des Krim-Khans aus S√ľdrussland erheblich verst√§rkt. Eine weitere Armee wurde aus Moskau nach Nowgorod geschickt und am 6. Januar 1592 √ľberschritten die Truppen von Mstislawski und Trubezkoi die schwedische Grenze bei Oreschek. Am 30. Januar erreichte die russische Armee Wyborg. Die Schweden starteten einen Entlastungsangriff, wurden jedoch von russischen Strelitzen und Kosaken in die Flucht geschlagen. Eine Belagerung der gut befestigten Wyborger Festung wagten die russischen Wojewoden jedoch nicht und pl√ľnderten die Umgebung von Wyborg und Kexholm, um danach entlang des Ladoga-Sees nach Oreschek zur√ľckzukommen.

Waffenstillstand und Friede von Teusina

Nach dem Tod von Johann III. und der Thronbesteigung seines Sohnes, des polnischen K√∂nigs Sigismund III. Wasa, bef√ľrchtete Russland ein Kriegseingreifen Polens. Deswegen wurde am 20. Januar 1593 ein zweij√§hriger Waffenstillstand geschlossen, auch wenn weiterhin vereinzelte schwedische √úbergriffe auf russische Grenzregionen weitergingen. Im Fr√ľhjahr 1594 war die Situation besonders gespannt. Doch die Moskauer Regierung wollte eine Normalisierung der Beziehungen mit Schweden und unternahm keine Gegenaktionen.

Im Dorf Tjawsino (Teusina) in der N√§he von Iwangorod begannen die Friedensverhandlungen. Die Russen strebten eine schwedische R√ľckgabe von Narva und Korela (Kexholm) an. Die Schweden waren ihrerseits lediglich bereit, Kexholm f√ľr eine astronomische Summe von 400.000 Rubel zur√ľckzugeben. Moskau musste w√§hrend der Verhandlungen das Eingreifen Polens bef√ľrchten.

Der ‚Äěewige‚Äú Frieden von Teusina wurde am 18. Mai 1595 geschlossen. Russland erkannte Schwedens Rechte auf ganz Estland an, w√§hrend Schweden Russland Kexholm √ľbergab und Russlands Rechte auf die am Anfang des Krieges eroberten St√§dte Jam, Koporje und Iwangorod anerkannte. Ebenso wurde der russische Besitz von Oreschek und Ladoga best√§tigt. Russland durfte jedoch keine Handelsh√§fen und keine Flotte auf der Ostsee unterhalten. Gemessen an der milit√§rischen Situation am Ende des Krieges hat Russland Schweden damit gro√üe Zugest√§ndnisse gemacht und einen weniger vorteilhaften Frieden geschlossen, als es m√∂glich gewesen w√§re. Dies ist auf Russlands Bef√ľrchtungen des polnischen Kriegseingreifens zur√ľckzuf√ľhren.

Das protestantische Schweden und das katholische Polen konnten jedoch nicht auf Dauer von einem König regiert werden und so rebellierte Schweden nur kurze Zeit später gegen Sigismund III. Wasa und löste die Personalunion der beiden Staaten. Boris Godunow erkannte seinen strategischen Fehler und weigerte sich, den Vertrag von Teusina zu ratifizieren, doch innenpolitische Wirren hinderten ihn daran, die Frage des russischen Zugangs zur Ostsee erneut aufzuwerfen.

Literatur

  • A.B. ҆irokorad. Severnye vojny Rossii. ‚ÄĒ –ú.: AST; Mn.: Harvest, 2001.