Überland-Nachtbus Information

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Nachtbus in Thailand. Hier ein auffÀllig bemaltes Fahrzeug einer Gesellschaft, die vorwiegend Touristen befördert

Nachtbusse sind öffentliche Verkehrsmittel, die in vielen Teilen der Welt im Liniendienst zur ÜberbrĂŒckung relativ großer Entfernungen auf dem Landweg eingesetzt werden. Die Fahrt beginnt gewöhnlich in den Abendstunden; das Ziel wird hĂ€ufig am frĂŒhen Morgen, kurz vor Sonnenaufgang erreicht. Die dabei zurĂŒckgelegten Entfernungen hĂ€ngen von der QualitĂ€t der Straßen und dem Verkehrsaufkommen ab, betragen jedoch in der Regel mehrere hundert Kilometer. Typische Fahrzeiten liegen bei 10 bis 12 Stunden. Bei lĂ€ngeren Nachtfahrten werden Teile der Fahrt bei Tageslicht zurĂŒckgelegt. Es gibt aber auch kĂŒrzere Nachtrouten mit Fahrzeiten von zirka 4 bis 5 Stunden; so beginnen Nachtfahrten zwischen Kuala Lumpur und der Insel Penang hĂ€ufig erst gegen Mitternacht und enden bereits deutlich vor Tagesanbruch.

Fahrten können entweder an einem Busbahnhof bzw. Terminal beginnen, das in einigen FĂ€llen deutlich außerhalb des Stadtzentrums liegt. Im Gegensatz dazu fahren in Thailand private Busgesellschaft, die vorrangig Touristen befördern, direkt ab und zum Touristenviertel Banglamphoo.

Vorteile Bearbeiten Quelltext bearbeiten

Nachtbusse nutzen das geringere Verkehrsaufkommen in der Nacht, um Staus zu vermeiden und damit schneller und energiesparender reisen zu können. Sofern die FahrgĂ€ste wĂ€hrend der Fahrt schlafen können, wird die Fahrzeit als weniger lang wahrgenommen. Da die Nachtzeit zur ÜberbrĂŒckung einer relativ großen Entfernung verwendet wird, können Reisende die hellen Stunden des Tages vor und nach der Reise fĂŒr andere AktivitĂ€ten am Start und Ziel der Fahrt ausnutzen. Einheimische und preisbewusste Individualreisende schĂ€tzen auch die Kostenersparnis: Zum einen sind Nachtbusse in der Regel deutlich preiswerter als FlĂŒge ĂŒber die gleiche Distanz, zum anderen wird eine Hotel-Übernachtung eingespart. Sofern die Landschaft entlang der Strecke keine besonderen SehenswĂŒrdigkeiten bietet, wird auch die Möglichkeit, „monotone“ Abschnitte der Reise im Schlaf zu â€žĂŒberspringen“ als angenehm empfunden.

Nachteile Bearbeiten Quelltext bearbeiten

NĂ€chtliche Fahrten durch landschaftlich reizvolle Strecken, etwa ĂŒber Berge oder durch Siedlungen mit ansprechender Architektur nehmen dagegen dem Passagier einen Teil des Reiseerlebnisses. In einigen Regionen der Welt, wo etwa unzureichend ausgebaute Straßen durch bergiges Terrain fĂŒhren, wird zum Teil aufgrund von Sicherheitsbedenken vor Nachtbusfahrten gewarnt. Wie sicher eine Nachtbusreise ist, wird außerdem durch den Wartungszustand der Fahrzeuge, Lenk- und Ruhezeiten fĂŒr die Fahrer sowie dessen Fahrverhalten beeinflusst.

Auch in Regionen, wo BandenkriminalitĂ€t oder gar AktivitĂ€ten von AufstĂ€ndischen zu verzeichnen sind, wird durch Behörden, aber auch in ReisefĂŒhrern dazu geraten, von Nachtfahrten abzusehen. Einige Reisende befĂŒrchten zudem, im Schlaf leichter Opfer von KleinkriminalitĂ€t, z. B. Taschendiebstahl zu werden. Allerdings lĂ€sst sich dieses Risiko durch eigene Vorsichtsmaßnahmen begrenzen.

Findet der Fahrgast aufgrund mangelnden Fahrkomforts oder persönlicher Sorgen, die sich auch auf echte oder vermeintliche Risiken der Fahrt beziehen können, keinen Schlaf, so wird die lange Fahrzeit und der Umstand, trotz MĂŒdigkeit nicht schlafen zu können ggf. als unangenehm oder sogar quĂ€lend empfunden.

Klassen Bearbeiten Quelltext bearbeiten

Der Komfort von Nachtbussen variiert, jedoch sind Sitze, die sich in eine bequemere Liegeposition bringen lassen, die Regel. Busse 2. Klasse unterbrechen die Fahrt hĂ€ufig an mehreren Stationen entlang der Strecke, um zusĂ€tzliche Passagiere aufzunehmen, außerdem ist die Beinfreiheit eingeschrĂ€nkt. Busse der 1. Klasse halten seltener, hĂ€ufig nur einmalig an einer Raststelle, um den Passagieren Zeit zum Essen, Trinken und zur Toiletten-Benutzung zu geben. Außerdem erleichtert zusĂ€tzliche Beinfreiheit das Einschlafen. Besonders in SĂŒdost-Asien werden daneben sog. VIP-Busse eingesetzt, die Bestuhlung ist hier auf ca. 30 Sitze reduziert und der Sitzkomfort etwa mit einem Flug in der Business Class vergleichbar. Die Bezeichnung VIP garantiert jedoch nicht immer einen definierten Standard, so bezeichnen einige private Busgesellschaften in Thailand ihre Busse als VIP- oder sogar „Super-VIP“-Services, obwohl der tatsĂ€chliche Komfort mit einem staatlichen Bus der 1. bis 2. Klasse vergleichbar ist.

Besonders in China gibt es daneben die sog. Sleeper-Busse, die statt Sitzen (in der Regel doppelstöckige) Liegen anbieten. Gewöhnlich ist der Fahrkomfort hier etwa mit einem Schlaf- oder Liegewagen vergleichbar und ermöglicht den allermeisten Reisenden echten Schlaf. In Deutschland hingegen dĂŒrfen FahrgĂ€ste nicht liegend in Bussen befördert werden ( § 35i StVZO).

Einige Linien, etwa die staatliche thailÀndische Busgesellschaft bieten ihren FahrgÀsten je nach Klasse und Fahrstrecke kostenfreie GetrÀnke, Snacks oder sogar warme Mahlzeiten an.

Strecken Bearbeiten Quelltext bearbeiten

Zahlreiche Nachtbusverbindungen gibt es in China, Indien und SĂŒdostasien einschließlich der indonesischen Inseln Java und Sumatra. Auch in den relativ großen Mittelmeeranrainer-Staaten TĂŒrkei und Ägypten sind Nachtbusse hĂ€ufig genutzte Verkehrsmittel.

In Deutschland und den umgebenden LĂ€ndern waren Nachtbusse aufgrund des dicht ausgebauten Bahnnetzes und gesetzlicher Restriktionen fĂŒr den Fernbus-Verkehr lange Zeit von untergeordneter Bedeutung. Im Zuge der Liberalisierung des Fernbus-Verkehrs ist in Deutschland aber inzwischen ein Netz an Nachtlinien im Entstehen, das Metropolen wie Berlin, MĂŒnchen, Hamburg und Köln miteinander verbindet, darĂŒber hinaus entstehen Nachtverbindungen nach Österreich und Italien. Von Prag aus existieren Nachtbus-Linien in zahlreiche europĂ€ische LĂ€nder, darunter Deutschland, Polen, Frankreich, Österreich und Italien.

In den USA und Kanada bietet Busse der Fa. Greyhound und einiger Wettbewerber Nachtverbindungen an.

Quellen Bearbeiten Quelltext bearbeiten