Uiguren Information

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Uiguren (auch Uighuren oder Uyghuren; Eigenbezeichnung: ئۇيغۇر; chinesisch 维吾尔族, Pinyin Wéiwú'ěrzú) [A 1] sind eine turksprachige Ethnie, die ihren Siedlungsschwerpunkt im Gebiet des ehemaligen Turkestans [A 2] hat, insbesondere im heutigen chinesischen Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang. Entgegen der weitläufigen und auch von der Mehrheit der heutigen Uiguren vertretenen Meinung stammen die Uiguren nicht von den altuigurischen Stämmen ab: Die Bezeichnung „Uigure“ als „ethnischer“ Oberbegriff wurde 1921 auf einer Konferenz in Taschkent von Sprechern des Neu-Uigurischen angenommen. [1]

Seit 1949 hat die Volksrepublik China den Prozentsatz der Han-Chinesen in Xinjiang mit einer aggressiven, assimilationistischen Siedlungspolitik von 5 % auf 40 % erhöht. [2] Infolge dieser Politik haben die Han-Chinesen die Uiguren als größte ethnische Gruppe Xinjiangs abgelöst. [3]

Namensbedeutung

Auf die Bezeichnung „Uiguren“ als Ethnonym beziehen sich erstmals die Chinesen während der Han-Dynastie. [4] Auch Chroniken, die von der Nördliche Wei-Dynastie im dritten Jahrhundert v. Chr. erstellt wurden, sowie die Tang (618–907) und von die Song (907–960) sprachen von Uiguren. [4] Während die Tang sich im 7. Jahrhundert klar auf die Vorfahren der heutigen Uiguren beziehen, gibt es noch immer einige Diskussionen über die Erwähnungen durch die Han und die Nördlichen Wei, ebenso wie über die griechischen und iranischen Quellen vor unserer Zeitrechnung. [4]

Frühe Berichte zur Geschichte der Uiguren stammen aus der Zeit, in der der Clan der Aschina in das Gebiet der Tang-Dynastie floh. Dort formierte sich unter dem Hauptclan der Yaġlarkar das spätere Volk der Uiguren. Ihr Machtbereich umfasste damals weite Teile des südlichen Xinjiang und des heutigen Gansu. Sie waren wohl ein Stammeszusammenschluss verschiedener Steppenvölker, der sowohl Angehörige mongolischer sowie türkischer Herkunft in sich vereinte. Dabei setzte sich schließlich innerhalb dieser Stammesverbindung eine Turksprache durch.

Im Jahre 647 wurden die uigurischen Siedlungsgebiete durch Tang-China besetzt und zum Generalgouvernement Hanhai reorganisiert. Man zählte nun die Uiguren von Seiten Tang-Chinas zu den „zivilisierten Völkern des Reiches“.

742 wurden sie im Verbund mit den Tiele erwähnt. Zusammen mit dem Stamm der Basmıl und der Karluken rissen sie die Macht im östlichen Göktürkenreich an sich. Sie wurden auch in den alttürkischen Orchon-Inschriften erwähnt. Innerhalb der Stammesföderation der Tiele wurden sie auch mit dem Stammesbund der Tölös in Verbindung gebracht, und von Seiten der Tang-Chinesen wurden die Uiguren als Teil der Gaoche angesehen, die einst einen Teil der südlichen Xiongnu ( Hunnen) bildeten. Dort bezeichnete sich ein Teil als Ogusen, bzw. als Toquz oġuz, Stamm der „neun Klane“. Einer dieser „neun Klane“ waren die Uiguren, die ihrerseits in die sogenannte On uyġur zerfielen und die einen Zusammenschluss aus zehn Stämmen bezeichneten. [5]

Zwei uigurische Männer aus der Stadt Turpan

Schließlich bezeichneten auch chinesische Quellen die Uiguren als 九族 Jiǔzú, was man mit „neun Stämme“ übersetzen kann. Es war wohl offensichtlich eine Übernahme des Ethnonyms Toquz oġuz (dt. „Neun Stammesverwandte“) der muslimischen Quellen, mit denen diese die Uiguren bezeichneten. [6]

Heutige Volksgruppe

Der Name „Uigur“ scheint eine Umschreibung von „Urog/Ugor/Ogur“ zu sein, ein Ethnonym, das mit dem oghurischen Zweig der Turksprachen in Verbindung gebracht wird. [7]

Die Bezeichnung „Uiguren“ als gemeinsame Bezeichnung einer modernen turksprachigen Volksgruppe wurde erst 1921 auf einer Konferenz in Taschkent für die Oasenbewohner von Altishahr (Süd-Xinjiang) und der Dsungarei angenommen [8] und setzte sich unter der Bevölkerung selbst ab den 1930er Jahren durch. Anfänglich bezeichneten die Uiguren sich selbst nicht als türkisch, wohl aber ihre Sprache. Die altuigurische Sprache, die im achten Jahrhundert während des Uigurischen Khanats gesprochen wurde, ähnelt der Sprache der Orchon-Jenissei-Inschriften, die in der modernen Literatur auch als alt-Türki ( Tschagatai) bezeichnet wird. [9]

Die Vorfahren der Uiguren wurzeln im Zentralasien des ersten Jahrtausends v. Chr. und sind auf alte Gruppen turksprachiger Stämme zurückzuführen. In chinesischen Quellen werden die Ahnenstämme der Uiguren „ Di“, „ Chidi“, „ Xiongnu“, „ Dingling“ und „ Gaoche“ benannt, die entlang der alten Seidenstraße nördlich der Tangri-Tagh-Berge und entlang der Flüsse Selenga und Orchon lebten. Dieses Gebiet wurde später als das Uigurische Khaganat bekannt. Die sozialen und kulturellen Aktivitäten der Uiguren finden sich in historischen und archäologischen Materialien bronze- und eisenzeitlicher Epochen bis zur Neuzeit wieder. [9] [10]

Einige Ethnologen sehen in den heutigen Uiguren eine Vermischung turkomongolischer Volksgruppen mit indogermanischen Tocharern und iranischen Sogdern. [11] [12] Eine altaische Substrat-Verwandtschaft sowohl uigurischer als auch alttürkischer Stämme mit den Tocharern bleibt jedoch bisher aus sprachwissenschaftlicher Perspektive aufgrund fehlender zeitlicher und komparativer Kohärenzen unbewiesen. [13]

Verbreitung und Demographie

Hauptsiedlungsgebiete im früheren Turkestan und Verbreitung in China

Die Uiguren leben zum weitaus größten Teil im Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang im Nordwesten Chinas und zu einem kleineren Teil in den zentralasiatischen Republiken. [14] [15] Außerhalb von Xinjiang leben rund eine Million (Stand: 2009 oder früher) Uiguren in den größten chinesischen Städten sowie in Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan. [15]

Die bedeutendsten uigurischen Städte sind Ürümqi, die Hauptstadt von Xinjiang, und Kaxgar, ein altes Handelszentrum an der historischen Seidenstraße nahe der chinesischen Grenze zu Russland. [14]

Gesamtchina

Uigurische Ethnie in China nach Volkszählungen, 1953-2010 [16]
Jahr Anzahl Uiguren
1953 3.610.462
1964 3.996.311
1982 5.963.491
1990 7.207.024
2000 8.399.393
2010 10.069.346

Anfang des 21. Jahrhunderts lebten in China rund 10 Millionen Uiguren. [14] [17] Es haben bisher sechs landesweite Volkszählungen in der Volksrepublik China stattgefunden, in den Jahren 1953, 1964, 1982, 1990, 2000 und 2010. [18] Laut der Volkszählung von 2010 lebten zu diesem Zeitpunkt 10.069.346 Angehörige der ethnischen Minderheit der Uiguren in China, mit geographischer Hauptverbreitung in Xinjiang. [17] Sie machen 0,75 % der Gesamtbevölkerung Chinas aus (nach Volkszählung von 2010). [18] [19]

Die Uiguren zählen heute zahlenmäßig zu einer der größten der 55 oder 56 offiziell anerkannten nationalen Minderheiten Chinas [15] [16] [20] und werden (nach der Volkszählung von 2010) nur von den Zhuang, Hui und Mandschu übertroffen. [16] [20] Mit 77,62 % (Stand: 2010) lebt der bei weitem überwiegende Teil der uigurischen Bevölkerung in China in ländlichen Gebieten, im Vergleich zum Durchschnitt der Minderheiten von 68 % und zu einem Anteil bei Han-Chinesen von 48,13 %. In der Zeitspanne zwischen den letzten beiden Volkszählungen ist das Bevölkerungswachstum der Uiguren mit + 1,8 % höher gewesen als das anderer nationaler Minderheiten (0,6 %) oder als das der Han-Chinesen (0,7 %). [20]

Xinjiang

Traditionell uigurisches Hauptsiedlungsgebiet

Xinjiang [A 3] ( uigurisch: Shärqiy Türkistan oder Sharki Turkistan, zu Deutsch „Ostturkistan“ [A 4]) blieb auch nach der im 18. Jahrhundert durch China erfolgten Annexion hauptsächlich von turksprachigen Muslimen bevölkert, von denen die meisten zu den Uiguren (chinesisch: Hui Hui, „schwarze Hui“ [21] [A 5] ) gehörten. [22] Trotz einer langen Geschichte des Austauschs mit China erhielten sich diese Menschen vor allem durch kulturelle und religiöse Bande die Verbundenheit mit der zentralasiatischen Welt. [22] Die Uiguren bildeten seit langem die Mehrheitsbevölkerung in Xinjiang, wo sie ihren Lebensunterhalt als Kaufleute und Oasenbauern bestritten. [23] [24] [14] Bereits seit der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts hatten die Uiguren allmählich die Oasen des Tarimbeckens türkisiert, das das Zentrum einer sesshaften indo-europäischen Zivilisation gewesen war. [25] Traditionell teilten sich die verschiedenen turksprachigen Gemeinden die unterschiedlichen Bewirtschaftungsnischen in der Region: Während sesshafte Uiguren die Oasen im Süden des Tian Shan-Gebirges – und damit die Oasen des Tarim-, Turpan- und Kumul-Beckens - bevölkerten, bildeten die Tian Shan-Gebirgskette und die Steppen im Norden die Heimat der kasachischen und kirgisischen Nomaden. [22] [26] [A 6] [A 7]

Die das Tarimbecken und die Wüste Taklamakan rings umgebenden Oasenstädte sind bis heute (Stand: 2008) vorwiegend uigurisch geprägt. [3] Der Norden ist dagegen auch heute noch kasachisch besiedelt, wobei 75 % der Kasachen (Stand: 2004 oder früher) im Kasachischen Autonomen Bezirk Ili leben. [27]

Demographische Entwicklung der Uiguren in Xinjiang zwischen 1949 und 2004 (in Millionen Menschen) [28] [29] [30] [31]
Jahr Bevölkerung/
Insgesamt
Bevölkerung/
Uiguren
Anteil der Uiguren
an Gesamtbevölkerung
1949 4,330 3,291 75%
1964 7,440 4,020 54%
1982 13,082 5,950 45,5%
1990 15,291 7,249 47,4%
2000 18,494 8,523 46,1%
2004 19,631 8,976 45,7%
Anteil der Han-Chinesen in Xinjiang, nach Volkszählungen, 1953-2010 [16]
Jahr Anteil Han
1953 6,94 %
1964 31,93 %
1982 40,41 %
1990 37,58 %
2000 40,57 %
2010 40,11 %
Sinisierung Xinjiangs

Allerdings wird die Sinisierung (uigurisch: chinlashturush) Zuzug von Han-Chinesen (auch: Han; oder: ethnische Chinesen) kontinuierlich vorangetrieben, der von staatlicher Seite forciert wird. Infolge dieser Politik haben die Han-Chinesen laut offiziellen Quellen die Uiguren als größte ethnische Gruppe Xinjiangs abgelöst. [3] Waren im Jahr 1949 noch 75 % der Einwohner Xinjiangs Uiguren und lediglich 6 % ethnische Han-Chinesen (nach anderen Angaben: vor 1953 4,94 % Han-Chinesen [32] [33]), so waren Anfang der 2010er Jahre von den 22 Millionen Einwohnern der Region bereits 45 % Han-Chinesen, während der Anteil der Uiguren auf 40 % gesunken war. [34] [35] [36]

Nach Gründung der Uigurischen Autonomen Region Xinjiang kam es seit den 1950er Jahren zu einer sehr umfangreichen Immigration von Han-Chinesen nach Xinjiang. [14] [16] Die kommunistische Regierung entsandte ab 1953 die Massenwellen von Han-Siedlern nach Xinjiang, um die Region zu sinisieren und unter Kontrolle zu behalten. [32] [33] Ein wichtiges Instrument für diese Migration war das Produktions- und Aufbaukorps (shengchan jianshe bingtuan 生产建设兵团), das 1954 aus demobilisierten Han-Truppen gegründet wurde. [16] [37] Dieses militärisch organisierte und auf Landwirtschaft ausgerichtete Instrument wurde für ökonomische, administrative und sicherheitspolitische Aufgaben und sollte alle Arten wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung unterstützen und die Landesverteidigung in dem sensiblen Grenzgebiet stärken. [16] [37] Seine vorwiegend (im Jahr 2014: 86,1 %) han-chinesischen Mitglieder, genießen Sonderkonditionen und sind besser gestellt als der überwiegende Rest der Bevölkerung Xinjiangs. [16] [37] Vor 1953 betrug hatten die Han-Chinesen in Xinjiang nur einen Anteil von 4,94 % an der Bevölkerung, während die Uiguren 75,42 % der Bevölkerung ausmachten. [32] [33] Im Jahr 1949 hatte der Anteil der Uiguren in Xinjiang 75 % betragen. [28] [22] Der Anteil an Han-Chinesen im Jahr 1949 in Xinjiang wird mit 5 % angegeben. [2] 1953 gab es 4,54 Millionen Angehörige nationaler Minderheiten in Xinjiang. Laut der Volkszählung aus diesem Jahr zählte man davon 3,64 Millionen zu den Uiguren. [38] Der Anteil der Han-Chinesen in Xinjiang betrug im Jahr 1953 weit unter 10 %. [39] Im Jahr 1964 war der Anteil der Han-Chinesen in Xinjiang bereits auf über 30 % gestiegen. [39] Der Anteil der Uiguren in Xinjiang betrug 1964 noch 54 %. [28] [22] Die Einwanderung der Han-Chinesen nach Xinjiang ab den 1950er Jahren hielt bis in die 1970er Jahre an und erreichte im Jahr 1978 einen Höhepunkt. [16] Bei der Volkszählung von 1982 war der Bevölkerungsanteil der Han-Chinesen dann auf 41 % gestiegen, während der Anteil der Uiguren auf 45,48 % gefallen war. Dies führte indirekt zu einer Entislamisierung in Xinjiang. [32] [33] Seit 1982 schwankt der Anteil der Han-Chinesen etwas nach oben und unten. [16] Besonders ausgeprägt war der Zustrom der Han-Chinesen nach Xinjiang nach 1990. [14] Im späten 19. Jahrhundert [14] und im Jahr 2000 betrug der der Anteil der Han-Chinesen in Xinjiang mit rund 7,5 Millionen Han-Einwohnern etwa 40 %. [39] Die Han-chinesischen Einwanderer kamen besonders aus den östlicher gelegenen Provinzen Sichuan, Henan und Gansu, in geringerem Maße auch aus Shaanxi und Anhui. [39] Im Jahr 2004 machten die Uiguren mit mit 19,6 Millionen Einwohnern 45,7 % der Bevölkerung in Xinjiang aus. [28] [22] Als Ergebnis der aggressiven Siedlerpolitik der chinesischen Regierung seit 1949 lag der Anteil der Han-Chinesen in Xinjiang somit im Jahr 2010 bei rund 40 %. [2] [40]

Außerhalb von China lebende Uigurengruppen gaben höhere Werte für die Gesamtzahl der Uiguren an (25 Millionen) und behaupten, dass sich fast alle Han-Chinesen in den letzten fünf Jahrzehnten in Xinjiang niedergelassen haben, was den Prozentsatz von ursprünglich 4 % auf den heutigen Wert erhöht habe. [21]

Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf der wichtigsten subregionalen Verwaltungseinheiten von Xinjiang im Jahr 2000 [41] [42]
Verwaltungseinheit Anteil Uiguren
an Bevölkerung
Anteil Han-Chinesen
an Bevölkerung
BIP pro Kopf
in CNY
Karamay (Gemeinde) 13,6 % 77,9 % 43926
Ürümqi (Gemeinde) 12,8 % 73,2 % 16493
Turfan (Regierungsbezirk) 69,6 % 23,5 % 12831
Shihezi (Gemeinde) 1,2 % 74,8 % 9738
Changji (Autonomer Regierungsbezirk) 4 % 74,8 % 8399
Kumul (Regierungsbezirk) 18,4 % 68,7 % 7351
Yining (Gulja) (Autonomer Regierungsbezirk) 15,9 % 44,9 % 5344
Aksu (Regierungsbezirk) 74,9 % 25 % 4939
Kaxgar (Regierungsbezirk) 89,2 % 9,1 % 2411
Hotan (Regierungsbezirk) 96,7 % 3 % 1843
Durchschnitt / Xinjiang 46 % 39,2 % 7913
Durchschnitt / China 7543
Wirtschaftliches und ethnisches Nord-Süd-Gefälle

Während die südlichen Landesteile Xhinjiangs noch vornehmlich agrarisch geprägt sind, haben sich im Norden in den letzten Jahrzehnten auch einige industrielle Zentren und überwiegend chinesisch dominierte Städte entwickelt. [3] Die Region ist reich an Bodenschätzen wie Erdöl, Erdgas und Kohle, deren Ausbeutung zum Wirtschaftswachstum beitragen. [36] Neben seiner Bedeutung durch die Energieressourcen nimmt Xinjiang auch eine strategische Position in der chinesischen Initiative der „Neuen-Seidenstraße“ ein. [43] [44] Im Zeitraum 1978–2000 überstieg Xinjiangs Wachstumsrate den chinesischen Durchschnitt. Die einst unindustrialisierte und zu den ärmsten Regionen China gezählte Region gehört heute unter den „fernwestlichen Provinzen“ Chinas zu denjenigen mit dem höchsten Pro-Kopf- Bruttoinlandsprodukt (BIP). Um die Jahrtausendwende belegte Xhinjiang unter den 31 chinesischen Verwaltungseinheiten auf substaatlicher Ebene in Bezug auf das Pro-Kopf-BIP den 12. Platz. [41]

Diese positiven makroökonomischen Daten verbergen jedoch tiefgreifende, an ethnische Zugehörigkeit gekoppelte soziale Ungleichheiten, [41] [34] die die Verbitterung unter Uiguren aufrechterhalten. [41] Zwar profitieren die Uiguren mit der gesamten Region in gewisser Weise von der dank massiver Investitionen des chinesischen Staates gewährleisteten wirtschaftlichen Dynamik und den damit verbundenen Verbesserungen des Lebensumfelds. [41] [34] Doch kamen die hohen Investitionen, die vorrangig für die Kolonisierungsgebiete bestimmt waren, vor allem den han-chinesischen Siedlern zugute und schlossen tendenziell die nationalen Minderheiten von Xinjiang von der Teilhabe an dem durch die Entwicklung der Region geschaffenen Wohlstand aus. [45] [41] [36] [37] Die Art und Weise der Investitionen für die Entwicklung des Westens durch die chinesische Zentralregierung führte eher zu einer Zunahme der ökonomischen Marginalisierung der Minderheiten. In Xinjiang spielte dabei das Produktions- und Aufbaukorps eine besonders wichtige Rolle, indem diese Han-chinesisch dominierte Organisation zur Marginalisierung der Uiguren beitrug. [37] Faktisch blieb das pro-Kopf-BIP der han-chinesischen Siedlungen weitaus höher als in den noch weiterhin mehrheitlich uigurisch bewohnten Gebieten. [45] [41] Viele Uiguren, die für einen von Han-Chinesen dominierten Arbeitsmarkt schlecht ausgebildet sind oder trotz beruflicher Qualifikation diskriminiert werden, können von dem starken Wirtschaftswachstum nicht profitieren. [34] [35] [37] Das schwache Abschneiden der Regierungsbezirke Aksu, Kaxgar, Kizilsu und Hotan, in denen drei Viertel der uigurischen Bevölkerung von Xinjiang konzentriert sind, weist darauf hin, dass ein erheblicher Teil dieser Bevölkerung Einkommen im Bereich der chinesischen und der von internationalen Organisationen festgelegten Armutsgrenze hat. [45] Das Fortbestehen ökonomischer Ungleichheiten entlang der ethnischen Linien in Xinjiang in Verbindung mit der strengen Kontrolle der chinesischen Führung über politische Institutionen führte in der Tendenz zu einem Umfeld, in dem die Uiguren Xinjiangs die von Han-Chinesen dominierte Regierung als Kolonialregime betrachteten. [46]

Der südwestliche Teil Xinjiangs, der vor allem die Regionen um das Tarimbecken und die nördlich ans Tien-Shan-Gebirge (uigurisch: Tängri Tagh) angrenzende Ili-Region umfasst, ist weiterhin vorwiegend von turksprachigen Ethnien besiedelt und gehört auch aus historischer Sicht zu „Ostturkestan“. Die Bevölkerung dieser Region kann sowohl wegen ihrer jahrhundertelang währenden historischen Verbundenheit mit den kulturellen und politischen Zentren der muslimischen Welt, als auch wegen ihrer selbstempfundenen Identität in erster Linie als Teil Zentralasiens und der turksprachigen Welt verstanden werden. Insbesondere betonen Uiguren häufig die sprachliche und kulturelle Nähe zu den Usbeken. [3]

Zentralasiatische Republiken

Anfang des 21. Jahrhunderts lebten in Usbekistan, Kasachstan und Kirgisistan insgesamt mindestens 300.000 Uiguren. [14] In Kasachstan stellen die Uiguren etwa 1,4 % der Bevölkerung (Stand: 2009 oder früher). [47]

Diaspora außerhalb des früheren Turkestans und Chinas

Rebiya Kadeer VOA Chinese Rabiye.jpg
Rebiya Kadeer, ehemalige WUC-Präsidentin
Andrew Bremberg and Dolkun Isa in February 2020 (cropped).jpg
Dolkun Isa, amtierender WUC-Präsident


Demonstrationen in der westlichen Diaspora am 10. Juli 2009 anlässlich der Unruhen in Ürümqi vom 5. bis 7. Juli


Das Foto in Berlin zeigt ein Plakat der GfbV gegen Unterdrückung oder Zerstörung von Kultur, Architektur, Sprache und Religion der Uiguren durch China

Nach der Auferlegung der kommunistischen Herrschaft im Jahr 1949 führte massive Einwanderung von Han-Chinesen nach Xinjiang dazu, dass sezessionistische Bewegungen und antikommunistische, antirussische und antichinesische Revolten turksprachiger Rebellen in Xinjiang immer weniger Erfolgschancen hatten. [48] In den 1950er Jahren wurden Augenzeugenberichten zufolge Verfolgungen muslimischer Sezessionisten durch das neue Regime durchgeführt. 1966 wurden als Teil der chinaweiten Kampagne der Kulturrevolution zur Zerstörung der alten Traditionen alle Religionen in China verboten, ohne Xinjiang davon auszunehmen. Koranexemplare und islamische Bücher wurden verbrannt, Moscheen zerstört oder geschlossen und religiöse Führer von den Roten Garden verfolgt. Der Leidungsdruck durch die Maßnahmen war bei den Muslimen sehr hoch. Infolgedessen wurden Tausende Muslime ins Exil in muslimische Länder getrieben, in Zentralasien, im Nahen Osten und auf dem indischen Subkontinent. [32] [33] Viele Uiguren verließen ihre Heimat infolge der kommunistischen Machtübernahme. Eine große Anzahl uigurischer Flüchtlinge ließ sich in Saudi-Arabien nieder. Weitere Gruppen leben in Taiwan, im indischen Teil Kaschmirs in Srinagar, in den USA und in Pakistan (Stand: 1989). [23]

Zu Beginn der 1990er Jahre kam es zur Auswanderung antikolonialer Kreise. [44] Die aktivsten säkularen nationalistischen Aktivisten wurden verhaftet oder flüchten in die Diaspora. Die islamisch-nationalistische Strömung war in der militanten uigurischen Szene der Disapora eher marginal. Sie war im wesentlichen säkular-nationalistisch geprägt. [43] Diese Auswanderungswelle dürfte militante Strömungen der uigurischen Diaspora gefördert oder erneuert haben, sowohl in Zentralasien, als auch in der Türkei und in der damals entstehenden westlichen Diaspora (hauptsächlich Deutschland, USA und Australien). [44]

Zwar verliefen die ersten Jahre des 21. Jahrhunderts in Bezug auf die uigurische Frage für den chinesischen Staat auf seinem Territorium ruhiger als die 1990er Jahre. Andererseits gelang es jedoch der uigurische Diaspora, ihre traditionelle Uneinigkeit zumindest soweit zu überwinden, dass 2004 in München der Weltkongress der Uiguren (WUC) gegründet würde, der ein Zentrum für antichinesische Aktivitäten bildete. [16] Die uigurische Diaspora unternahm im Westen große Anstrengungen, ihren Einfluss im 21. Jahrhundert zu verbreiten. [49] Im Ausland lebende Führer wie Rebiya Kadeer oder Dolkun Isa hatten sich allmählich an den politischen Standards des Westens ausgerichtet und ihre politischen Handlungen nach der gewaltfreien Lobbyarbeit der tibetischen Diaspora gestaltet, um die Unterstützung von ausländischen Positionen und Regierungen zu gewinnen. Diese Strategie hatte 2004 den WUC hervorgebracht. [43] Der WUC ist dabei nicht muslimisch, sondern weltlich ausgerichtet. [49] Die erfolgreiche Geschäftsfrau Kadeer, die in China inhaftiert, dann freigelassen und nach Washington geflüchtet war, wurde 2006 WUC-Präsidentin [16] und verkörperte lange Zeit den WUC. [43]

Die Uiguren sind ein Beispiel dafür, dass der Wunsch ethnischer Minderheiten sehr deutlich politisiert und internationalisiert werden kann, die eigene kulturelle Identität oder ethnische Kultur gegen die Kräfte der Globalisierung oder mehrere andere ethnische Kulturen, die mächtig und einflussreich sein können, zu bewahren. Im heutigen China trifft dies besonders deutlich auf ethnische Minderheiten mit gut organisierten Diasporas zu. Unter ihnen ist zwar die tibetische Kultur der bei weitem bekannteste Fall, doch folgen ihnen die Uiguren, die ihr internationales Profil im 21. Jahrhundert verstärken konnten. [49]

Die chinesische Führung ließ sich in dem Konflikt nicht ernsthaft auf Verhandlungen mit den im Exil lebenden Vertretern der ethnischen Gruppe der Uiguren ein, [37] sondern griff stattdessen ihre Repräsentanten persönlich und diffamierend an. [37] [49] Die chinesischen Behörden verglichen Rebiya Kadeer schnell in ihrer Bedeutung als politisch verantwortliche Figur mit dem tibetischen Dalai Lama, indem sie sie bezichtigten, den großen Aufstand in Xinjiangs Hauptstadt Ürümqi im Juli 2009 angestiftet zu haben. Ihre Anschuldigung, die Präsidenten des WUC sei eine Terroristin, wurde allerdings von westlichen Kommentatoren praktisch allgemein zurückgewiesen. [49]

Türkei
Osttturkestan-Flagge bei einem Gewürzhändler am Ägyptischen Basar im Istanbuler Stadtteil Eminönü (1. August 2009)

In den 1950er Jahren erreichte eine erste Gruppe Uiguren aus Xinjiang über Pakistan die Türkei. 1968 folgte eine zweite Welle uigurischer Einwanderer in die Türkei über Afghanistan. [50] [23]

Unter den vielen Gruppen von Immigranten, die seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert nach Anatolien übersiedelten, stellten die Flüchtlinge aus Turkestan, [A 2] die während der 1950er Jahre in die Türkei gelangten, eine der auffälligsten dar. Ihre vergleichsweise ausgeprägt mongolide Physiognomie machte sie leicht von der angestammten Bevölkerung in der Türkei unterscheidbar und führte nicht selten zu ihrer Verwechslung mit Chinesen oder Japanern. [23] Zusammen mit anderen Immigrantengruppen mit mongoliden Merkmalen wurden sie in der Türkei gewöhnlich als „Tataren“ (türkisch: Tatarlar) angesprochen, bezeichneten sich selbst jedoch als „Turkestani“ (türkisch: Türkistanlılar). Gemeinsam war diesen Gruppen neben ihrer Zugehörigkeit zum sunnitischen Islam hanefitischer Rechtsschule, dass sie verschiedene, aber bis zu einem gewissen Grad gegenseitig verständliche zentralasiatische Turksprachen sprechen und – meist in den 1950er Jahren – aus dem ehemals „Turkestan“ [A 2] genannten Gebiet kamen, das später zwischen der Volksrepublik China (Region Xinjian), der Sowjetunion (die sozialistischen Sowjetrepubliken Kasachische SSR, Turkmenische SSR, Kirgisische SSR und Usbekische SSR) und Nord-Afghanistan aufgeteilt wurde. Aus wissenschaftlicher Sicht gehören sie allerdings verschiedenen ethnischen Gruppen an, namentlich den Usbeken, Turkmenen, Kirgisen, Kasachen und Uiguiren. [23] In der Türkei gab es bis 1921, als die heutigen Uiguren ( türkisch: Uygur oder im Plural Uygurlar), ihre Selbstbezeichnung als Uyğur annahmen, verschiedene nach ihren Wohnorten gewählte Selbstbezeichnungen wie Käşkarlık, Turpallık, Kommulluk oder andere. [50] Andrews wies in seiner umfassenden Ethnographie der Türkei (1989) darauf hin, dass die Uiguren bei der Volkszählung in der Türkei nicht gesondert ausgewiesen wurden, da es sich bei ihnen (wie bei den Türken selbst) um Sprecher einer Turksprache handelte. [50] Svanberg (in der gleichen Ethnographie veröffentlicht) gab für das Jahr 1980 eine Anzahl von 700 Uiguren in der Türkei an, die in Istanbul (rund 50 Familien in der Kasachen-Siedlung in Safraköy, weitere in Örnektepe), Izmir, Adana und Kayseri (mit der größten Gruppe von rund 100 Familien in Yenimahalle) lebten. Typisch für die Uiguren in Istanbul war es, dass sie ihren Lebensunterhalt durch Handel und Handwerk bestritten, während die Uiguren Kayseris dafür Mützen und insbesondere Gebetskappen (türkisch: takke) nähten. [50] [23]

In ihrer Religionsangehörigkeit folgen die Uiguren in der Türkei dem sunnitischen Islam in strikt hanefitischer Ausprägung. Allein die Striktheit ihrer Befolgung religiöser Bräuche, nach denen Frauen in Seklusion mit Männern lebten, hob sie nach Andrews (1989) wohl schon vom Rest der türkischen Gesellschaft ab. [50] [23] Die „Turkestani“-Immigranten waren im Batı Türkistan Kültür Derneği und im von den Uiguren dominierten Doğu Türkistan Göçmenler Derneği organisiert, über die Folklorevorführungen und Teilnahmen an verschiedenen politischen Kundgebungen veranstaltet und Propaganda zum Thema Turkestan verbreitet wurde. Auch führten Uiguren und Kasachen ein recht aktives kulturelles Leben mit oft panturkistischer Richtung. [23]

In der Türkei sprechen die Uiguren (Stand: 1989) Uigurisch oder Osttürkisch (türkisch: Türki, Uyğur Tili), das zur Gruppe der Östlichen Turksprachen innerhalb der Sprachfamilie der Turksprachen gehört und sich in zwei Hauptdialekte (Nord und Süd) sowie in vier weitere, recht „isolierte“ Dialekte aufteilen läßt. Sie hielten in der Türkei an ihrer Sprache für den Gebrauch untereinander fest. [50]

Deutschland
Uigurischer Protest in München (21. August 2008)

Als größte uigurische Gemeinde in der europäischen Diaspora gilt München, wo 500 der 600 in Deutschland lebenden Uiguren ansässig sind (Stand: 2009), bei denen es sich laut einem Vertreter des Weltkongresses der Uiguren (WUC) meist um politische Flüchtlinge handelt. [51]

USA

Uiguren sind auch in beträchtlicher Zahl in die USA ausgewandert, wo sie ihren Fokus auf Menschenrechtsverletzungen und Opposition gegen China legen, nicht jedoch auf den Islam. [49] Der chinesische Staat reagierte mit Verärgerung darüber, dass der WUC-Präsidentin Rebiya Kadeer Asyl in den USA gewährt wurde. [52]

Kultur und Gesellschaft

Im Laufe ihrer Geschichte war die Region Xinjiang insbesondere aufgrund ihrer zentralen Lage entlang der Seidenstraßein in hohem Maße von kultureller Austausch zwischen Ost und West geprägt. [53]

Die Uiguren gelten als die den Han-Chinesen kulturell und sprachlich unähnlichste von allen großen ethnischen Gruppen in China. Die uigurische Sprache ist völlig anders als die chinesischen Sprachen. Und die uigurische Kunst ähneln eher jener der Türken als jener der Chinesen. [27] [16]

In China stellen die Uiguren die bevölkerungsreichste ethnische Gruppe der muslimischen Turkvölker dar. Die vier anderen Turkvolk-Nationalitätensind nach Bevölkerungsanzahl die Kasachen, Kirgisen, Usbeken und Tataren. [49] Den Uiguren kulturell und sprachlich sehr ähnlich sind die Usbeken. tatsächlich werden Usbeken und Uiguren in Teilen Zentralasiens als Angehörige derselben ethnischen Gruppe angesehen, [49] und auch die Uiguren heben die sprachliche und kulturelle Nähe zu den Usbeken oft hervor. [3]

Auch die Informationsgesellschaft der westlichen Welt stellt die politischen Verhältnisse der Uiguren und ihre historischen Bedingungen in aller Regel nur verzerrt dar, während nur wenige spezialisierte Experten über tiefer gehende Kenntnisse von der Geschichte und Kultur Xinjiangs verfügen. Grund dafür ist die viele Jahrzehnte lange und weitgehende Abriegelung der Region Xinjiang von der Außenwelt, die sich erst in den 1980er Jahren zaghaft zu lockern begann. So sind bis in der 1990er Jahre nur wenige Studien über die Region veröffentlicht worden. Zum Ende der 1990er Jahre hat wieder eine intensivere Beschäftigung der Forschung mit diesem multiethnischen und multikulturellen Raum eingesetzt. Dabei handelt es sich allerdings meist um historisch- politische, islamwissenschaftliche oder ethnologischen Studien, die sich in erster Linie an ein Fachpublikum richten. [54]

Identität

Die muslimischen Turkvolk-Minderheiten von Xinjiang, wie Uiguren und Kasachen, sind den Türken der Türkei weitaus ähnlicher als den ethnischen Chinesen. [16] [27] Die Uiguren sprechen ihre eigene Sprache, die sich als Turksprache von den chinesischen Sprachen völlig abhebt, [55] [27] und sie gleichen auch physisch eher Zentralasiaten als Han-Chinesen. [55] Infolgedessen identifizieren sich Uiguren stark mit turksprachigen Muslimen in Zentralasien. [55] In Bezug auf die politische Organisation herrschten vom 9. bis zum 13. Jahrhundert n. Chr. uigurische Könige über einen Großteil des nördlichen Turfan-Beckens, und im 17. Jahrhundert konsolidierten Naqschbandīya-Sufis die Macht über das südliche Tarim-Becken, bis Qing-Soldaten sie Mitte des 18. Jahrhunderts stürzten. [55] Xinjiang wurde also recht spät erstmals in das chinesische Reich eingegliedert. [55] [56] Die Uiguren hatten andere historische Beziehungen zur Han-Mehrheit und zum chinesischen Staat als etwa die Hui-Chinesen und waren im Gegensatz zu diesen nicht geografisch über ganz China verteilt, sondern in Xinjiang konzentriert, insbesondere in Oasenstädten im Süden von Xinjiang wie Kaxgar und Yarkant. [55] Als Folge der Merkmale aus Sprache, biologisch-ethnischer Abstammung, Religion und politischer Geschichte haben die Uiguren einen starken Identitätssinn entwickelt, der sich weitgehend gegen den der Han- und Hui-Migranten in Xinjiang definiert. [55]

Während die Handhabung der Minderheitenfrage durch die Kommunistische Partei Chinas für die meisten der 55 offiziell anerkannten Minoritäten Chinas im Großen und Ganzen als recht erfolgreich bewertet werden kann, ist sie für zwei der Minderheiten – namentlich die Tibeter und die Uiguren – nicht oder nur sehr unzureichend gelungen. [16] Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Tibetern und Uiguren einerseits und den anderen ethnischen Minderheiten andererseits besteht darin, dass die separatistischen Bewegungen unter diesen beiden weitaus hartnäckiger waren. Außerdem sind die Unterschiede zwischen ihnen und den im Staat dominierenden Han-Chinesen größer und tiefergehend als bei den meisten anderen Minderheiten. Wesentlich stärker ausgeprägt als bei anderen Minderheiten ist bei ihnen eindeutig das Bestehen auf einer starken Identität einerseits und die Abneigung - insbesondere unter politischen und kulturellen Eliten - zur Akzeptenz der chinesischen Hoheitsgewalt. Zwischen ihnen als ethischen Minderheiten auf der einen Seite und den Han-Chinesen sowie dem chinesischen Staat auf der anderen Seite herrscht eine vergleichsweise hohe Intoleranz. [16] Im Gegensatz zu den ebenfalls muslimischen Hui-Chinesen verbinden sich die Uiguren selten ehelich mit Han-Chinesen. [56]

Als einer der in der heutigen Welt wohl bedeutendsten Aspekte der uigurischen Kultur wird der Wunsch nach Unabhängigkeit beschrieben. Angesichts der sprachlichen, geschichtlichen, religiösen und sonstigen Unterschiede zwischen uigurischen Chinesen einerseits und Han-Chinesen oder anderen, stärker sinisierten Minderheiten andererseits steht der Unabhängigkeitwille für die uigurische Identität weiterhin im Vordergrund. [57]

Dem Unabhängigskeitsstreben der Nationalisten entgegen wirken verschiedene Faktoren. Erstens wird die Sprache in ihrer die uigurischen Gemeinschaften vereinenden Wirkung dadurch beeinträchtigt, dass die Uiguren in verschiedenen Staaten unterschiedliche Schriften wie Arabisch, Kyrillisch oder Lateinisch zur Niederschrift der Sprache verwenden und so ihre Kommunikation zwischen den Staaten erschwert wird. Zweitens behindern sich gegensätzliche Programme der unterschiedlichen uigurischen politischen Gruppen wie Pan-Turkismus, uigurischer Nationalismus, Säkularismus und Islamismus gegenseitig beim Verfolgen gemeinsamer uigurischer Ziele. Drittens scheuen alle in der jüngeren Zeit neu unabhängig gewordenen Turkvolkrepubliken aus geopolitischen Gründen vor der Unterstützung aufkeimender Unabhängigkeitsbewegungen wie die der chinesischen Minderheiten zurück, aus der Sorge damit lukrative Handelsabkommen oder politische Unterstützung von der UNO im Weg zu stehen. Viertens führte die Angst vor muslimischen Bewegungen weltweit nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 allgemein zu einer Hemmung einiger uigurischer Bewegungen, insbesondere, wenn diese ihre Religion als Zentrum der uigurischen Identität behandelten. [57]

Während die ebenfalls muslimischen Hui-Chinesen oft als vorbildliche Minderheit wahrgenommen werden, die sich als „gute Muslime“ an der Staatsmacht beteiligen, werden die Uiguren im Gegensatz dazu als „schlechte Muslime“ dargestellt, allerdings in Verkennung der historischen Realität, da auch die Beziehung zwischen den Hui im Nordwesten Chinas zu dem historischen chinesischen Staat keineswegs ruhig verlaufen war. [55]

Sprache

Die uigurische Sprache gehört zur Sprachfamilie der Turksprachen innerhalb der Gruppe der Altaischen Sprachen. [14] Innerhalb der Turksprachen wird das Uigurische in den Zweig der karlukischen Sprachen eingeordnet [15] und steht dem Usbekischen besonders nahe. [58] Die Uiguren gehören zu den ältesten Sprechern einer Turksprache in Zentralasien und werden bereits in chinesischen Aufzeichnungen des 3. Jahrhunderts erwähnt. [14]

Im Gegensatz zu den Hui-Chinesen sprechen die meisten Uiguren keine Chinesische Sprache. [56] Trotz der lange zurückreichenden Besiedlung Xinjiangs durch die Uiguren, gerieten sie erstmals Mitte des 18. Jahrhunderts unter chinesischer Herrschaft. [56] [55] Keinem der chinesischen Herrscher gelang es in den folgenden 250 Jahren jedoch, das uigurische Volk in das chinesische zu assimilieren. [56] [A 8]

Mit zunehmender Höhe im Bildungssystem nimmt der Anteil des Chinesischen als Unterrichtssprache zu. Uigurische Sprachschulen sind in der Mittelschule weitaus seltener als in der Grundschule. Auf Universitätsniveau ist Chinesisch bei weitem die dominierende Unterrichtssprache. Der Trend geht dabei weiter in Richtung Chinesisch. [49] Im Hochschulbereich erfolgt der Unterricht letztlich in Mandarin. An der Xinjiang-Universität waren Kurse sowohl auf Chinesisch als auch auf Uigurisch unterrichtet worden, bis ein Regierungserlass im Jahr 2002 bestimmt hat, dass die meisten Kurse nur auf Chinesisch abgehalten werden. [18] [49] Es wurde kritisiert, dass die Verengung praktisch des gesamten Universitätsunterrichts in Mandarin einen Hauptbestandteil der Kultur der ethnischen Minderheit der Uiguren untergrabe. Die Unterrichtssprache und der mangelnde Bezug des zentralisierten und standardisierten Lehrplans zu den Gemeinschaften der ethnischer Minderheiten insbesondere in ländlichen Gebieten gelten Kritikern als Hauptgründe dafür, dass die Prüfungsergebnisse der Minoritäten schwach ausfallen und Schüler, die ethnischen Minderheiten angehören, die Schulbildung vollständig abbrechen. [18] Heutzutage schicken viele uigurische Eltern ihre Kinder in chinesischsprachige Schulen, minkaomin (民考汉) genannt, damit diese bessere Chinesischkenntnisse erwerben und dadurch bessere Jobchancen erhalten. Dies führt teilweise zu dem Vorwurf anderer Uiguren, die solche minkaomin-Schüler oft als zu stark von der Han-Kultur beeinflusst ansehen oder sie im schlimmsten Fall als Abtrünnige der uigurischen Kultur betrachten und behandeln können. Die minkaomin-Schüler selbst schämen sich manchmal für ihren Minderheitenhintergrund oder ihren „kulturellen Mangel“. Andere betrachten sich durch ihre chinesische Ausbildung als moderner, fortschrittlicher oder internationalistischer als diejenige aus Schulen mit Unterricht in Minderheitensprache, [49] minkaomin (民考民) gennant. [37] Allmählich erfasst alle chinesischen Minderheitenregionen der als sogenannte „zweisprachige Bildung“ (shuangyu jiaoyu 双语教育) propagierte Trend einer immer breiteren und früheren Einführung des Chinesischen als Unterrichtssprache. Diese Sinisierung des Bildungssystems wird zumindest vordergründig damit plausibel begründet, dass die Beherrschung der „Verkehrssprache der Mehrheitsgesellschaft“ die Arbeitsmarktchancen erhöht und so bei der Überwindung der wirtschaftlichen Rückständigkeit der Minderheiten und ihrer Regionen helfen könne. Tatsächlich liegen die Uiguren durchschnittlich weit hinter den Bildungsstandards der Han-chinesischen Bevölkerung zurück. [37]

Heute sprechen viele chinesische Tadschiken in einer weitgehend uigurisch besiedelten Region des Landes neben ihrem indoeuropäischen Tadschikisch auch Uigurusch, während sie aber nur sehr geringe Kenntnisse in Han-Chinesisch oder anderen Sprachen erwerben. [59] [A 8]

Auch viele der den Uiguren als Muslime kulturell nahestehenden Usbeken in China sprechen die uigurische Sprache. [60]

Die realexistierenden Bedingungen der Modernisierung haben zwar den Aufstieg des Chinesischen ( Modernes Standardchinesisch, Putonghua) gegenüber den Sprachen der ethnischen Minderheiten begünstigt, und Anfang des 21. Jahrhunderts ergab eine Studie der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, dass nur noch fünf ethnische Sprachen in den öffentlichen Bereichen wie Regierung, Rechtswesen, Verlagswesen, Medien und Bildung aktiv waren. Doch zählte Uigurisch (zusammen mit Tibetisch, Mongolisch, Koreanisch und Kasachisch) zu diesen noch aktiv verwendeten Sprachen. [49]

Religion und Religionsrecht

Die Uiguren weisen eine lange und vielfältige religiöse Tradition auf, die vom Schamanismus über den Manichäismus bis zum nestorianischen Christentum und Buddhismus reichte, bevor die Uiguren im 15. Jahrhundert endgültig zum Islam konvertierten. [15] Der Süden Xinjiangs ist seit rund 1000 Jahren islamisch geprägt, wohingegen der Osten Xinjiangs – wie etwa die Region Turfan – im 15. Jahrhjundert islamisiert wurde, also erst relativ spät. [54] Während von den 55 anerkannten Minderheiten Chinas lediglich etwa 50 % für einen von der Han-Kultur abweichenden Glauben eintreten, gelten die Uiguren als das vorderst zu nennende Gegenbeispiel, indem sie zu einem weitaus höheren Anteil religiös gläubig, also überwiegend muslimisch, sind. [18] Die Ausübung islamischer Glaubenspraktiken ist ein Element ihres zentralasiatischen Erbes. Der vorislamische Glaube beeinflusst jedoch weiterhin die uigurische Islampraxis, insbesondere unter den Sufis im südlichen Xinjiang. Viele städtische Uiguren identifizieren sich heute als „Sunniten“, womit sie „anders als Sufis“ meinen. [55]

In China sind die Minderheiten algemeinen sowohl im Glauben als auch in der Praxis religiöser als die Han-Chinesen. Neben den Tibetern zeichnen sich die Uiguren in China durch die starke Rolle aus, die die Religion traditionell in ihren Gesellschaften spielte und weiterhin spielt. Während bei den Han-Chinesen die staatsorientierte Ideologie des Konfuzianismus religiöse Körperschaften immer daran hinderte und weiterhin hindert, Einfluss oder gar Kontrolle auf die formelle Staatsführung auszuüben, ist es bei einigen Minderheiten zu starkem religiösen Einfluss auf die staatliche Politik gekommen. So durch den tibetischen Dalai Lama als früheres Oberhaupt sowohl der Religion als auch der Regierung, aber auch durch den islamischen Klerus, der sowohl sozial als auch politisch hohe Bedeutung für die muslimischen ethnischen Gruppen hatte. [49] Unter der modernen chinesischen Herrschaft war das Gebiet des ehemaligen Osstturkistans dann nie religiös frei. Seit Regierungsübernahme durch die Volksrepublik China in der Region Xinjiang im Jahr 1949 verfolgte die chinesische Führung eine Politik der religiösen Repression, die auf die vollständige Assimilation der Uiguren an die Han-chinesischen Einwanderer abzielte. [61]

Für die gesamte Region Xinjiang mit ihren verschiedenen Ethnien ist der Islam die in außerordentlichem Maße vorherrschende Religion. Nach offiziellen Angaben lebten im Jahr 2000 8,1 Millionen religiöse Menschen in Xinjiang, in fast allen Fällen Muslime, und es waren 20.0000 Moscheen und rund 29.000 Angehörige des Klerus verzeichnet. Dabei handelte es sich um offiziell gesponsorte und vom Staat finanziell unterhaltene Moscheen, sowie teilweise um staatlich unterstützte Imame. Die einst zahlreichen Anti-Regierungs-Moscheen waren dagegen seit der 1996 gestarteten „Kampagne des harten Schlags“ stark geschwächt worden. Im Süden Xinjiangs ist der Islam allerdings weitaus stärker als im Norden der Region. Ein Grund liegt darin, dass der Süden uigurisches Gebiet ist, während der Norden durch Kasachen besiedelt wird, die als nachlässiger in der Ausübung islamischer Praktiken gelten als Uiguren. Zwar existierten auch kasachische Moscheen, doch lebten viele Kasachen weiterhin nomadisch und besuchten Moscheen daher wohl auch mit geringerer Wahrscheinlichkeit. [27]

Seit den 1990er Jahren hat in Xinjinag die staatliche Kontrolle über die Religion den Dialog mit ihr offenbar zunehmend ersetzt. Diese Kontrolle wurde so überzogen und die damit verbundenen Strafen so ungerecht oder übertrieben, dass sie auch im kontraproduktiven Sinne gewirkt und eine Zunahme von Gewalttaten gefördert haben kann. [46] Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 hatte die chinesische Führung unmissverständlich darauf bestanden, dass es sich bei den uigurischen Separatisten um Terroristen handle, die vom islamischen Fundamentalismus inspiriert seien. Westliche Experten bestritten dagegen schon im Jahr 2004, dass die Quelle der Konfrontation mit den Han-Chinesen oder dem chinesischen Staat im Islam zu suchen sei, räumten jedoch ein, dass der Islam vermutlich für die Zukunft eine wachsende Rolle in der nationalistisch uigurischen Bewegung spielen werde. [16] [62]

Schriftreligion

Die Mehrheit der Uiguren gehört heute dem sunnitischen Islam hanafitischer Rechtsschule an. [3] [15] Die Bekehrung des uigurischen Herrschers in Kaxgar im 10. Jahrhundert bildete den Ursprung des Islams nicht nur für die Uiguren, sondern für alle Turkvölker. Obwohl die Intensität der Bindung an den Islam unter den Uiguren unterschiedlich ist, bleibt sie im Allgemeinen und vor allem im südlichen Xinjiang stärker als das bei den Hui-Chinesen. [49]

Das Festhalten der Uiguren an den Grundsätzen des sunnitischen Islam kann als ein zentrales Merkmal ihrer Identität in der heutigen Welt angesehen werden. Der religiöse Glaube hat Einfluss auf die Ernährung und Auswahl der Nahrungsmittel der Uiguren genommen. In den meisten Fleischgerichten meiden sie Schweinefleisch und ziehen stattdessen Lammfleisch vor. Auch Märchen, Musik und Tanz der Uiguren wurden von ihrer Religion beeinflusst. [57]

Die Form der Islampraxis der meisten Uiguren wird als im weltweiten Vergleich verhältnismäßig liberal beschrieben. Nur wenige Frauen bedecken sich demnach mit einem Schleier, wenngleich Frauen und Männer außerhalb des Heims körperlichen Kontakt vermeiden. [57] Andererseits beschreiben Wissenschaftler die uigurischen Immigranten in der Türkei der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als strikt sunnitisch und sich offenbar schon allein durch die strengere Geschlechtertrennung von den Türken abhebend. [50] [23]

„Volksrecht“ und Religionsrecht

Bei den muslimischen Turkvölkern haben islamische Rechtsinstitutionen eine lange Geschichte und konnten sich noch bis in die sozialistische Zeit halten. Die Qing-Dynastie herrschte in indirekter Weise, die solchen Institutionen ein gewisses Maß an politischer Autonomie ermöglichten. In den Oasenstädten rund um die Taklamakan-Wüste in Xinjiang setzten die Qadis eine Kombination aus Scharia und uigurischem Gewohnheitsrecht vor qadihana (uigurisch für: „Haus des Qadi“) genannten Gerichten um. Im Jahr 1874 hob das Qing-Gericht die Anwendung des islamischen Rechts bei der Behandlung von Strafsachen auf, ließ jedoch weiterhin das islamische Recht und die lokale Sitte für die Behandlung nicht-krimineller Angelegenheiten durch Qadis zu. Bis in die frühen 1950er Jahre beglaubigten Qadis noch häufig juristische Dokumente, obwohl chinesische Verwaltungsbeamte zunehmend versuchten, solche Rechtsformen zu standardisieren. In uigurischen Fabeln sind oft Qadis zu sehen, manchmal in Form des Volksweisen Afanti, [A 9] was die starke Stellung der Institution des Qadi im uigurischen kollektiven Bewusstsein demonstriert. Die muslimischen Turkvolk-Gemeinschaften – so die Uiguren oder auch die Salaren – unterhielten islamische Rechtsinstitutionen weitaus länger aufrecht als chinesische Muslime in der Provinz Gansu. Die lockere geografische Verteilung und die geringere Bevölkerungsdichte ihrer Gemeinden machten die Hui-Chinesen dort anfälliger für den Druck der Hanifizierung als es bei den Uiguren in ihrem konzentrierten Siedlungsgebiet in Xinjiang der Fall war. [63]

Wie der „Volksglaube“ (minjian xinyang) ist auch das „Volksrecht“, einschließlich des Religionsrechts, nicht über formelles Recht geregelt. Das Religionsrecht einiger ethnischer Gruppen, die transnationale Verbindungen haben und nicht unbedingt an nationaler Gerichtsbarkeit festhalten, erwies sich für die sozialistische Herrschaft als störend. Zu diesen ethnischen Gruppen gehörten an erster Stelle die Uiguren und Tibeter und in geringerem Maße die Mongolen und Hui. [64]

Volksglaube und Schamanismus

Die Volksreligion ist ebenso wie vom Islam auch vom klassischen Schamanismus geprägt.

Es gibt vielerorts in Xinjiang traditionelle uigurische Heiler und Heilerinnen, die als baxshi, perixon oder daxan bezeichnet werden. Ihre Methoden beruhen auf ekstatischen Tänzen und Trancezuständen, und ihren Diagnosen und Therapien liegt Kosmologie zugrunde, die den Einfluss von Geistern auf das Leben voraussetzt. Allgemein lässt sich festhalten, dass bei manchen Uiguren, vor allem in ländlichen Gebieten, ein Glaube an spirituelle Wesen verbreitet ist, die in die menschliche Existenz involviert sind. Der Schamane ist bei einem Teil der Uiguren eine praktische Institution im lokalen Islam. [3]

Schrift und Literatur

500- Yuan-Banknote von 1951 mit dem uigurischen Schriftzug „جۇڭگو خەلق بانكىسى“ für „ Chinesische Volksbank
Schrift in der Gegenwart

Heute verwenden die Uiguren in den verschiedenen Staaten ihres Siedlungsgebietes unterschiedliche Schriften wie Arabisch, Kyrillisch oder Lateinisch zur Niederschrift der Sprache. [57]

Im heutigen China verwenden die meisten Minderheiten die chinesischen Schriftzeichen zum Schreiben. Zu den wenigen Ausnahmen gehören die Uiguren, die wie die ebenfalls turksprachigen Minderheiten der Kasachen und Kirgisen das Arabische Alphabet verwenden. Wie die gesprochenen und geschriebenen Sprachen der anderen offiziell anerkannten Minderheiten ist auch das Uigurische in arabischer Schrift in China in den Bereichen Recht und Gesetz, Verwaltung, Bildung, politisches und soziales Leben und in anderen Bereichen weit verbreitet. So wird etwa der Name „ Chinesische Volksbank“ auf jeder Banknote, von 100 Yuan RMB herab bis 1 Jiao, auch in der uigurischen Form geschrieben. [49]

Schrift in der Geschichte

Die vor über 1000 Jahren vollzogene Urbanisierung der Uiguren ging Hand in Hand mit einer langen literarischen Tradition. [57] Das früheste uigurische Khanat übernahm die Schrift der schreibkundigen Sogdier, um eigene Texte zu erstellen. [57] [65] Grundlage der uigurischen Schrift war damit die Schrift der Sogdier, die wiederum bedeutende Elemente ihres Alphabets aus dem Aramäischen entlehnt hatten. [65]

Die uigurische Schrift wurde von den Naimanen zum Schreiben ihrer mongolischen Sprache verwendet. Nachdem Dschingis Khan die Naimanen unterworfen hatte, übernahm er die Naimanen-Schrift zum Schreiben der mongolischen Sprache. [65]

Literatur

Die uigurische Literatur befasste sich im Laufe ihrer Geschichte vorwiegend mit religiösen Themen, angefangen von der Zeit ihrer Bekehrung zum Manichäismus, über das nestorianische Christentum und dann den Buddhismus bis hin zum Islam. Daneben existieren aus den Überlieferungen der uigurischen Gelehrten seit rund 1000 Jahren aber auch Volksmärchen, uigurische Legenden und historische Abhandlungen. [57]

Die uigurische Literatur (in Abgrenzung von der altuigurischen Literatur auch als neuuigurische Literatur bezeichnet) ist im Westen über nahezu alle literarischen Genres hinweg fast unbekannt. Ein wachsendes Interesse an der uigurischen Literatur ist in jüngster Zeit allerdings in der Türkei zu verzeichnen, wo die uigurische Literatur Gegenstand von literarischen, linguistischen und turkologischen Forschungsstudien wurde. [54]

Neben der Dichtung stellt vor allem das volkstümliche Lied eine bevorzugte Ausdrucksform uigurischen Kunstschaffens dar. Lieder eignen sich besonders gut für die Vermittlung versteckter oder auch ausdrücklicher politischer Botschaften, da sie sich dem Zugriff der Zensur weitgehend entziehen. [54]

Eine Legende besagt, die heutigen Uiguren seien die Nachkommen einer mystischen Vereinigung zwischen einer Hunnenprinzessin und einem Wolf. [66]

Gesellschafts- und Wirtschaftsformen

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Markt in Hotan
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Uigurischer Straßengrill in Hangzhou


Die gesellschaftliche Organisation der Uiguren ist auf das Dorf ausgerichtet. Sie leben vorwiegend als sesshafte Dorfbewohner in einem Oasenverbund, der sich aus den Tälern und unteren Hängen des Tien Shan, Pamirs und in Beziehung stehend Gebirgssystemen zusammensetzt. Da diese Region zu den trockensten der Welt gehört, wenden die Uiguren seit Jahrhunderten ein Bewässerungssystem an und erhalten so die Wasserversorgung für ihre Landwirtschaft. [14] Wie auch über ihre frühere Geschichte hinweg leben die Uiguren heute in einer Region mit fruchtbaren, sandigen Böden. Bewässerung findet durch Schnee und Regen in den die Region umgebenenden Bergen und durch die Wüstenoasen statt, um die sie ihre kleineren Ortschaften und größeren Städte errichtet haben. [57] Als Hauptnahrungspflanzen ( Food Crops) bauen die Uiguren Weizen, Mais, Kaoliang (eine Form von Sorghum) und Melonen an. [14] [67] Weizen, Reis, Mais, Wassermelonen, Maulbeeren, Birnen, Feigen, Granatäpfel, Walnüsse und vor allem Trauben und Baumwolle gedeihen im Klima Xinjiangs sehr gut. Bedeutendste Industriepflanze der Uiguren ist die bereits seit langer Zeit in der Region angebaute Baumwolle. [57]

Viele Uiguren finden Beschäftigung in der Erdölgewinnung, im Bergbau und in der verarbeitendes Industrie der städtischen Zentren. [14] Zu den seit Alters her fortbestehenden uigurischen Traditionen gehört die Praxis des Teppich- Webens. In den als Zentren der Teppichproduktion geltenden Städte Kashgar und Turfan wird die feine Wolle uigurischer Schafe zum Weben verwendet. [57]

Bekannt sind in China die traditionellen uigurischen Straßenstände, an denen kleine Fleischspieße angeboten werden. Meistens handelt es sich um Rind- oder Lammfleisch, das unter anderem mit Kreuzkümmel gewürzt wird. Solche Straßengrills finden sich auch in vielen Städten im Osten Chinas.

Architektur und Stadtgeschichte

Heytgah-Moschee in Kaschgar
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Außenansicht
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Innenansicht


Altyn-Moschee und Grabmal der Aman Isa Khan in Yarkant
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Altyn -Moschee
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Grabmal der Aman Isa Khan


Stadtgeschichte

Zwar waren die ursprünglichen Uiguren in Steppen lebende Nomaden, doch blicken sie auf eine sehr lange Stadtgeschichte zurück und gehören zu den ersten Turkvölkern, die in den Oasenstädten Zentralasiens sesshaft wurden. [57] Der Übergang zum Handel mit China erforderte Städtebau, da sich in den bei den Nomadengesellschaften üblichen Zeltsiedlungen die Waren nicht verstauen ließen. [68] Diese lange Geschichte der Urbanisierung muss durch ein Subsistenzsystem gefördert worden sein, durch das ein ausreichend großer Nahrungsmittelüberschuss erzeugt werden konnte, um die Arbeitsleistung der Bevölkerungsmehrheit für Handwerk, Handel und religiöse oder säkulare Bürokratien freigeben zu können. Noch heute bildet sich die lange Historie der islamischen und vorislamischen Urbanisierung in der Architektur von Turfan, Kashgar und Ürümqi ab. Moscheen, Minarette, Basare und Gräber prägen die städtischen und ländlichen Landschaften von Xinjiang als Zeugnisse der historisch weit zurückreichenden uigurischen Ansässigkeit. [57]

Architektur

Die Uiguren (und ähnlich auch die Hui-Chinesen und andere ethnische Minderheiten in China) verfügen mit ihren Moscheen über eine herausragende Architekturgeschichte. Wegen des religiös bedingten Verbots der Darstellung von Menschen und Tieren finden sich in den Moscheen keine entsprechenden Skulpturen und Gemälde. Anders als die meisten Moscheen der Hui folgen die Moscheen der Uiguren eher dem zentralasiatischen Stil. Zwei Merkmale sind für uigurische Moscheen im südlichen Teil Xinjiangs bezeichnend. Zum Einen sind dies die zwar überdachten, aber manchmal mehr oder weniger nach außen geöffneten Gebetsräume, die nicht im traditionellen arabischen Stil gewölbt sind. Zum Zweiten ist es das Vorhandensein zahlreicher Säulen entlang der Halle, die an der Verbindungsstelle mit dem Dach charakteristisch gestaltet sind. Als gutes Beispiel dafür gilt die größte Moschee Chinas, die Heytgah-Moschee in Kaschgar, die aus dem 15. Jahrhundert stammt und mehrfach - auch in der Zeit der Volksrepublik China - renoviert wurde. [49] Weitere Beispiele sind die als schön geltende Moschee in Yutian im Süden Xinjiangs und die Altun-Moschee in Yarkant, die aus dem Jahr 1533 stammt und mehrfach renoviert wurde. Ganz in der Nähe der Gebetshalle befinden sich die Gräber von Abdurixithan Khan und seiner Frau Aman Isa Khan, der das Zusammenstellen, Bearbeiten und Sammeln der anerkannten kanonischen Form der Zwölf Muqam zugeschrieben wird. [49]

Zerstörung von Moscheen im 21. Jahrhundert

Im Zuge der jüngsten Welle massiver Einschränkung der Religionsausübung in Xinjiang durch den chinesischen Staat kommt es heute auch zum Abriss vieler Moscheen. [69] [70] [71] Damit zerstört der Staat das physische islamische Erbe Xinjiangs. [72] Anfang Mai 2019 enthüllte eine vom Guardian und Bellingcat geleitete Investigation neue Belege für die großangelegte Zerstörung von Moscheen in Xinjiang durch den chinesischen Staat als weitere repressive Maßnahme gegen die muslimischen Minderheiten der Region. Demnach lagen Belege für über zwei Dutzend islamisch-religiöse Stätten vor, die seit 2016 in Xinjiang teilweise oder vollständig abgerissen worden waren. Unter den zerstörten Moscheen befand sich demnach auch die Yutian-Aitika-Moschee als große Gemeindemoschee in der Nähe von Hotan. Diese größte Moschee in ihrem Bezirk, deren Geschichte bis etwa 1200 n. Chr. zurückreichte, hatte den Einheimischen als Versammlungsort zu islamischen Festen gedient, bis sie offenbar im März 2018 abgerissen wurde. [73]

Musik und Tanz

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Lokale uigurische Musiker bei einer meshrep-Zusammenkunft in Yarkant (2010)
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Musikinstrumenten-Auslage eines Fachgeschäfts in Kaschgar (Mai 2007)


Die uigurischen Zwölf Muqam sind ein Beispiel für komplexe Formen der Performancekunst unter Chinas Minderheiten. Sie wurden im Jahr 2008 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen. [49] [53]

Unter uigurische Muqam wird allgemein eine Vielzahl von in den uigurischen Gemeinden verbreiteten Muqam-Praktiken zusammengefasst. [53] Die heute als kanonisch akzeptierte Version der Zwölf Muqam wird Aman Isa Khan zugeschrieben, doch gibt es lokale und andere Varianten. [49] Bei den vier regionale Hauptstile handelt es sich um den Zwölf-Muqam, Dolan-Muqam, Turfan-Muqam und Hami-Muqam. [53] Die Zwölf Muqam kombinieren verschiedene Kunstformen der Aufführung, darunter Musikstücke, Lieder und Tänze. Einige der Lieder und Musik sind traditionell, manche aber auch klassisch. [49] [53]

Sie werden mit einer Vielzahl von Musikinstrumenten gespielt, [49] [53] die kennzeichnend für die Uiguren sind. [49] Die führenden Instrumente der Muqam-Ensembles werden aus lokalen Materialien hergestellt. In der Form variieren sie und können als Streich-, Zupf- oder Blasinstrumente ausgestaltet sein. [53] Das vielleicht bedeutendste Instrument ist die langhalsige Streich-Satar (long-necked bowed stringed satar) mit ihrem charakteristischen Timbre. [49]

Auch die Choreografie und Kostüme der Tänze sind sehr charakteristisch. [49] Zu den Tanzelementen zählen einzigartige Schritte, Rhythmen und Formationen sowie Figuren wie Blumenpflücken mit Mund, bei populären Tänzen das Balancieren von Schüsseln auf dem Kopf und das Nachahmen von Tierbewegungen in Solotänzen. [49] [53]

Die Lieder variieren in Reim und Takt und werden sowohl solo als auch von Gruppen aufgeführt. [53] Die Texte verwenden neben Volksballaden auch Gedichte klassischer uigurischer Meister. Dadurch repräsentieren die Lieder ein breites Spektrum von Stilen wie Poesie, Sprichwörter und Volkserzählungen und dokumentieren somit das historische und zeitgenössische Leben der uigurischen Gesellschaft. [53]

Einige Muqam-Stücke, insbesondere vollständige Aufführungen von aus über 300 Stücken bestehenden Zwölf Muqam, die sich in zwölf Instrumental- und Gesangssuiten über einen ganzen Tag hinziehen, werden heute nicht mehr aufgeführt. [49] [53] Gelegentlich werden noch immer Teilaufführungen von Zwölf Muqam in Xinjiang, Peking oder anderenorts gezeigt. Außerdem werden die Zwölf Muqam auch weiterhin bei den den meshrep genannten, uigurischen gesellschaftlichen Zusammenkünften dargeboten. [49] Allerdings werden Gemeinschaftsfeste wie meshrep und bezme, bei denen ein jeder am Muqam teilnehmen würde, seltener abgehalten. [49] [53] Volkskünstler übernehmen inzwischen die Rolle der Weitergabe dieser Tradition an neue Generationen, doch lässt das Interesse der jungen Generationen am Muqam langsam nach. [53]

Geschichte

Die uigurische Geschichte wird als äußerst komplex bewertet und häufig in drei, vier, fünf oder gar sechs verschiedene Perioden unterteilt. Allerdings herrscht offenbar keine Einigkeit darüber, wie die verschiedenen Perioden am sinnvollsten voneinander abgegrenzt werden sollten. [66]

Anfänge

Chinesische Quellen erwähnen die späteren Uiguren als 回紇 Huihe, die seit dem 7. Jahrhundert mit der Stammesföderation der Tiele (ch: T'ie-lê) in Verbindung gebracht werden. So zum Beispiel das Suishu, das im 7. Jahrhundert entstand, und das Tangshu aus dem 11. Jahrhundert. Diese führen viele Personennamen und Herrschertitel auf, die die Geschichte der Uiguren bis in das 4. und 5. Jahrhundert zurückreichen lassen.

So wird der Nomadenherrscher Ay Uzhru (reg. 487–508) als geschichtlicher Stammvater der späteren Uiguren angesehen. Ay Uzhru gehörte dem Clan der Yaġlaqar an und übte eine lose Oberherrschaft über die mit ihm verbündeten Stämme aus. Der Clan der „Yaġlaqar“ selbst führte sich auf das Geschlecht der Aschina zurück.

Wand-/Höhlenmalerei in Bezeklik bei Turfan, 8./9. Jh.
Museum für Indische Kunst Dahlem Berlin Mai 2006 064.jpg
Uigurische Prinzessinnen
Uigure-bezeklik-19.jpg
Uigurenfürst


In der Regierungszeit des Begchi (reg. 537–541) fiel 541 die Stammesföderation der Yaġlaqar unter die Herrschaft der Rouran. Der spätere Göktürken- Herrscher Bumin/Tuman schloss sie 546/550 gewaltsam an sein entstehendes Großreich an. Im Jahr 605 wurde das Reich der sogenannten Orchon-Uiguren gegründet, als sich Shigan-Sygin formal von den Göktürken oder auch Türk unabhängig machte. 681 wurde ihr Herrscher Toghuchi von den Göktürken unterworfen und die sogenannten „Orchon-Uiguren“ kehrten in den Reichsverband der Türk zurück.

Das Kaganat

Unter Iltimis Kutluq Bilge-Kül erhoben sich 744–745 die Uiguren, die hier erstmals als Stammesverbindung erschienen, gegen die Göktürken und zerschlugen das bereits angeschlagene zweite Türk-Kaganat. Die aus neun Stämmen bestehende Föderation diverser Nomaden und sesshafter Bevölkerungsgruppen gründete 745 das Uigurische Kaganat in der heutigen Mongolei. Jene Stämme, die sich ihnen nicht unterwerfen wollten, zwangen die Uiguren zur Abwanderung. Als Hauptstadt wurde die Oasenstadt Kara-Balgasun (auch Ordū-bālīḡ) erbaut, die etwa 320 Kilometer westlich von Ulan Bator lag und schätzungsweise 25 Quadratkilometer umfasste.

Bereits unter den Söhnen Iltemis, Bilge-Kül [reg. 747–759] und Tengri [reg. 759–779], wurde das Kaganat geteilt: Hauptstadt der Osthälfte war das mongolische Char balgas, als Hauptstadt des Westreiches galt Tofar.

Unter Bilge-Kül erreichte das Kaganat seine größte Macht. Der Großteil des Adels trat 762 zum Manichäismus über. Das Uigurenreich wirkte nicht so diktatorisch wie seine Vorgängerreiche. Eine führende Rolle im Reich spielten die Sogdier, was aber zu Unmut im Adel und 779 zu einem Aufstand führte.

Die Welt um 820: Das Uigurenreich (braun) zwischen China (gelb) und Kirgisen

Nach dem Tode Alp-Kutluqs 789 verloren die Uiguren vorübergehend an politischem Einfluss. Nachfolger wurde Külüg-Bilge (reg. 789/90), der jedoch 795 starb, ohne einen Nachfolger zu hinterlassen. General Kutluq übernahm unter dem Namen Ay-Tengride Ülüg-Bulmis Alp-Kutluq Ulugh-Bilge 795 die Herrschaft. Er eroberte mehrere Städte im Tarimbecken von den Tibetern erobern und die Macht des Kanats wieder herstellen. Ihm folgten Ay-Tengride Kut-Bulmis Külüg-Bilge (reg. 805–808) und Ay-Tengeride Kut-Bulmis Alp-Bilge (reg. 808–821). Dessen Nachfolger Kün-Tengride Ülüg-Bulmis Alp-Küchlüg-Bilge (reg. 821–824) verbesserte die guten chinesisch-uigurischen Beziehungen.

Am Ende wurde das Uigurenreich von den Kirgisen zerschlagen und die letzten Herrscher Kichik-Tegin (reg. 839–840) sowie Ughe-Tegin (reg. 840–846) getötet.

Nach dem Kaganat

Die Uiguren wurden in alle Richtungen zerstreut; das Gros der Uiguren gründete zwei kleinere Reiche in Qočo im heutigen Xinjiang und in der heutigen Provinz Gansu. Die Uiguren wurden nun endgültig sesshaft, vermischten sich mit ihren Nachbarn in einer Stadtkultur und lehnten eine Rückkehr in die mongolische Steppe ab.

Ungefähr 894 wurde das uigurische Königreich in Gansu errichtet. Es wurde wiederholt in Kämpfe mit der Liao-Dynastie verwickelt und 1028–1036 von den Tanguten übernommen.

856 gründeten die Uiguren ein Königreich, das das östliche Tarimbecken mit Beschbalyk, Turfan und Qočo umfasste und bis nach Khotan reichte. Es wird heute das Uigurische Reich von Qočo oder das zweite Uigurenreich genannt. Staatsreligion war der von den Uiguren mitgebrachte Manichäismus, die Turkisierung des Gebietes schritt voran. Im 11. Jahrhundert musste das Reich die vordringenden Karachaniden abwehren, Khotan ging verloren. [74] Das Reich wurde circa 1130 von den Kara Kitai und 1209 von den Mongolen abhängig und ging im 14. Jahrhundert zugrunde. Trotzdem strahlte der kulturelle Einfluss der Uiguren – Schrift, Verwaltung und so weiter – bis zur heutigen Zeit auf die Nachbarn aus.

Johannes de Piano Carpini berichtete im 13. Jahrhundert über die Eroberung der Uiguren durch Dschingis Khan: „Diese Menschen sind Christen von der Sekte der Nestorianer … Die Mongal übernahmen ihre Schrift, denn vorher hatten sie nicht geschrieben; nun aber nennen sie diese als die mongolische Schrift“. [75]

Etwa zeitgleich wie bei den westlichen Mongolen setzte sich zur Mitte des 13. Jahrhunderts der Islam auch bei den Uiguren im heutigen Xinjiang durch (1252/55 Anklage und Hinrichtung des buddhistischen Herrschers Idiqut Salendi wegen Islamfeindlichkeit).

Moderne Geschichte

Warlords im Kaiserreich und der Republik

Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die Uiguren von den Mandschu unterworfen, ihr Siedlungsgebiet wurde an das Chinesische Reich angeschlossen. Der Versuch des Kokander Warlords Jakub Beg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, sich in Kaschgar beziehungsweise Chinesisch-Turkestan zur Zeit der Dunganenaufstände ein neues Reich zu schaffen, misslang. Sein Aufstand wurde nicht von allen Turkvölkern unterstützt, und auch die chinesischen Muslime bekämpften ihn. Mandschurische Regierungstruppen schlugen schließlich den Aufstand nieder. Mehrere Millionen Uiguren und Han sollen dabei getötet worden sein. In weiteren angeblich 42 Aufständen zwischen 1884 und 1949 sowie 58 Aufständen zwischen 1949 und 1972 sollen nochmals Hunderttausende Uiguren und Angehörige ihnen verwandter Turkvölker ums Leben gekommen sein. Die Region wurde als „ Xinjiang“ (neues Gebiet, Neuland) zum Grenzland zur Sowjetunion und dessen Einflusszone; manche Uiguren und Angehörige anderer Turkvölker bevorzugen die Bezeichnungen „Uiguristan“ oder „Ostturkestan“.

Nach dem Untergang des Kaiserreiches und der damit verbundenen Auflösung der Zentralgewalt übten in China ebenso wie in Chinesisch-Turkestan regionale Warlords die Macht aus (seit 1933 Sheng Shicai). Auf deren Fraktionskämpfe gegeneinander nahmen ab 1928 die Sowjets und 1933 auch die Japaner Einfluss. Pan-turanische, islamistische und kommunistische Versuche, in einem Teil der Provinzen der Region eine von China autonome „ Islamische Republik Ostturkestan“ (nicht: Uiguristan) zu errichten ( de jure wurde nicht die Unabhängigkeit proklamiert), scheiterten 1933/34 ebenso wie 1944–46 das kurzlebige De-facto-Regime, da diese von keinem Staat der Welt anerkannt wurden – nicht einmal von der Türkei oder dem Förderer Sowjetunion und auch nicht von Chinas Hauptfeind Japan. Gleichzeitig lagen die Regime im Kampf mit von Nationalchinesen ( Kuomintang) unterstützten chinesischen Muslimen.

Flaggen

Von den mindestens sechs verschiedenen Flaggen der Warlords [76] (zwei mit Schahāda, zwei rot-gelb mit Stern, blau oder rot mit Halbmond) gilt die hellblaue Flagge nach dem Vorbild der Türkei noch heute nationalistischen Uiguren als Identifikationssymbol. Auch Logo und Flagge der im Jahr 2003 aufgelösten China Xinjiang Airlines ist daran angelehnt und zeigt eine Form eines (seitenverkehrten) Halbmonds auf blauem Grund mit einem blauen Kranich. [77]

Autonomie in der Volksrepublik China

Nach dem Sieg der Kommunisten im Chinesischen Bürgerkrieg wurde 1949 mit Billigung der Sowjets auch Xinjiang der Volksrepublik friedlich einverleibt. Mit der Einrichtung des Autonomen Gebiets sicherte die Volksrepublik den Uiguren weitgehende Autonomie in politischer, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht zu. Peking bediente sich dabei zunächst der assimilierungswilligen Eliten Xinjiangs, die es zu jeder Zeit der chinesischen Herrschaft gegeben hat. Es waren Muslime aus Xinjiang, die die revolutionäre Literatur Maos und seiner Genossen ins Arabische, Türkische und Persische übersetzten und im Ausland verbreiten halfen.

Die nachfolgende Entwicklung offenbarte jedoch Vor- und Nachteile. Unter der kommunistischen Herrschaft wurden demokratische und religiöse Gegenbewegungen streng unterdrückt und Aufstände niedergeschlagen. Eine Bodenreform beseitigte die letzten feudalen Verhältnisse. Die anschließende Kollektivierung hatte eine Hungersnot zur Folge, der zahlreiche Uiguren ebenso wie Chinesen zum Opfer fielen. Vor dieser Hungersnot flohen 1962 etwa 50.000 nomadische Kasachen, Kirgisen und Uiguren mit ihren Pferden in die Sowjetunion. Die kommunistische Herrschaft förderte die Entwicklung der Infrastruktur, des Bildungs- und Gesundheitswesen und der Wirtschaft, Säuglingssterblichkeit und Analphabetentum nahmen ab, der Lebensstandard stieg. Xinjiang ist heute die reichste der armen Außenregionen Chinas und ein Zentrum der chinesischen Rüstungsindustrie. Vom bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwung profitieren fast nur die Angehörigen des chinesischen Aufbaucorps Bingtuan. Durch den Uranabbau, Atomversuche und fehlende Sorgfalt bei der Industrialisierung und der Ausbeutung der Bodenschätze sind heute weite Teile der Umwelt geschädigt.

Chinesische Truppen und die mit dem Ausbau der Infrastruktur und dem Abbau der Bodenschätze ins Land strömenden Han verdrängen allmählich die Uiguren und die verwandten Turkvölker. Die Uiguren waren aber, wie alle Minderheiten in der Volksrepublik, im Gegensatz zu den Han-Chinesen von der Ein-Kind-Politik ausgenommen.

Außenpolitische Auswirkungen

Außenpolitisch profitierte China vor allem in den 1950er und 1960er Jahren zunächst von den Uiguren. Unter Vorsitz des Burhan Shahidi (Gouverneur Xinjiangs 1948–1955) stellten Delegationen muslimischer Uiguren diplomatische Beziehungen zu muslimischen Staaten des Nahen Ostens her, die China wiederum im Kampf um internationale Anerkennung gegen Taiwan unterstützten. Demgegenüber kritisierten vor allem Uiguren im Exil die politische und nationale Bevormundung durch China. Während des „Kalten Krieges“ entstanden im NATO-Staat Türkei separatistische Bewegungen gegen den einstigen Sowjetverbündeten China. Nach dem Bruch zwischen China und der Sowjetunion in den 1960ern unterstützten auch die Sowjets vorübergehend oppositionelle Gruppen von Uiguren und Kasachen in Xinjiang, u. a. auch Shahidi, der sich seit der Kulturrevolution mit Peking überworfen hatte. Im gleichen Maße wie das Gefühl einer sowjetischen Bedrohung zunahm, wurde die Zahl der chinesischen Soldaten in Xinjiang erhöht. Waren 1949 „nur“ 100.000 Mann einmarschiert, so waren 1970 über 250.000 Soldaten der Volksbefreiungsarmee in Nordwestchina stationiert.

Mit dem Ende der Sowjetunion bekam der nationale und religiöse Separatismus wieder Auftrieb, und im Exil entstanden mehr als ein Dutzend gemäßigte oder radikal-nationalistische bzw. fundamentalistische Separatistengruppen (siehe İsa Yusuf Alptekin), die zum Teil zu den Waffen griffen. Alle von türkischen Brudervölkern der Uiguren bevölkerten zentralasiatischen Nachfolgestaaten der UdSSR, Russland und China bekämpfen als Gruppe der „ Shanghai-Sechs“ aber derartige Tendenzen nunmehr gemeinsam. Sicherheitsabkommen sehen die gegenseitige Auslieferung von Terroristen und Separatisten vor. Unter Berufung auf exiluigurische Oppositionsgruppen berichten Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International immer wieder von Exekutionen, die Gesellschaft für bedrohte Völker nennt die Zahl von 700 seit 1990.

Trotz der formalen Autonomie und Religionsfreiheit wurde und wird vor allem der der kommunistischen Ideologie feindliche Islam, dem die meisten der Uiguren angehören, stark überwacht und ist Restriktionen ausgesetzt: so dürfen Schüler, Beamte und generell unter Achtzehnjährige keine Moschee besuchen. Die Regierung begründet dies mit der Befürchtung, dass sich in den Moscheen Zentren des separatistischen/fundamentalistischen Widerstandes bilden könnten. [78] Die bekannteste Vertreterin der uigurischen Opposition lebt heute in den USA: Die ehemalige Volkskongressabgeordnete Rebiya Kadeer kämpft für kulturelle Selbstbestimmung sowie für mehr politische Autonomie. Im November 2006 wurde Kadeer zur Vorsitzenden des „ Weltkongresses der Uiguren“ mit Sitz in München gewählt. Der ohne Wahl zustande gekommene Weltkongress wurde im Jahre 2004 unter Zusammenschluss mehrerer kleinerer Organisationen von Exil-Uiguren gegründet, beansprucht aber, legitimer Vertreter auch der in Xinjiang lebenden Uiguren zu sein.

Autonomiebestrebungen und staatliche Repression nach dem Zweiten Weltkrieg

Es gibt in Xinjiang eine lange Geschichte von Beschwerden der Uiguren gegen die chinesische Herrschaft. Da der westliche Teil der Region in der Mitte des 20. Jahrhunderts als mit der Sowjetunion verbundene Republik Ostturkestan Unabhängigkeit genossen hatte und eine wirksame Kontrolle durch China erst kurz nach Gründung des kommunistischen Staates im Jahr 1949 erreicht werden konnte, blieben Erinnerungen an eine eigene politische und administrative Identität der Uiguren in bestimmten Gebieten und in bestimmten Teilen der uigurischen Gesellschaft stark ausgeprägt. [79] [80]

Bereits seit den frühen 1950er Jahren hat der türkische Staat als einer der vehementesten Fürsprecher der Uiguren Tausende uigurische Flüchtlinge aufgenommen, die als Sprecher einer mit dem Türkischen eng verwandten Sprache und als muslimische Glaubensbrüder öffentliches Wohlwollen sowie behördliche Unterstützung in der Türkei genossen und oftmals die türkische Staatsbürgerschaft erhielten. [81] 2009 warf der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan der chinesischen Regierung schließlich vor, die Vorfälle während der Unruhen in Xinjiang vom 05. bis 07. Juli 2009 seien „Genozid“ [81] [82] oder „fast Genozid“. [83] Als aber das Zerwürfnis der Türkei mit ihren traditionellen westlichen Bündnispartnern nach dem abgewehrten Putschversuch in der Türkei 2016 einen Höhepunkt erreichte, wobei der Türkei zunehmend repressive Maßnahmen nach der Niederschlagung des Militärputschversuchs vorgeworfen wurden und sie auch unter stärkeren wirtschaftlichen Druck geriet, vollzog sich unter dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu seit Mitte 2017 bei der Suche nach alternativen Bündnispartnern im Rahmen einer außenpolitischen Diversifikationsstrategie eine Annäherung an China. Im Zuge dessen kam es auch zu einem Kurswechsel in der türkischen Regierungshaltung zur uigurischen Frage, die bis dahin die chinesisch-türkischen Beziehungen belastet hatte. [81]

Die Zeit der späten 1950er bis Mitte der 1980er Jahre waren von Feindseligkeiten zwischen China und der Sowjetunion geprägt, die sich weitaus mehr an vitalen nationalen Faktoren ausrichteten als an Rechten oder Ansichten ethnischer Minderheiten, und bei denen Xinjiang eine sensible Grenzregion Chinas zur mächtigen Sowjetunion darstellte. [16] Mit der Machtübernahme der Reformer lockerte sich die staatliche Kontrolle in den 1980er Jahren kurzzeitig. [43]

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion Ende 1991 änderte sich diese Lage, und der uigurische Separatismus galt ab Anfang der 1990er Jahre als zunehmende Bedrohung für China. [16] China, Russland und die drei zentralasiatischen, westlich an China grenzenden ehemaligen Sowjetrepubiken Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan begannen sich multilateral zu verbinden und zu organisieren. Sie beschlossen vor allem mit Berufung auf die Bedrohung durch ethnische Unruhen und islamischen Fundamentalismus in Zentralasien, einschließlich des uigurischen Separatismus, ihre gegenseitige Unterstützung zu verstärken. [16] [37] Ihre fünf Staatsführer (Shanghai Five) trafen sich seit ihrem Treffen im April 1996 jährlich, seit Juni 2001 einschließlich des Vertreters von Usbekistan, gründeten 2001 die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit und unterzeichneten ein Dokument, in dem sie sich zur Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der „drei Übel“ (san gu shili 三股势力) – Terrorismus, ethnischer Separatismus und religiöser Extremismus – verpflichten, wobei das letzte sich klar auf den islamischen Fundamentalismus bezog. [16] [37] Tatsächlich kam es vor allem seit den 1990er Jahren zu gewaltsamen separatistischen Strömungen innerhalb der uigurischen Autonomiebestrebungen und Unabhängigkeitsbewegung. [84] [27] Xinjiang galt politisch als sensibelste aller Minderheitengebiete Chinas, wo die Situation seit den Aufständen von 1990 ernster geworden war als in Tibet, obgleich Tibet mehr und wohlgesonnenere Berichterstattung westlicher Medien erhielt als Xinjiang. [27] Sowohl die staatlichen chinesischen Behörden als auch die han-chinesische Bevölkerung fürchteten Gewaltaktionen separatistischer Uiguren, doch wurde der allgemeine Eindruck der seit 1990 eskalierenden Bedrohung übertrieben. [85]

In Bezug auf die Aktivitäten uigurischer Widerständler fehlen faktisch verlässliche Informationen über die Vorgänge und von offizieller chinesischer Seite auch teilweise als Staatsgeheimnisse behandelt. [37] Zwar konnten die Aufstände der Uiguren teilweise als terroristische Akte bezeichnet werden, doch waren sie laut dem Direktor des Forschungsinstitutes der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), Eberhard Sandschneider, in ihrer Zielsetzung nicht dem islamistischen Terrorismus zuzuordnen. [84] Dennoch gelang es der chinesischen Regierung seit den gegen die USA gerichteten Terroranschlägen am 11. September 2001 dank des internationalen Phänomens islamistischen Terrors in geschickter Weise, die Autonomiebewegung der mehrheitlich muslimischen Uiguren in die extremistische Nähe des internationalen Terrorismus von al-Qaida zu rücken, [37] [84] weswegen laut Sandschneider „auch die internationale Gemeinschaft oft über gewaltsame Auseinandersetzungen in Xinjiang hinweggesehen“ habe, da die Meinung vorgeherrscht habe, dass die Bekämpfung des internationalen Terrorismus jede Mittel rechtfertige. [84] Allerdings wurde im Ausland das Argument des internationalen islamistischen Terrors oft kritisch gesehen, da die chinesische Führung in der Regel keine konkrete Belege vorlegen konnte. [37] Obwohl die Uiguren überwiegend einem traditionellen, synkretistischen Volksislam folgten, [86] der teilweise auch als liberaler und weniger extremistisch oder weniger orthodox beschrieben werden kann, [87] unterlagen sie in China laut einem HRW-Bericht von 2012 nach den sukzessiven Einschränkungen ihrer Religionsfreiheit seit den späten 1990er Jahren und vor allem seit 2001 strikteren Bestimmungen als andere Muslime. [86]

Seit Ende 2016 kam es zu einer Pazifizierungskampagne Chinas in Xinjiang, die nach Einschätzung des China-Experten Adrian Zenz die wohl intensivste Kampagne Chinas zur erzwungenen sozialen Umgestaltung seit Ende der Kulturrevolution darstellt, wobei die staatliche Charakterisierung als „Krieg gegen den Terror“ zunehmend als Euphemismus für die erzwungene ethnische Assimilation angesehen werden könne. [88] Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) kam es auch im Jahr 2020 trotz der laut HRW „brutalsten und tiefgreifendsten Unterdrückung seit Jahrzehnten“ nur selten zu einer öffentlichen Konfrontierung chinesischer Politiker durch westliche Diplomaten. China nutze, systematisch und ohne dabei auf großen Widerspruch aus Europa und den USA zu stoßen, seinen wachsenden wirtschaftlichen Einfluss im Ausland und bei den Vereinten Nationen durch Ausspielen wirtschaftlicher Interessen gegen moralische Werte, um die internationale Durchsetzung von Menschenrechten und Maßnahmen zur Verfolgung von Tätern weltweit zu verhindern. [89] [90] [91] [92] China instrumentalisierte als zweitgrößter individueller Geldgeber der UNO (Stand: 2019) den UN-Menschenrechtsrat seit 2013 wiederholt als Platt­form für eigene Propaganda und rechtfertigte dort die Internierung von geschätzt rund einer Million Mitgliedern der uigurischen Minder­heit in der Provinz Xinjiang als notwendige Maßnahme, um den islamischen Extremismus zu bekämpfen. [93] Laut der China-Expertin Nadine Godehardt von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) hatte sich trotz der zunehmenden chinesischen Einflussnahme inzwischen (Stand: 2020) „eine westliche Gegenstimme formiert“, indem zum Beispiel die Europäische Union „China in ihrem Strategiepapier erstmals als einen systemischen Rivalen bezeichnet“. [89]

Unruhen und staatliche Gegenmaßnahmen der 1990er Jahre

Die 1990er Jahre stellen einen Wendepunkt in der Geschichte der Beziehungen zwischen dem chinesischen Zentralstaat und seinen Minderheiten dar, aus dem sich eine Welle der Gewalt entwickelte. Es wurde eine erzwungene Modernisierung eingeleitet, die auf massiven Investitionen zur Entwicklung insbesondere der westlichen Regionen Chinas beruhte. So finanzierte der Zentralstaat in Xinjiang fast die Hälfte des Provinzbudgets, um die Entwicklung voranzutreiben. Eng an dieses Modell gekoppelt fand eine erzwungene Sinisierung von Minderheiten statt, um sie in die chinesische Nation zu integrieren. Die Uiguren erlebten eine Flut von überwachenden und unterdrückenden Maßnahmen, wie die Sinisierung des Schulsystems und Verbote zur Ausübung religiöser Praktiken. [43]

In verschiedenen Phasen der 1990er Jahre wurden Tausende politische Gefangene festgenommen und Berichten zufolge inhaftiert. Einige wurden nach unfairen Gerichtsverfahren zu langen Haftstrafen verurteilt, während andere ohne Anklage oder Gerichtsverfahren inhaftiert blieben. [94]

Unruhen in Baren 1990 und weitere Entwicklung

1990 kam es zu Unruhen im Landkreis Baren, nordwestlich von Kashgar. Der große, islamisch inspirierte Aufstand veranlasste die chinesische Führung zu einer langfristigen Strategie zur Erlangung einer strikteren Kontrolle über die uigurische Gesellschaft. Während Xinjiang zuvor noch eine entfernt gelegene, indigene Peripherie Chinas geblieben war, kam es nun mit dem Herausfordern der staatlichen Ordnung zu einem Wendepunkt in der chinesischen Politik gegenüber den Uiguren und der Region Xinjiang. Angesichts des Kontrollverlusts der sowjetrussischen Führung über die osteuropäischen Satellitenstaaten und des bevorstehenden Zusammenbruchs der Sowjetunion sowie der Entstehung der neuen zentralasiatischen Republiken befürchtete China, dass die ethno-nationalistischen Bestrebungen der Uiguren in Xinjiang durch das Beispiel der neuen Unabhängigkeit zentralasiatischer Völker und mit deren möglichen Unterstützung angestachelt werden könnten. [80]

Die chinesische Führung begann daraufhin mit der Umsetzung des ehrgeizigen Plans, die Integration von Xinjiang in China durch verstärkte ethnisch-chinesische Besiedlung Xinjiangs zu beschleunigen und die natürlichen Ressourcen von Xinjiang, vor allem Öl und Gas, verstärkt auszubeuten, um die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung kam es aber nicht zu einer Verringerung des lokalen Nationalismus', wie von der chinesischen Führung der 1990er Jahre angestrebt. [80] Stattdessen kann diese Politik für die Verschärfung der politischen Spannungen als verantwortlich angesehen werden. [80] [95] Es kam zu einer Eskalation der Gewalt zwischen den Han-Chinesen und der uigurischen Gesellschaft. [95] Gründe dafür lagen zum Einen in der Masseneinwanderung ethnischer Han-Chinesen aus Ostchina nach Xinjiang und zum Anderen in der oftmals ungleichen Verteilung der wirtschaftlichen Gewinne und Begünstigung der Han-Chinesen in der Bevölkerung [80] [95] [86] [14] [37] gegenüber der zunehmend mit Einschränkungen bei der Ausübung ihrer Sprache, Kultur und Religion konfrontierten lokalen Bevölkerung anderer Ethnie. [95] [86] Die sozial und kulturell marginalisierte Volksgruppe der Uiguren fühlte sich in zunehmendem Maße ausgegrenzt und abgehängt. [80] [95] [86] Sie betrachteten die Politik in Xinjiang als einen bewussten Versuch der chinesischen Regierung, die islamische Identität in der Region zu untergraben, um die Uiguren „chinesischer“ zu machen. [95] Nach Meinung des Experten für den Islam in China Daniel Krahl (Stiftung Wissenschaft und Politik) wurden zwar auch in anderen Regionen Chinas Städte umgestaltet, doch sei die Lage in Xinjiang besonders brisant gewesen, da es als „Angriff auf die uigurische Kultur“ interpretiert wurde und den „Uiguren das Gefühl einer ausweglosen Situation gegeben“ hatte, was zu Verzweiflungstaten geführt habe. [86]

Auseinandersetzungen in Gulja 1997 und weitere Entwicklung

Diese Spannungen traten bei Unruhen im Februar 1997 in der 50 km von der kasachischen Grenze entfernten Stadt Gulja (Yining) hervor, [80] [96] [97] als die chinesischen Sicherheitskräfte eine friedliche Demonstration mit äußerster Härte niederschlugen und einige unbewaffnete Demonstranten erschossen. [80] Mit dieser Demonstration gegen die chinesische Politik in Xinjiang hatten einige Einwohner der Stadt insbesondere gegen Einschränkungen religiöser und kultureller Aktivitäten sowie gegen die Einwanderung chinesischer Siedler in der Region protestiert. Die Demonstranten forderten die Einhaltung gesetzlichen Autonomiebestimmungen, die in allen chinesischen Regionen ethnischer Minderheiten gelten und das Recht der ethnischen Minderheiten garantieren, „Selbstverwaltungsorgane“ einzurichten und eine gewisse Kontrolle über ihre lokalen Angelegenheiten und wirtschaftlichen Ressourcen zu behalten. Der blutigen Niederschlagung der Demonstration folgte ein dreitägiger Aufruhr, auf den die Behörden erneut mit Härte reagierten. Die Opferzahlen der Unruhen variieren je nach Quelle, doch gehen konservative Schätzungen von neun Toten und Hunderten Verletzten aus. [80]

Einen Monat später kam es zu dem seit Jahrzehnten einzigen bekanntgewordenen Vorfall, bei dem uigurische Aktivisten Zivilisten wahllos angriffen, als Separatisten gleichzeitig Bomben in drei öffentlichen Bussen zündeten, die neun Menschen töteten und Dutzende schwer verletzten. Im Anschluss kam es auch zu Angriffen auf Polizeistationen, Militäreinrichtungen und auf einzelne politische Führer. [80]

In den auf die Auseinandersetzungen in Gilja folgenden Wochen verhafteten die Behörden Tausende Uiguren. In der gesamten Region wurden öffentliche Verurteilungen verdächtigter Aktivisten abgehalten. [80] In der Folge gelang es den chinesischen Sicherheitskräften durch sehr hartes Durchgreifen, gewaltsame Ausschreitungen größtenteils zu verhindern. Um einen möglichst hohen Abschreckungseffekt zu erzielen, wurden dabei drakonische Strafen verhängt und zahlreiche öffentliche Hinrichtungen vollstreckt. Laut Amnesty International wurden zwischen 1997 bis 1999 210 Todesstrafen verhängt, von denen 190 kurz nach dem Urteil vollstreckt wurden. [37] Die Regierung führte zudem weitreichende Maßnahmen ein, die auf die Religion als angebliche Quelle der Opposition abzielten, und schloss Moscheen und religiöse Schulen. [80] Schon zu diesem Zeitpunkt stellte die Regierung die Verbindung zu internationalen Kräften in den Vordergrund ihrer Erklärungen. [37]

Einordnung in den „Globalen Krieg gegen Terror“ seit 2001

Zwar hatten die Behörden in Xinjiang seit Mitte der 1990er Jahre die gegen den Staat gerichtete Gewalt erkannt, zogen es aber noch bis Anfang September 2001 vor, diese auf eine geringe Zahl von separatistischen Gewalttätern zurückzuführen und von einer stabilen und wohlhabenden Region zu sprechen. [80] Unmittelbar nach den gegen die USA gerichteten Anschlägen am 11. September 2001 kehrten die Behörden jedoch ihre Haltung um. [80] [84] Vor dem Hintergrund der islamistischen Anschläge in den USA am 11. September 2001 Jahres verstärkte die chinesische Regierung nun ihre Rhetorik in Bezug auf Verbindungen internationaler Kräfte. [37] Sie behauptete erstmals, die Opposition in Xinjiang sei mit dem internationalen Terrorismus verbunden, und die Bewegung habe in einigen Fällen Verbindungen zu Osama bin Laden selbst. [80] [84] China behauptete nun, Osama bin Laden und die Taliban in Afghanistan hätten „den Terrororganisationen in 'Ostturkestan' Ausrüstung und finanzielle Ressourcen zur Verfügung gestellt und ihr Personal ausgebildet“, und die Ostturkestanische Muslimische Bewegung (ETIM) sei ein „Hauptbestandteil des von Osama bin Laden angeführten Terrornetzwerks.“ [98] [99] Im Oktober 2001 erklärte sich China über das Außenministerium zum „Opfer des internationalen Terrorismus“, das hoffe, dass „die Bemühungen zur Bekämpfung der ostturkestanischen Terroristen Teil der internationalen Bemühungen werden und auch Unterstützung und Verständnis gewinnen sollten“. [100] Am 12. November 2001 gab China dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gegenüber an, dass gegen den Staat gerichtete uigurische Gruppen Verbindungen zu den Taliban in Afghanistan hätten und von radikalislamistischen Organisationen aus dem Ausland unterstützt würden. Die chinesische Regierung schloss sich im neuen „ Globalen Krieg gegen den Terrorismus“ den USA an und initiierte eine rege diplomatische und Propaganda-Kampagne gegen „ostturkestanische Terroristen“. Dieses Label wandte China in der Folge wahllos auf alle Uiguren an, die im Verdacht standen, separatistisch tätig zu sein. Laut Human Rights Watch versuchten die chinesischen Behörden dabei nicht, zwischen friedlichen und Gewalt befürwortenden oder anwendenden politischen Aktivisten oder Separatisten zu unterscheiden. [80] Besonders nach den Anschlägen vom 11. September 2001 verschärfte China sein Vorgehen in Xinjiang, setzte Islamismus und Separatismus oder schlicht jegliche Gewalt und antistaatliches Verhalten grundsätzlich mit „Terrorismus“ gleich [86] [101] und präsentierte den Kampf gegen den Separatismus muslimischer Uyguren als Teil des internationalen „Kampf gegen den Terror“. [86] [102] 2002 gelang es China, die USA dazu zu bewegen, die uigurische Gruppierung ETIM auf die Liste der Terrororganisationen zu setzen. [37] Noch im selben Jahr wurde die ETIM auf Drängen Chinas und mit Unterstützung der USA auch auf die UN-Terrorliste gesetzt. [86] Während China die ETIM als hauptverantwortlich für die Gewalt darstellte, stellten westliche Experten in der Folge die Rolle der ETIM bei der Gewaltentfaltung und sogar ihre anhaltende Existenz selbst infrage. [86]

Zu langwierigen internationalen Diskussionen kam es über uigurische Häftlinge im US-Gefangenenlager Guantanamo, [103] die 2006 von Terrorismusvorwürfen freigesprochen worden waren. [104] Die 22 Uiguren waren ursprünglich aus China geflohen, später vom pakistanischen Militär an die USA ausgeliefert und von den USA seit 2002 unberechtigt wegen Terrorismusverdachts verhaftet und jahrelang inhaftiert worden. Ein US-amerikanisches Militärgericht hatte schließlich die fehlende Berechtigung ihrer Verhaftung und Internierung bestätigt. [105] Die USA zeigten sich an einer Überführung dieser Uiguren in Drittländer interessiert, da dies zur Umsetzung des damaligen Vorhabens von US-Präsident Barack Obama beitragen sollte, das Gefangenenlager Guantanamo bis Anfang 2010 zu schließen und so „Amerika sicherer“ zu machen. China betrachtete die Uiguren aus Guantanamo dagegen weiterhin als Mitglieder einer islamistischen Gruppe und forderte ihre Auslieferung. [104] Als die letzten 17 dieser 22 Uiguren freigelassen wurden, denen nach Befürchtung von Menschenrechtsorganisationen bei einer Auslieferung an China Folter und Haft drohten, fand sich jedoch weltweit zunächst kein Staat dazu bereit sie aufzunehmen. [105] 2006 gewährte dann Albanien fünf der 22 Uiguren Asyl, [103] [104] worauf China mit Protesten reagierte. [104] Medienangaben zufolge gewährte Albanien seitdem offenbar aus Sorge vor chinesischem Druck keinen weiteren Uiguren aus dem Guantanamo-Lager mehr Asyl. Nachdem auch Deutschland mehrfach vergeblich von den USA um Aufnahme uigurischer Häftlinge gebeten worden war, erklärte sich im Juni 2009 schließlich der Inselstaat Palau als einer der wenigen Staaten, die die Volksrepublik China nicht anerkennen und stattdessen diplomatische Beziehungen mit der sogenannten Republik China (Taiwan) unterhalten, zur Aufnahme der verbliebenen 17 Uiguren bereit. [103] Gegenüber Medien bezeichnete Palaus Präsident Johnson die um nationale Selbstbestimmung ringenden Uiguren allerdings als „ethnische Chinesen“. [106] Vier der 17 Uiguren wurden am 11. Juni 2009 zunächst an die britische Kronkolonie Bermuda überstellt. [104]

In Vorbereitung auf die Olympische Sommerspiele 2008 führte Peking eine neue einjährige Sicherheitskampagne gegen die „drei bösen Mächte“ („Terrorismus, religiöser Extremismus und Separatismus“) durch, die noch drastischere Einschränkungen der religiösen, kulturellen und politischen Rechte der Uiguren mit sich brachte. [107]

Unruhen in Ürümqi 2009 und weitere Entwicklung
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Bewaffnete Uiguren greifen Han-Chinesen am 5. Juli an
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Bewaffnete Han-Chinesen formen am 7. Juli Banden


Im Juli 2009 kam es vom 5. bis 7. Juli zu Protesten in Ürümqi. Sie gipfelten in den schwersten Ausbruch ethnischer Gewalt seit Jahrzehnten in China und führten zu einem Ausufern behördlicher Maßnahmen, die sich gegen die Religion richteten. [108] [107] Auslöser für die Proteste war zwar eine Auseinandersetzung zwischen Han-Chinesen und Uiguren in einer Fabrik in der Stadt Shaoguan in der südchinesischen Provinz Guangdong, bei der mindestens zwei uigurische Arbeiter getötet wurden. [107] [109] [84] [37] Die tieferen Ursachen lagen jedoch nach einhelliger Einschätzung von Beobachtern in der langjährigen massiv diskriminierenden Politik der chinesische Regierung in der Region und in den völlig überzogenen Einschränkungen der religiösen, politischen, erzieherischen, sprachlichen und wirtschaftlichen Rechte der Uiguren. [107] [84] Am 5. Juli forderten hunderte Uiguren auf einer offenbar zunächst friedlichen Demonstration in Ürümqi die Untersuchung des Vorfalls. [107] Die Lage eskalierte, als die Bereitschaftspolizei die Proteste auflösen wollte [110] und die uigurische Menge schließlich wahllos Han-chinesische Einwohner – einschließlich Frauen, Kinder und ältere Menschen – in der Stadt angriff, verletzte oder tötete. [107] Laut den offiziellen chinesischen Angaben von August 2009 wurden 197 Menschen getötet. [107] [14] Bei 156 Getöteten habe es sich um „Zivilisten“ gehandelt, darunter 134 Han-Chinesen, 11 Hui-Chinesen, 10 Uiguren und ein Mandschu. [107] 12 weitere seien angeblich von Sicherheitskräften beim Begehen von Gewaltakten oder krimineller Aktivitäten erschossen worden. [107] Vertreter der uigurischen Exilorganisation WUC zweifelten die offiziellen Zahlen an und gingen von weit höheren Opferzahlen unter Uiguren aus. [37] Rebiya Kadeer sprach von etwa 400 Toten. [111] Über 1600 Menschen wurden nach offiziellen Angaben verletzt. [107] [112] [14] [37] 1434 Personen wurden laut chinesischen Regierungsmedien verhaftet. [113] Im Anschluss an die Verhaftungswelle demonstrierten am 7. Juli 2009 etwa 200 Uiguren für die Freilassung ihrer Angehörigen. [114] Uigurische Exilorganisationen sowie Rebiya Kadeer verurteilten die blutige Niederschlagung der Proteste und forderten die internationale Gemeinschaft auf zu handeln. [115] ZDF-Reporter berichteten von aufgebrachten Han-Chinesen, die ihrerseits Uiguren in Ürümqi attackierten, während die Sicherheitskräfte versuchten, die sich bekämpfenden Ethnien zu trennen. [116] Das Internet in der Region Xiojiang wurde nach den Konflikten und Protesten in der Region im Jahr 2009 für die Dauer von fast einem Jahr offiziell gesperrt. [117]

Mitte Oktober 2009, drei Monate nach den Unruhen, verurteilte die chinesische Justiz die ersten an den Unruhen beteiligten Uiguren zum Tode, ein weiterer wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht in Ürümqi sah es als erwiesen an, dass sich die Angeklagten des Mordes bzw. der Brandstiftung und des Raubes schuldig gemacht hätten. [118] [119] Im November wurden die Todesurteile gegen acht verurteilte Uiguren und einen Han-Chinesen vollstreckt, im Dezember 2009 wurden vier an den Unruhen beteiligte Uiguren und ein Han-Chinese zum Tod verurteilt. [120] [121]

Nach den Unruhen in Ürümqi im Juli 2009 nahmen gewalttätige Vorfälle zu. [14] Seit 2009 kam es zu einer langanhaltenden Serie von Angriffen mit Messern, Kraftfahrzeugen und teilweise auch wieder selbstgebastelte Bomben, die sich nicht mehr speziell gegen Sicherheitskräfte oder Regierungsvertreter, sondern gegen Menschenmengen richteten. [37] Insbesondere der Aufstand im tibetanischen Lhasa 2008 und die Unruhen in Ürümqi im Jahr 2009 führten in China zu Sorge vor einem ethnisch-begründetem Staatszerfall wie in der Sowjetunion. Dies ermutigte zu integrationistischen oder assimlationistischen Tendenzen in der Minderheitspolitik, die aber nicht zu einem Nachlassen der ethnischen Spannungen führten, sondern das Gefühl von kultureller Unsicherheit bei den Uiguren noch erhöhte. Seit Anlaufen der ehrgeizigen One Belt, One Road-Initiative („Neue-Seidenstraßen“-Initiative) Xi Jinpings Ende 2013 erlangte die Aufrechterhaltung der Stabilität (维稳) in der unbeständigen Xinjiang-Region eine noch größere Priorität. Xinjiang wurde zu einer „Kernregion“ (核心区) der Neuen Seidenstraße, gerade zu einer Zeit, als tödliche Widerstandsaktivitäten in Xinjiang einen Höhepunkt erreichten. [102] Die Uigurenfrage in Xinjiang als sehr rohstoffreicher Region und als ein wichtiger Teil der sogenannten Seidenstraßeninitiative war damit aus Sicht der chineschen Führung auch primär ein geostrategischer Konflikt. Dementsprechend sollte die Region unter Kontrolle gebracht werden. [87]

Ende Juni 2013 kam es zu mehreren Auseinandersetzungen mit 35 Toten. [122]

Besonderes Aufsehen erregten im Jahr 2013 zwei Angriffe außerhalb Xinjiangs, von denen einer im südchinesischen Kunming und der andere im Zentrum Beijings stattfand: Beim Selbstmordanschlag am Tian’anmen-Platz kam es am 28. Oktober 2013 zu einem Angriff, zu dem sich eine islamistische Gruppe namens Turkistan Islamic Party (TIP) bekannte, und bei dem ein Geländewagen in eine Menschenansammlung und entzündete, wobei drei uigurischen Passagiere und zwei Touristen ums Leben kamen und 38 weitere verletzt wurden. In Kunming kam am 1. März 2014 zu einem Messer-Angriff einer uigurischen Gruppe auf Passanten in der vollen Halle des Bahnhofs mit 29 Todesopfern und 130 Verletzten. Der Umstand, dass sich die Angriffe weit von Xinjiang entfernt zutrugen, schockierte die chinesische Öffentlichkeit und Politik. [37]

Zu den Angriffen mit den meisten Opfern dieser Zeit kam es in Xinjiang: Am 22. Mai 2014 wurden bei einem Angriff mit selbstgebastelte Granaten auf eine Menschenmenge eines belebten Marktes in Ürümqi zu 43 Marktbesucher getötet und über 90 Menschen verletzt. In Aksu wurden bei einem Messerangriff auf ein Wohnheim einer Kohlemine 50 Han-chinesische im Schlaf überraschte Arbeiter getötet. [37] China beschuldigte im Mai uigurische Separatisten, hinter Attacken mit Messern und Bomben im Jahre 2014 zu stehen, die in der Region Xinjiang am 30. April (am Bahnhof Ürümqi) und am 22. Mai (Marktplatz in Ürümqi) zu Todesopfern und Verletzten geführt hatten. In den Wochen zuvor waren in einer „Anti-Terror-Kampagne“ etwa 200 Menschen in Xinjiang festgenommen und 39 verurteilt worden. [123] Zwei Monate nach dem Anschlag vom 22. Mai berichteten chinesische Medien, die Verantwortlichen seien nach einer Verfolgungsjagd gestellt und 28 von ihnen beim Widerstand gegen ihre Festnahme getötet worden. Laut der indirekt von der US-Regierung mitfinanzierten Nichtregierungsorganisation Uyghur Human Rights Projects soll die Zahl der verhängten Todesurteile von rund 51 im Jahr 2013 auf rund 560 im Jahr 2014 gestiegen sein. Nach Lesart der Darstellung der chinesischen Regierung handelte es sich bei den Verantwortlichen stets um radikalisierte Islamisten, Terroristen bzw. Separatisten, doch unterließ die Regierung. In der Regel unterließ die Regierung dabei eine klare Unterscheidung dieser drei Gruppen oder Motivlagen, während sie aus externer Perspektive praktisch unmöglich blieb, so dass nicht feststellbar war, ob Islamismus eine treibende Kraft für uigurischen Widerstand darstellte. [37]

Nach dem Selbstmordanschlag am Tian’anmen-Platz (28. Oktober 2013), dem Massaker im Bahnhof Kunming (1. März 2014) und dem Anschlag in Ürümqi im April 2014 rief Staatspräsident Xi Jinping 2014 dazu auf, die Terroristen mit äußerster Anstrengung dingfest zu machen. [102] Ende August 2016 wurde Chen Quanguo von Xi als neuer KPCh-Sekretär von Xinjiang in die Region berufen. [102] [88] [88] [72] Chen hatte zuvor in seiner Position als Parteisekretär Tibets ein neues Modell von Intensivüberwachung und „Netzüberwachung“ (网格化管理) mit „Convenience-Polizeistationen“ (便民警务站) entwickelt [72] und die unruhige Autonome Region Tibet durch Kombination intensiver Versicherheitlichung und allgegenwärtiger sozialer Kontrollmechanismen pazifiziert. [88] [72] Unter der Führung Chens nahm die Regierung der Region Xinjiang eine massive Menschen- und Technik-bezogene Versicherheitlichungs-Kampagne in Angriff, die die Region später zu einer der weltweit am stärksten befestigten und kontrollierten Regionen machte. Die Versicherheitlichungs-Kampagne der Region konnte die Anzahl der offiziell gemeldeten gewalttätigen Vorfälle im Jahr 2017 fast auf Null senken. [102]

Verfolgung und Umerziehung der uigurischen Minderheit seit 2014

Berichte der chinesischen Regierung und Staatsmedien zeigen, dass China Ende 2013 mit Umerziehungsbemühungen begann, insbesondere an der uigurischen Bevölkerung. Diese Umerziehung wurde fortschreitend stärker institutionalisiert. [102] Aus rückschauender Perspektive kann der Beginn des Projektes zur Masseninternierung im Jahr 2014 gesehen werden, als die Regionalregierung von Xinjiang verlangte, dass uigurische Migranten von Ürümqi in ihre Heimatorte zurückkehren, um einen neuen Personalausweis zu erhalten. [124] Seit 2014 führte China in Xinjiang die von HRW als außerordentlich repressiv beschriebene „Kampagne des harten Schlags gegen den gewalttätigen Terrorismus“ (严厉打击暴力恐怖活动专项行动) gegen die muslimische Turkvolk-Bevölkerung durch, [125] [126] [127] die 2015 operativ wirksam wurde. [127] Diese Kampagne wurde in den folgenden Jahren unvermindert fortgesetzt. [125]

Nachdem Ende 2016 in Xinjiang Chen Quanguo sein Amt als neuer Parteisekretär angetreten hatte, setzte eine Welle der Repression ein. [69] Chen wandte die in Tibet entwickelten Überwachungsmethoden auf Xinjiang und seine muslimische Bevölkerung an. Die rapide Entwicklung der Xinjian-Region als „Sicherheitsstaat“ konnte von Wissenschaftlern wie Adrian Zenz und anderen anhand von Satellitenaufnahmen und offiziellen chinesischen Websites nachverfolgt werden. [72] Auf diese Weise konnte auch die Existenz der offiziell von China geheimgehaltenen Umerziehungslager nachgewiesen werden. [128] Die chinesische Regierung ging nun laut HRW seit Ende 2016 gegen die 13 Millionen ethnischen Uiguren und andere zu den Turkvölkern gehörenden Muslime in Xinjiang mit willkürlicher Masseninhaftierung vor, zwang ihnen politische Indoktrination auf, schränkte ihre Mobilität ein und unterdrückte sie in ihrer Religionsausübung. [129] Im Frühjahr 2017, nachdem die erste „De-Extremifizierungs“-Verordnung erlassen worden war, begann die Autonome Region Xinjiang unter ihrem neuen Parteichef Chen eine beispiellose Internierungskampagne. [130] [102] [131] Erst zu diesem Zeitpunkt und unter der Schirmherrschaft Chens erreichten die Internierungen ein nie zuvor dagewesenes Ausmaß. [102]

In der Folge wurden bis zu 1,5 Millionen vorwiegend Turkvolk-Minderheiten (vor allem Uiguren und Kasachen) in verschiedene Arten von politischen Umerziehungs-, Haft- und Ausbildungslagern verbracht. [131] Die Festsetzung von schätzungsweise mehr als einer Mil­lion turk­stämmigen Muslime (überwiegend Uiguren) in Internierungslagern erfolgte ohne Gerichtsverfahren. [69] Trotz zunehmender Medienberichterstattung seit Ende 2017 bestritt die chine­sische Regierung zunächst die Existenz der Lager in Xinjiang. [69] [102] [132] So leugnete China die Existenz jeglicher Umerziehungslager noch im August 2018, als die Internierung großer Teile von Chinas muslimischer Bevölkerung erstmals auf internationaler Ebene auf dem UN-Ausschuss für die Beseitigung der Rassendiskriminierung in Genf diskutiert wurde [132] [133] [14] und die UN China aufforderten, die Inhaftierung zu beenden. [14] Stattdessen beschuldigte das chinesische Außenministerium „antichinesische Kräfte“ der „grundlosen Verleumdung“. [132] Später bezeichnete die chinesische Regierung die Lager dann als „Um­erziehungslager für Extremisten“ und schließlich als „berufliche Ausbildungszentren“. [69] [133] [134] Im Oktober 2018 erlaubte die Provinzregierung Xinjiangs den Volksregierungen auf Kreis- oder höherer Ebene durch gesetzliche Legalisierung, „Berufsbildungszentren und andere Bildungs- und Transformationsinstitutionen einzurichten, um von Extremismus beeinflusste Personen auszubilden oder umzubilden“ und bestätigte somit die Existenz der Lager. [133] Als Kennzeichen religiösen Extremismus wurde beispielsweise das Tragen eines langen Barts, Halāl-Ernährung oder Besitz eines Gebetsteppichs oder eines Korans gewertet. [133] [128] Zur Kontrolle der Uiguren wurde in Xinjiang ein System von Zwangspaten eingeführt, bei dem meist Staatsbeamte in die Familien hineingehen. [135] Zur Unterstützung des Militärs und der Polizei bei ihrer Kampagne kam es zur Mobilisierung von über einer Million (Stand: 2017) chinesischer Zivilisten (meist Angehörige der Han-Ethnie), die sich in die Häuser der Uiguren und anderer muslimischer Minderheiten in der Region begaben und Programme zur Indoktrination und Überwachung durchführten. Sie präsentierten sich als eine Art „Paten“ (in der Landessprache eigentlich: „größere Brüder und Schwestern“) der Hausbewohner und konnten als solche die Entscheidung treffen, sie in die Lager zu schicken. [134] [136]

Ebenfalls ab dem Jahr 2017 begannen internationale Medienberichte die außergerichtlichen Masseninternierungen von Uiguren und ethnischen Kasachen in den Lagern Xinjiangs offenzulegen, wo diese dem Programm „Transformation durch Bildung“ (教育转化) unterworfen wurden, das vorgeblich auf „De-Extremifizierung“ (去极端化) abzielte, tatsächlich aber versuchte, sie vom islamischen Glauben umzuerziehen hin zur Liebe für die Partei und Staatspräsident Xi Jinping. [137] [138] [139]

Seit der zweiten Hälfte des Jahres 2018 wurde eine Anzahl Inhaftierter in verschiedene Formen der Zwangsarbeit entlassen. [140]

Im September 2018 ging Human Rights Watch (HRW) mit dem bis dahin umfangreichsten Bericht zur Situation in Xinjiang an die Öffentlichkeit, der auf Interviews mit Geflüchteten beruhte. [108] [70] In Xinjiang war die Religionsausübung massiv eingeschränkt worden, viele Moscheen wurden ab­gerissen, islamisch-religiöse Texte, islamischer Religionsunterricht und als religiös wahr­genommene Symbole wie das Tragen langer Bärte wurde verboten. [69] [70] [71] Dabei schienen die Beschränkungen religiöser Aktivitäten von Lokalregierungen in Xinjiang stärker auf die Allgemeinbevölkerung abzuzielen als in Tibet, wo vor allem Mönche und Nonnen betroffen waren. [37] Mit Maßnahmen wie dem Abriss von Moscheen oder der Entfernung der Halāl-Kennzeichnungen an Restaurants zerstörte der Staat das physische islamische Erbe Xinjiangs. [72] 2018 berichteten Medien, dass sich in dem Netz von Umerziehungslagern westlichen Schätzungen zufolge zwischen 120.000 und 3 Millionen Uiguren zwangsweise aufhalten sollen. [141] [142] Nach Schätzungen aus dem Jahr 2019 wurden bis zu einer Million Menschen in diesen Lagern für „politische Bildung“ festgehalten. [129] Verschiedene Websites von Regierung oder Bildungseinrichtungen in Xinjiang gaben unmissverständlich an, dass es sich bei den „Vocational Education and Training Centers“ um spezielle Einrichtungen zur Gehirnwäsche handele, die dazu dienen sollten, die „Gehirne von Menschen zu reinigen, die von extremen religiösen Ideoloien der ‘drei Mächte’ verhext sind.“ [143]

Am 1. Mai 2019 veröffentlichte HRW Untersuchungen, nach denen in Xinjiang ein Überwachungsstaat existiere. [126] Die chinesische Zentralregierung unterwerfe die 13 Millionen in der Region lebenden Muslime im Zuge der „Kampagne des harten Schlags gegen den gewalttätigen Terrorismus“ verschärften Repressionen und mache Xinjiang zu einem der wichtigsten Zentren Chinas für den Einsatz innovativer Technologien zur sozialen Kontrolle. [126] [144] Die chinesischen Behörden benutzen demnach eine Mobiltelefon-App für illegale Massenüberwachung und willkürliche Verhaftung von Muslimen, mit der sich Beamte in die Integrierte Plattform für gemeinsame Operationen (Integrated Joint Operations Platform, IJOP) einloggen. Diese Anwendungssoftware der Polizei in Xinjiang sammele illegal Personendaten „über das eindeutig gesetzeskonforme Verhalten von Menschen“, um sie gegen sie zu verwenden und Menschen zu markieren, die als potenziell gefährlich eingestuft würden. Die chinesische Regierung überwacht laut HRW somit „jedes Detail der Leben von Menschen in Xinjiang, wählt diejenigen aus, denen sie misstraut, und beobachtet sie noch schärfer.“ [126] [145] [129]

Mitte November 2019 veröffentlichte die New York Times über 400 geleakte Seiten interner Dokumente (sogenannte „Xinjiang Papers“) der chinesischen Regierung, die vorwiegend higher-level-Information wie Reden beinhalteten und den Vorwurf der systematischen Unterdrückung der Uiguren erhärteten. [146] [147] [148]

Zudem spielte ein Whistleblower dem Internationalen Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ) Dokumente aus den Jahren 2017 und 2018 zu (sogenannte „China Cables“), [149] deren wichtigstes Dokument eine Verordnung für den Betrieb der Umerziehungslager in Xinjiang (offiziell: „Vocational Education and Training Centers“) war. [148] Die „China Cables“ enthüllten die systematische Verfolgung der Uiguren und Anleitungen zur massenhaften Internierung der muslimischen Minderheit in der Region. Sie widerlegten zugleich die Darstellung der chinesischen Regierung, die die bewachten Umerziehungslager als „Weiterbildungseinrichtungen“ beschrieben hatte, in denen der Aufenthalt freiwillig sei. [149] [148] Die teilweise streng geheimen Dokumente lieferten den Nachweis, dass die chinesische Regierung die Öffentlichkeit über das Wesen der Umerziehungslager zu täuschen versucht hatte. Sie enthüllten unter anderem eine Rede des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping, in der dieser die mehrheitlich muslimischen Minderheiten als von einem gefährlichen „gedanklichen Virus“ befallen darstellte, welches lediglich durch eine „Phase der schmerzhaften, interventiven Behandlung“ ausgemerzt werden könne. [150] [146] Westliche Medien sprachen mit Berufung auf den weltweit als renommierter Experte für die Situation der Muslime in China geltenden Wissenschaftler Adrian Zenz inzwischen von „kulturellem Genozid“ an der ethno-religiösen Minderheit der Uiguren in China. [151] [152] [70] [149] [128] Im November 2019 charakterisierte Zenz das Geschehen in Xinjiang als „die vermutlich größte Internierung einer ethno-religiösen Minderheit seit dem Holocaust“. [153] [154] [155] Im Januar 2020 warf HRW der chinesischen Regierung in ihrem Jahresbericht vor, „einen weitreichenden Überwachungsstaat“ mit „dem Ziel der totalen sozialen Kontrolle“ geschaffen zu haben und sich mit Chinas wachsendem ökonomischen und diplomatischen Einfluss gegen das globale System zur Verteidigung der Menschenrechte zu wehren, das die chinesische Regierung für ihre Repressionen zur Verantwortung ziehen könnte. [90] [91] [92] Die Kommunistische Partei Chinas habe einen „orwellschen High-Tech-Überwachungsstaat“ und ein „ausgeklügeltes Internet-Zensursystem“ aufgebaut, um öffentliche Kritik zu überwachen und zu unterdrücken. [91] [92]

Wenige Tage nach der Publikation der „China Cables“ wurde die sogenannte „Karakax-List“ geleakt. [148] Ein Expertenteam unter Leitung von Adrian Zenz, zu diesem Zeitpunkt Senior Fellow für China-Studien bei der Victims of Communism Memorial Foundation, schätzte dieses dritte große Leak sensibler chinesischer Regierungsdokumente als authentisch ein. [156] Laut Zenz ergänzte die „Karakax-List“ die beiden vorigen Leaks („Xinjiang Papers“ und „China Cables“) sehr gut und lieferte die bei weitem detaillierteste Darstellung der inneren Dynamik der Entscheidungsfindung zur „beispiellosen Kampagne der Masseninternierung“ in Xinjiang. Nach Angabe von Zenz enthüllte sie die „Hexenjagd-ähnliche Denkweise“, die im gesellschaftlichen Leben in der Region vorherrsche. [148] Die Dokumente legten die willkürlichen Gründe für die Inhaftierung von Uiguren in Umerziehungslagern offen. Den Listen zufolge konnte schon das Tragen eines Kopftuchs oder Bartes, die Beantragung eines Passes, eine Pilgerfahrt oder Verwandte im Ausland für eine Inhaftierung ausreichen. [157] Laut Zenz zeigten die Aufzeichnungen, dass die chinesische Regierung uigurische Bürger wegen Handlungen festnahm, die in vielen Fällen nicht „im Entferntesten einem Verbrechen ähnelten“. [156] Nachdem westliche Medienberichte mithilfe der „Karakax-List“ enthüllten, mit welcher Willkür die chinesische Regierung die muslimischen Uiguren in Xinjiang verfolgte, forderten Menschenrechtler und Politiker eine härtere Gangart Deutschlands und Europas gegenüber China. [158] Die staatliche chinesische Zeitung Global Times stellte dagegen die Authentizität der „Karakax-List“ und die Glaubwürdigkeit des von westlichen Medien herangezogenen Experten Zenz infrage, nannte diesen „anti-chinesisch“ und führte an, europäische und US-Geheimdienste könnten in die Leaks zur Uiguren-Verfolgung in China und in das „Aufbauschen“ des Themas verwickelt sein. [158] [159]

Westliche Rezeption der uigurischen Frage in China

Im 21. Jahrhundert hat sich der Blick von der Tibetfrage hin nach Xinjiang und zur Uigurenfrage verschoben, in Bezug auf separatistische Politik in China und auf die Frage, ob ethnische Unruhen in China eher als Folge repressiver chinesischer Maßnahmen und Menschenrechtsverletzungen anzusehen sind oder einer Anfachung von außen zugeschrieben werden sollen. Bei den Uiguren ist die positive Verbindung mit der Politik dabei aber bei weitem nicht so stark wie bei den Tibetern. [49] Obwohl die Lage in Xinjiang bereits seit den 1990er Jahren ernster geworden war als in Tibet und es als sensibelstes aller Minderheitengebiete Chinas galt, fiel die westliche Berichterstattung über Xinjiang geringer und weniger Sympathie zeigend aus als diejenige über Tibet. [27]

Einen zu Faktor in der Verbindung zwischen Kultur und Politik in Xinjiang bildet die Religion des Islams. Internationale Menschenrechtsorganisationen beschuldigen die chinesischen Behörden zwar regelmäßig der Verfolgung des Islam in Xinjiang. Im Gegensatz zum Buddhismus in Tibet genießt der Islam im Westen jedoch kein gutes Image. [49] Auch nach Durchsickern sensibler chinesischer Regierungsdokumente 2019 und 2020 zu den Überwachungs- und Umerziehungsmethoden des chinesischen Staates gegenüber der uigurischen Minderheit in Xinjiang erhielt der Konflikt zum Beispiel in Deutschland verhältsnismäßig wenig Aufmerksamkeit, was die Sinologin Kristin Shi-Kupfer (Leiterin des Forschungsbereichs Politik, Gesellschaft und Medien am Mercator Institute for China Studies) zum Teil darauf zurückführte, dass in der deutschen Bevölkerung ein gewisses Unwohlsein gegenüber Menschen islamischer Religionszugehörigkeit bestehe. [87]

Ein zweiter Faktor wird darin gesehen, dass den Uiguren ein internationaler Fürsprecher fehle, im Gegensatz zu den Tibetern mit ihrer Sympathiefigur des Dalai Lama. [87] [67] [160] Tatsächlich erlangte die WUC-Präsidentin Rebiya Kadeer als Vertretung der uigurischen Diaspora kein dem Dalai Lama annähernd entsprechendes Ansehen, und des blieb bei sehr mäßig erfolgreichen Versuchen, ihrer Rolle einen entsprechend bedeutenden Status zu verleihen, sowohl von Gegnern als auch von Befürwortern. [49] [87] [67]

Literatur

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  • Gudrun Wacker: Xinjiang und die VR China – Zentrifugale und zentripetale Tendenzen in Chinas Nordwest-Region. Bundesinstitut für Ostwissenschaftliche und Internationale Studien, Köln 1995 (Berichte des Bundesinstituts für Ostwissenschaftliche und Internationale Studien 1995, 3, ISSN  0435-7183).
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  • Claude Liscia: Das große Heimweh der Flüchtlinge in Kasachstan. Im Rhythmus der Repressionswellen in Sinkiang sind Ströme von uigurischen Flüchtlingen ins sowjetische Zentralasien gekommen. In: Le Monde diplomatique. Deutsche Ausgabe. Ausgabe vom 12.09.1997. taz Verlags, Berlin 1997 ( monde-diplomatique.de [TEXT/; 16 kB]).
  • Ilaria Maria Sala: Im chinesischen Xinjiang werden die Uiguren gewaltsam assimiliert – Wie Peking in seiner Westprovinz Islamisten produziert. In: Le Monde diplomatique. Deutsche Ausgabe. Ausgabe vom 15.02.2002. taz Verlags, Berlin 2002, S. 8–9 ( monde-diplomatique.de [TEXT/; 19 kB]).
  • Martine Bulard: Der wilde Westen von China – Wie Uiguren und Chinesen in Xinjiang zusammenlebten. In: Le Monde diplomatique. Deutsche Ausgabe. Ausgabe vom 07.08.2009. taz Verlags, Berlin 2009 ( monde-diplomatique.de [TEXT/; 20 kB]).
  • Darren Byler: Jugend und Bildung. In: Welt-sichten. Heft 2/2019. Verein zur Förderung der entwicklungspolitischen Publizistik e.V., 2019, ISSN  1865-7966, Welt-Blicke, Sp. China – Big Brother im eigenen Haus ( Online [TEXT/; 20 kB]).
  • Dru C. Gladney: Dislocating China. Reflections on Muslims, Minorities and other Subaltern Subjects. Hurst, London 2004, ISBN 1-85065-324-0.
  • S. Frederick Starr (Hrsg.): Xinjiang. China's Muslim Borderland. M. E. Sharpe, Armonk NY u. a. 2004, ISBN 0-7656-1318-2 (Studies of Central Asia and the Caucasus).
  • U.S. Congressional-Executive Commission on China: Ethnic Minorities in China. Tibetans and Uighurs. Roundtable before the Congressional-Executive Commission on China, One Hundred Seventh Congress, Second Session, June 10, 2002. United States Government Printing Office, Washington DC 2002, ISBN 0-16-068753-5.

Rundfunkberichte und Reportagen

Weblinks

Commons: Uiguren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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Einzelnachweise

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  2. a b c Rian Thum: Kashgar. In: Encyclopaedia of Islam, THREE. Kate Fleet, Gudrun Krämer, Denis Matringe, John Nawas, Everett Rowson, abgerufen am 29. Mai 2020 (englisch). Erste Online-Veröffentlichung: 2019, Erste Printausgabe: ISBN 978-90-04-41343-6, 2020, 2020-1. DOI: http://dx.doi.org/10.1163/1573-3912_ei3_COM_35379.
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  5. Wolfgang Ekkard Scharlipp: Die frühen Türken in Zentralasien. Darmstadt 1992, S. 81 f.
  6. Vgl. M. Weiers: Uiguren, in: Abrisse zur Geschichte innerasiatischer Völker ( online). Historische Texte dazu bietet: Wolfgang-Ekkehard Scharlipp, Julius von Klaproth u. a.: Abhandlung über die Sprache und Schrift der Uiguren.
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  18. a b c d e W. James Jacob, Jing Liu, Che-Wei Lee: Policy Debates and Indigenous Education: The Trialectic of Language, Culture, and Identity. In: W. James Jacob, Sheng Yao Cheng, Maureen K. Porter (Hrsg.): Indigenous Education: Language, Culture and Identity. Springer, Dordrecht u. a. 2015, ISBN 978-94-017-9354-4, S. 39–61, doi: 10.1007/978-94-017-9355-1.
  19. Cf. Barbara A. West: Encyclopedia of the peoples of Asia and Oceania. Facts On File / Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 167.
  20. a b c Dudley L. Poston, Qian Xiong: Are China’s Minority Nationalities Still on the Margins? In: Isabelle Attané, Baochang Gu (Hrsg.): Analysing China's Population: Social Change in a New Demographic Era (= INED Population Studies. Nr. 3). Springer, Dordrecht 2014, ISBN 978-94-017-8986-8, S. 113–137, doi: 10.1007/978-94-017-8987-5. Erstmals online veröffentlicht am 7. Oktober 2014.
  21. a b Cyril Glassé: The concise encyclopædia of Islam: Revised edition. Stacey International, London 2001, ISBN 1-900988-06-2, S. 480.
  22. a b c d e f Rémi Castets: The Uyghurs in Xinjiang – The Malaise Grows: After September 11th 2001, the Chinese regime strove to include its repression of Uyghur opposition within the international dynamic of the struggle against Islamic terrorist networks. In: China Perspectives. 49, 2003, S. 34–48. doi: 10.4000/chinaperspectives.648. Veröffentlicht am 1. Oktober 2003, online seit 17. Januar 2007. Übersetzung aus dem französischen Original: Philip Liddell. Französisches Original: Rémi Castets: Le nationalisme ouïghour au Xinjiang: expressions identitaires et politiques d’un mal-être. Après le 11 septembre 2001, le régime chinois s’est efforcé d’insérer la répression de l’opposition ouïghoure dans la dynamique internationale de lutte contre les réseaux terroristes islamistes. In: Perspectives chinoises. 78, Nr. 1, 2003, S. 34–48.
  23. a b c d e f g h i Ingvar Svanberg: Turkestani Refugees. In: Peter Alford Andrews, unter Mitarb. von Rüdiger Benninghaus (Hrsg.): Ethnic Groups in the Republic of Turkey (= Heinz Gaube, Wolfgang Röllig [Hrsg.]: Beihefte zum Tübinger Atlas des Vorderen Orients. B, Nr. 60.1). Reichert, Wiesbaden 2002, ISBN 3-89500-297-6, S. 591–601 (Erstausgabe: 1989). Die Auflage von 2002 ist ein unveränderter Reprint der Erstauflage.
  24. cf. Xavier de Planhol: Kulturgeographische Grundlagen der islamischen Geschichte (= J. van Ess [Hrsg.]: Die Bibliothek des Morgenlandes - Gegründet von G. E. von Grunebaum). Artemis, Zürich & München 1975, ISBN 3-7608-4522-3, S. 23 f. (französisch: Les fondements géographiques de l'histoire de l'islam. Paris 1968. Übersetzt von Heinz Halm).
  25. cf. Xavier de Planhol: Kulturgeographische Grundlagen der islamischen Geschichte (= J. van Ess [Hrsg.]: Die Bibliothek des Morgenlandes - Gegründet von G. E. von Grunebaum). Artemis, Zürich & München 1975, ISBN 3-7608-4522-3, S. 233 (französisch: Les fondements géographiques de l'histoire de l'islam. Paris 1968. Übersetzt von Heinz Halm).
  26. Cf. Barbara A. West: Encyclopedia of the peoples of Asia and Oceania. Facts On File / Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 437.
  27. a b c d e f g h Colin P. Mackerras: Ethnicity in China: The Case of Xinjiang. In: Havard Asia Quartely. 8, Nr. 1, 2004, ISSN  1522-4147, S. 4-14.
  28. a b c d Rémi Castets: Les musulmans du Xinjiang. In: Michel Gilquin (Hrsg.): Atlas des minorités musulmanes en Asie méridionale et orientale. CNRS éditions, Paris 2010, ISBN 978-2-271-06892-7, S. 289–312. Dort mit Quellenhinweis: "Fenjin de sishi nian: 1949–1989, Xinjiang fenci (The advancing 40 years. 1949–1989. Xinjiang volume). Urumchi. Zhongguo tongji chubanshe, 1989, p. 332; 2005 Xinjiang tongji nianjian. op. cit., p. 107, 109."
  29. Rémi Castets: The Uyghurs in Xinjiang – The Malaise Grows: After September 11th 2001, the Chinese regime strove to include its repression of Uyghur opposition within the international dynamic of the struggle against Islamic terrorist networks. In: China Perspectives. 49, 2003, S. 34–48; hier: Table 1 (Demographic strength of the main Xinjiang nationalities). doi: 10.4000/chinaperspectives.648. Veröffentlicht am 1. Oktober 2003, online seit 17. Januar 2007. Übersetzung aus dem französischen Original: Philip Liddell. Dort mit Quellenhinweis: "Source: Fenjin de sishi nian: 1949–1989. Xinjiang fenci (The advancing 40 years. 1949–1989. Xinjiang Volume), Zhongguo tongji chubanshe, Urumchi, 1989, p. 332; 2002 Xinjiang tongji nianjian (Xinjiang Statistical Yearbook), Pékin, Zhongguo tongji chubanshe, 2002, pp. 107, 109."
  30. Rémi Castets: Opposition politique, nationalisme et islam chez les Ouïghours du Xinjiang. In: Les études du CERI. Nr. 110, Oktober 2004, S. 1–45; hier: S. 44, Tableau 1 (Evolution démographique des principales nationalités au Xinjiang entre 1949 et 2000 (en milliers de personnes)). Dort mit Quellenhinweis: "Source : Fenjin de sishi nian : 1949–1989. Xinjiang fenci (The advancing 40 years. 1949–1989. Xinjiang volume), Urumchi, Zhongguo tongji chubanshe, 1989, p. 332 ; 2002 Xinjiang tongji nianjian (Annuaire statistique du Xinjiang), Pékin, Zhongguo tongji chubanshe, 2002, pp. 107, 109."
  31. Rémi Castets: Entre colonisation et développement du Grand Ouest : impact des stratégies de contrôle démographique et économique au Xinjiang. In: Outre-terre. 3, Nr. 16, 2006, S. 257–272; hier: S. 264, Tableau 1 (Évolution démographique des principales nationalités au Xinjiang entre 1949 et 2004). doi: 10.3917/oute.016.0257. Dort mit Quellenhinweis: "Source : Fenjin de sishi nian : 1949–1989. Xinjiang fenci (The advancing 40 years, 1949–1989. Xinjiang volume), remqi, Zhongguo tongji chubanshe, 1989, p. 332 ; 2005 Xinjiang tongji nianjian, op. cit., p. 107, 109."
  32. a b c d e Chang-Kuan Lin: Sinkiang. In: Encyclopaedia of Islam, Second Edition. P. Bearman, Th. Bianquis, C.E. Bosworth, E. van Donzel, W.P. Heinrichs, abgerufen am 29. Mai 2020 (englisch). Erste Online-Veröffentlichung: 2012, Erste Printausgabe: ISBN 978-90-04-16121-4, 1960–2007. DOI: http://dx.doi.org/10.1163/1573-3912_islam_SIM_7052.
  33. a b c d e Chang-Kuan Lin: Sinkiang. In: C. E. Bosworth, E. van Donzel, W. P. Heinrichs & [the late] G. Lecomte (Hrsg.): The Encyclopaedia of Islam. New Edition. 9 („SAN - SZE“). Brill, Leiden 1997, ISBN 90-04-10422-4, S. 648–650.
  34. a b c d Rémi Castets: Le Xinjiang: entre enjeux stratégiques et risque sécuritaire. In: Les Grands Dossiers de Diplomatie, Areion Group, Paris. Nr. 45 (Géopolitique de la Chine), Juni - Juli 2018, ISSN  2115-256X, S. 92–95.
  35. a b Rémi Castets: Déjà un million de personnes passées par les camps de rééducation du Xinjiang: Les Ouïgours à l’épreuve du « vivre-ensemble » chinois. S’il est difficile d’évaluer le nombre de Ouïgours embastillés ou passés par les centres de rééducation — on parle d’un million —, il est certain qu’un système de surveillance sans précédent traque les musulmans du Xinjiang, qui ne sont pas sanctionnés pour ce qu’ils ont fait, mais pour ce qu’ils pourraient faire. M. Xi Jinping veut promouvoir cette politique de répression et de sinisation comme un modèle sécuritaire. (Nicht mehr online verfügbar.) monde-diplomatique.fr, 2019, archiviert vom Original am 7. November 2019; abgerufen am 27. Mai 2020 (französisch). (Printversion: März 2019, S. 6–7)
  36. a b c Bernhard Zand: China's Xinjiang Province: A Surveillance State Unlike Any the World Has Ever Seen. In western China, Beijing is using the most modern means available to control its Uighur minority. Tens of thousands have disappeared into re-education camps. A journey to an eerily quiet region. (Nicht mehr online verfügbar.) Spiegel Online, 26. Juli 2018, archiviert vom Original am 29. Juli 2018; abgerufen am 28. Mai 2020 (englisch).
  37. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab Björn Alpermann: Tibeter und Uiguren in China: Minderheitenpolitik und Widerstand. In: China heute. 35, Nr. 2 (190), 2016, ISSN  0932-6855, S. 87-97.
  38. George B. Cressey: The 1953 Census of China. In: The Far Eastern Quarterly. 14, Nr. 3, 1955, S. 387–388. doi: 10.2307/2942333.
  39. a b c d Rémi Castets: Migrations intérieures et colonisation dans le Grand Ouest de la Chine. In: Christophe Jaffrelot, Christian Lequesne (Hrsg.): L’Enjeu mondial: Les migrations. Presses de Sciences Po-L’Express, Paris 2009, ISBN 978-2-7246-1131-1, S. 73–84.
  40. Rémi Castets: La Chine face au terrorisme islamique. In: Questions internationales / La Documentation française, Paris. Nr. 75 (Les nouveaux espaces du jihadisme), 2015, ISSN  1761-7146, S. 105-109.
  41. a b c d e f g Rémi Castets: Opposition politique, nationalisme et islam chez les Ouïghours du Xinjiang. In: Les études du CERI. Nr. 110, Oktober 2004, S. 1–45; hier: S. 21, 44, Tableau 2 (Produit intérieur brut par habitant dans les principales unités administratives infra-régionales du Xinjiang en Rmb en 2000). Dort mit Quellenhinweis: "Source : 2002 Xinjiang tongji nianjian, op. cit., pp. 106, 110-115, 713, 715 ; 2002 Zhongguo tongji nianjian, op. cit., p. 51."
  42. Cf. Rémi Castets: Entre colonisation et développement du Grand Ouest : impact des stratégies de contrôle démographique et économique au Xinjiang. In: Outre-terre. 3, Nr. 16, 2006, S. 257–272; hier: S. 265f, Tableau 2 (Entre colonisation et développement du Grand Ouest : le Xinjiang). doi: 10.3917/oute.016.0257. Dort mit Quellenhinweis: "Source : 2002 Xinjiang tongji nianjian, op. cit., p. 51 ; 2005 Xinjiang tongji nianjian, op. cit., p. 106-116, 122-124, 689-700."
  43. a b c d e f Rémi Castets (Mitarbeit: Sylvain Antichan): Ouïghours: des oasis du Xinjiang aux champs de guerre d’Afghanistan et de Syrie. theconversation.com, 4. Juli 2018, archiviert vom Original am 5. Juli 2018; abgerufen am 2. Juni 2020 (französisch).
  44. a b c Rémi Castets: Les racines du problème ouïghour et ses derniers développements: Le Xinjiang connaît à nouveau unse recrudescence des trobles. Sa stabilisation est aujord´hui vitale dans la mesure où ses ressources énergétiques et sa position sur les nouvelles routes de la Soie en font un territoire clé pur le développement économique et la stratégie de puissance de la Chine. In: Diplomatie, Areion Group, Paris. Nr. 80, 2016, ISSN  1761-0559, S. 32–37. (Printversion: Nr. 80, Mai-Juni 2016, S. 32–37).
  45. a b c Rémi Castets: Entre colonisation et développement du Grand Ouest: impact des stratégies de contrôle démographique et économique au Xinjiang. In: Outre-terre. 3, Nr. 16, 2006, S. 257–272; hier: S. 265f, Tableau 2 (Entre colonisation et développement du Grand Ouest : le Xinjiang). doi: 10.3917/oute.016.0257. Dort mit Quellenhinweis: "Source : 2002 Xinjiang tongji nianjian, op. cit., p. 51 ; 2005 Xinjiang tongji nianjian, op. cit., p. 106-116, 122-124, 689-700."
  46. a b Rémi Castets: The Modern Chinese State and Strategies of Control over Uyghur Islam. In: Central Asian Affairs. 2, Nr. 3, 2015, S. 221–245. doi: 10.1163/22142290-00203001.
  47. Barbara A. West: Encyclopedia of the peoples of Asia and Oceania. Facts On File / Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 380.
  48. C. E. Bosworth: Yarkand. In: P. J. Bearman, Th. Bianquis, C. E. Bosworth, E. van Donzel & W. P. Heinrichs (Hrsg.): The Encyclopaedia of Islam. New Edition. 11 („W - Z“). Brill, Leiden 2002, ISBN 90-04-12756-9, S. 286–288.
  49. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae Colin Mackerras: Ethnic minority languages and cultures. In: Xiaowei Zang (Hrsg.): Handbook on Ethnic Minorities in China (= Handbooks of Research on Contemporary China series). Edward Elgar Publishing, Cheltenham & Northampton 2016, ISBN 978-1-78471-735-3, Chapter 10, S. 214–239, doi: 10.4337/9781784717360.00017. DOI des Sammelwerks: https://doi.org/10.4337/9781784717360.
  50. a b c d e f g Uygurs. In: Peter Alford Andrews, unter Mitarb. von Rüdiger Benninghaus (Hrsg.): Ethnic Groups in the Republic of Turkey (= Heinz Gaube, Wolfgang Röllig [Hrsg.]: Beihefte zum Tübinger Atlas des Vorderen Orients. B, Nr. 60.1). Reichert, Wiesbaden 2002, ISBN 3-89500-297-6, S. 77–81 (Erstausgabe: 1989). Die Auflage von 2002 ist ein unveränderter Reprint der Erstauflage.
  51. Uiguren: „Exil-Hauptstadt“ München ( Memento vom 10. Juli 2009 im Internet Archive), br-online.de, Stand: 8. Juli 2009.
  52. Colin Mackerras: Xinjiang in China’s Foreign Relations: Part of a New Silk Road or Central Asian Zone of Conflict?. In: East Asia. 32, Nr. 1, 2015, S. 25-42. doi: 10.1007/s12140-015-9224-8.
  53. a b c d e f g h i j k l m Uyghur Muqam of Xinjiang [Nomination file No. 00109.] In: ich.unesco.org. Archiviert vom Original am 10. Mai 2017; abgerufen am 4. Juni 2020.
  54. a b c d Ablet Semet, Jens Wilkens: Die Geschichte Xinjiangs im Spiegel der uigurischen Dichtung am Beispiel ausgewählter Gedichte von Abdurehim Ötkür. In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. 162, Nr. 1, 2012, ISSN  0341-0137, S. 151-170.
  55. a b c d e f g h i j Matthew S. Erie: China and Islam: The Prophet, the Party, and Law. Cambridge University Press, New York 2016, ISBN 978-1-107-05337-3, S. 8–10, doi: 10.1017/9781107282063.
  56. a b c d e Raymond Lee: Muslims in China and their Relations with the State. (PDF; 385 kB) studies.aljazeera.net (Al Jazeera Centre for Studies), 26. August 2015, archiviert vom Original am 1. Juni 2020; abgerufen am 1. Juni 2020. Auch veröffentlicht als: Raymond Lee: Reports: Muslims in China and their Relations with the State. The article explains why the Uyghurs are under China's harsh restriction and analyzes the future policies the PRC will adopt and possible reactions from the Uyghur side. The recent rise of violent incidents in Xinjiang entailed Beijing to adopt austere regulation on Uyghur's religious right. studies.aljazeera.net (Al Jazeera Centre for Studies), 26. August 2015, archiviert vom Original am 3. Januar 2017; abgerufen am 1. Juni 2020.
  57. a b c d e f g h i j k l m Barbara A. West: Encyclopedia of the peoples of Asia and Oceania. Facts On File / Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 853.
  58. Barbara A. West: Encyclopedia of the peoples of Asia and Oceania. Facts On File / Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 857.
  59. Barbara A. West: Encyclopedia of the peoples of Asia and Oceania. Facts On File / Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 776.
  60. Barbara A. West: Encyclopedia of the peoples of Asia and Oceania. Facts On File / Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 861.
  61. Kilic Kanat: Repression in China and Its Consequences in Xinjiang. hudson.org, 28. Juli 2014, archiviert vom Original am 16. August 2014; abgerufen am 1. Juni 2020.
  62. Cf. Barbara Vorsamer [Interview mit Gudrun Wacker (SWP) und Eberhard Sandschneider (DGAP)]: Unruhen in China: Frust entlädt sich in Gewalt. Mindestens 140 Tote bei den Unruhen in der westchinesischen Provinz Xinjiang: Der Konflikt zwischen Uiguren und Han-Chinesen eskaliert. Er rückt einen seit vielen Jahren schwelenden Konflikt ins Blickfeld - die internationale Gemeinschaft hat bisher oft weggeschaut. Ein Gespräch mit Experten. (Nicht mehr online verfügbar.) sueddeutsche.de, 17. Mai 2010, archiviert vom Original am 22. Mai 2020; abgerufen am 22. Mai 2020.
  63. Matthew S. Erie: China and Islam: The Prophet, the Party, and Law. Cambridge University Press, New York 2016, ISBN 978-1-107-05337-3, S. 50 f., doi: 10.1017/9781107282063.
  64. Matthew S. Erie: China and Islam: The Prophet, the Party, and Law. Cambridge University Press, New York 2016, ISBN 978-1-107-05337-3, S. 14, doi: 10.1017/9781107282063.
  65. a b c Barbara A. West: Encyclopedia of the peoples of Asia and Oceania. Facts On File / Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 577.
  66. a b Barbara A. West: Encyclopedia of the peoples of Asia and Oceania. Facts On File / Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 849.
  67. a b c Cf. Barbara A. West: Encyclopedia of the peoples of Asia and Oceania. Facts On File / Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 853.
  68. Xavier de Planhol: Kulturgeographische Grundlagen der islamischen Geschichte (= J. van Ess [Hrsg.]: Die Bibliothek des Morgenlandes - Gegründet von G. E. von Grunebaum). Artemis, Zürich & München 1975, ISBN 3-7608-4522-3, S. 23 f. (französisch: Les fondements géographiques de l'histoire de l'islam. Paris 1968. Übersetzt von Heinz Halm).
  69. a b c d e f Frédéric Krumbein: China im Wettstreit mit den USA um globalen Einfluss. In: SWP-Aktuell. Nr. 7, April 2019, S. 1–4. doi: 10.18449/2019A27.
  70. a b c d Axel Dorloff: Uiguren in China - Politische Umerziehungslager in Xinjiang. (Nicht mehr online verfügbar.) In: deutschlandfunk.de. 13. September 2018, archiviert vom Original am 14. September 2018; abgerufen am 19. Mai 2020.
  71. a b Dunja Ramadan, Sebastian Gierke: China und die Uiguren: Wo die Moscheen verschwinden. (Nicht mehr online verfügbar.) In: sueddeutsche.de. 12. April 2019, archiviert vom Original am 25. April 2019; abgerufen am 20. Mai 2020.
  72. a b c d e f Gerry Groot: Internment and Indoctrination — Xi’s ‘New Era’ in Xinjiang. In: Jane Golley, Linda Jaivin, Paul J. Farrelly, Sharon Strange (Hrsg.): Power (= China Story Yearbook). ANU Press, Acton 2019, ISBN 978-1-76046-280-2, Kap. 4, S. 98–112, doi: 10.22459/CSY.2019. (Sammelwerk auch als PDF; 19 MB. Kapitel 4 auch als PDF; 1,2 MB), Lizenz: Creative Commons Attribution CC BY-NC-ND 4.0. Auch online erschienen: Gerry Groot: Chapter 4 – Internment and Indoctrination — Xi’s ‘New Era’ in Xinjiang. (Nicht mehr online verfügbar.) In: The China Story Project ( https://www.thechinastory.org/) > The China Story (中国的故事) Yearbook ( https://www.thechinastory.org/yearbooks/) > Yearbook 2018: Power ( https://www.thechinastory.org/yearbooks/yearbook-2018-power/). Australian Centre on China in the World 中华全球研究中心/中華全球研究中心 (CIW), archiviert vom Original am 23. Mai 2019; abgerufen am 29. Mai 2020 (englisch). Lizenz: Creative Commons Attribution CC BY 3.0
  73. Lily Kuo: Revealed: new evidence of China's mission to raze the mosques of Xinjiang. In: theguardian.com. 6. Mai 2019, archiviert vom Original am 7. Mai 2019; abgerufen am 3. Juni 2020 (englisch).
  74. J. Paul: Zentralasien, S. 137ff
  75. Felicitas Schmieder (Hrsg.): Johannes von Plano Carpini: Kunde von den Mongolen. Thorbecke, Sigmaringen 1997, ISBN 3-7995-0603-9, S. 62.
  76. Vgl. Flags of the World: Uighuristan (Islamic Republic of East Turkestan) mit World Statesmen (Xinjiang)
  77. Flags of the World: China Xinjiang Airlines (China)
  78. Rob Johnson: Pulverfass am Hindukusch – Dschihad, Erdöl und die Großmächte in Zentralasien. Konrad Theiss, Stuttgart 2008.
  79. Devastating Blows: Religious Repression of Uighurs in Xinjiang. (PDF; 1,9 MB) (Nicht mehr online verfügbar.) Human Rights Watch, April 2005, S. 1–115, archiviert vom Original am 12. Dezember 2008; abgerufen am 20. Mai 2020 (englisch, = Band 17, Nr. 2(C))., Zugriff über Internetseite: " Devastating Blows: Religious Repression of Uighurs in Xinjiang", 11. April 2005.
  80. a b c d e f g h i j k l m n o p Devastating Blows: Religious Repression of Uighurs in Xinjiang. (Nicht mehr online verfügbar.) Human Rights Watch, 11. April 2005, archiviert vom Original am 23. August 2015; abgerufen am 20. Mai 2020 (en)).
  81. a b c Volker Pabst: Erdogan lässt die Uiguren fallen Archiviert vom Original am 2. Februar 2019. In: Neue Zürcher Zeitung. .
  82. Ayla Jean Yackley: Turkish leader calls Xinjiang killings "genocide". (Nicht mehr online verfügbar.) In: reuters.com. 10. Juli 2009, archiviert vom Original am 6. September 2018; abgerufen am 20. Mai 2020.
  83. Turkish PM ups rhetoric over violence in Xinjiang. (Nicht mehr online verfügbar.) In: hurriyet.com.tr. 11. Juli 2009, archiviert vom Original am 20. Mai 2020; abgerufen am 20. Mai 2020.
  84. a b c d e f g h Barbara Vorsamer [Interview mit Gudrun Wacker (SWP) und Eberhard Sandschneider (DGAP)]: Unruhen in China: Frust entlädt sich in Gewalt. Mindestens 140 Tote bei den Unruhen in der westchinesischen Provinz Xinjiang: Der Konflikt zwischen Uiguren und Han-Chinesen eskaliert. Er rückt einen seit vielen Jahren schwelenden Konflikt ins Blickfeld - die internationale Gemeinschaft hat bisher oft weggeschaut. Ein Gespräch mit Experten. (Nicht mehr online verfügbar.) sueddeutsche.de, 17. Mai 2010, archiviert vom Original am 22. Mai 2020; abgerufen am 22. Mai 2020.
  85. Kunal Mukherjee: The Uyghur Question in Contemporary China. In: Central Asian Survey. 34, Nr. 3, 2010, S. 420–435. doi: 10.1080/09700161003659129. Online veröffentlicht am 11. Mai 2010.
  86. a b c d e f g h i j Ulrich von Schwerin: Unterdrückung der Uiguren: Unter Kontrolle. (Nicht mehr online verfügbar.) de.qantara.de, 13. November 2014, archiviert vom Original am 27. November 2014; abgerufen am 22. Mai 2020.
  87. a b c d e Luise Sammann (Interview mit Kristin Shi-Kupfer): Interview mit der Sinologin Kristin Shi-Kupfer: "Die Uiguren sollen ihrer Identität beraubt werden". (Nicht mehr online verfügbar.) In: de.qantara.de. 27. Januar 2020, archiviert vom Original am 23. Mai 2020; abgerufen am 23. Mai 2020.
  88. a b c d Adrian Zenz: New Evidence for China’s Political Re-Education Campaign in Xinjiang. (Nicht mehr online verfügbar.) jamestown.org, 18. Mai 2018, archiviert vom Original am 22. September 2018; abgerufen am 23. Mai 2020. Veröffentlicht als: China Brief, Volume 18, Nr. 10.
  89. a b Alexander Krenn: Menschenrechtslage in China: Was macht eigentlich der Westen? (Nicht mehr online verfügbar.) rnd.de, 15. Januar 2020, archiviert vom Original am 16. Januar 2020; abgerufen am 16. Januar 2020.
  90. a b Chinesische Regierung ist globale Bedrohung für Menschenrechte. Regierungen sollen vereint gegen Chinas Angriffe auf Menschenrechtsinstitutionen vorgehen. (Nicht mehr online verfügbar.) Human Rights Watch, 14. Januar 2020, archiviert vom Original am 21. Mai 2020; abgerufen am 21. Mai 2020.
  91. a b c World Report 2020: Events of 2019. (PDF; 3,1 MB) (Nicht mehr online verfügbar.) Human Rights Watch, 2020, S. 1–652, archiviert vom Original am 21. Mai 2020; abgerufen am 21. Mai 2020 (englisch, ISBN 978-1-64421-005-5)., Zugriff über Internetseite: " World Report 2020: China’s Global Threat to Human Rights".
  92. a b c „Hightech-Überwachungsstaat“: Human Rights Watch kritisiert „alptraumhaftes Kontrollsystem“ in China. China habe das „übergriffigste öffentliche Überwachungssystem“ aller Zeiten errichtet und arbeite zudem international gegen den Schutz von Menschenrechten. (Nicht mehr online verfügbar.) tagesspiegel.de, 14. Januar 2020, archiviert vom Original am 15. Januar 2020; abgerufen am 21. Mai 2020.
  93. Laura von Daniels: Auswirkungen des US-China-Konflikts auf die multilaterale Ordnung. In: Barbara Lippert, Volker Perthes (Hrsg.): Strategische Rivalität zwischen USA und China: Worum es geht, was es für Europa (und andere) bedeutet (= SWP-Studie. 2020/S 01). Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Februar 2020, ISSN  1611-6372, S. 46–49, doi: 10.18449/2020S01.
  94. Kunal Mukherjee: The Uyghur Question in Contemporary China. In: Central Asian Survey. 34, Nr. 3, 2010, S. 420–435. doi: 10.1080/09700161003659129. Online veröffentlicht am 11. Mai 2010. Mit Verweis auf: Amnesty International, People’s Republic of China, Nr. 37.
  95. a b c d e f Kunal Mukherjee: The Uyghur Question in Contemporary China. In: Central Asian Survey. 34, Nr. 3, 2010, S. 420–435. doi: 10.1080/09700161003659129. Online veröffentlicht am 11. Mai 2010. Mit Verweis auf: Amnesty International, People’s Republic of China, Nr. 37, S. 3.
  96. Klemens Ludwig: Vielvölkerstaat China. In: Verlag C. H. Beck, S. 120.
  97. Alexandra Cavelius: Die Himmelsstürmerin. Chinas Staatsfeindin Nr. 1 erzählt aus ihrem Leben. Heyne, München 2007, ISBN 978-3-453-12082-2, S. 290–295.
  98. Devastating Blows: Religious Repression of Uighurs in Xinjiang. (Nicht mehr online verfügbar.) Human Rights Watch, 11. April 2005, archiviert vom Original am 23. August 2015; abgerufen am 20. Mai 2020 (englisch). Mit Verweis auf: " Terrorist Activities Perpetrated by 'Eastern Turkestan' Organizations and Their Links with Osama bin Laden and the Taliban", 21. November 2001, gepostet auf der offiziellen Homepage der Permanent Mission of the People's Republic of China to the United Nations (abgerufen am 5. Oktober 2003).
  99. cf. Terrorist Activities Perpetrated by "Eastern Turkistan" Organizations and Their Links with Osama bin Laden and the Taliban. (Nicht mehr online verfügbar.) Embassy of the People's Republic of China in the Republic of Estonia, 29. November 2001, archiviert vom Original am 23. Oktober 2011; abgerufen am 21. Mai 2020 (englisch).
  100. Devastating Blows: Religious Repression of Uighurs in Xinjiang. (Nicht mehr online verfügbar.) Human Rights Watch, 11. April 2005, archiviert vom Original am 23. August 2015; abgerufen am 20. Mai 2020 (englisch). Mit Verweis auf: "China Asks Help Against Muslims", Associated Press, 11. Oktober 2001.
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  102. a b c d e f g h i Adrian Zenz: ‘Thoroughly reforming them towards a healthy heart attitude’: China’s political re-education campaign in Xinjiang. In: Central Asian Survey. 38, Nr. 1 (Securitization, insecurity and conflict in contemporary Xinjiang), 2019, S. 102–128. doi: 10.1080/02634937.2018.1507997. Online veröffentlicht am 5. September 2018.
  103. a b c Inselstaat Palau: 200 Millionen Dollar für 17 Guantánamo-Uiguren. (Nicht mehr online verfügbar.) welt.de, 10. Juni 2009, archiviert vom Original am 13. Juni 2009; abgerufen am 22. Mai 2020.
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  105. a b Monika Maier-Albang: Uigurische Guantanamo-Häftlinge: Seltene Einigkeit im Stadtrat. (Nicht mehr online verfügbar.) sueddeutsche.de, 6. Februar 2009, archiviert vom Original am 1. Juni 2010; abgerufen am 22. Mai 2020.
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  107. a b c d e f g h i j "We Are Afraid to Even Look for Them": Enforced Disappearances in the Wake of Xinjiang’s Protests. (PDF; 892 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) Human Rights Watch, 2009, S. 1–44, archiviert vom Original am 2009-10-203; abgerufen am 20. Mai 2020 (englisch, ISBN 1-56432-556-3)., Zugriff über Internetseite: " "We Are Afraid to Even Look for Them": Enforced Disappearances in the Wake of Xinjiang’s Protests", 20. Oktober 2009.
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  109. Kristin Kupfer: Uiguren-Proteste: Falschmeldung mit Folgen (Seite 1). (Nicht mehr online verfügbar.) In: zeit.de. 7. Juli 2009, archiviert vom Original am 7. Juli 2009; abgerufen am 21. Mai 2020., Kristin Kupfer: Uiguren-Proteste: Falschmeldung mit Folgen (Seite 2). (Nicht mehr online verfügbar.) 7. Juli 2009, archiviert vom Original am 9. Juli 2009; abgerufen am 21. Mai 2020.
  110. Peking bereitet nach Xinjiang-Unruhen Prozesse gegen Uiguren vor. In: Der Standard. 25. August 2009, abgerufen am 3. Dezember 2017.
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  116. Video Unruhen in Xinjiang spitzen sich zu (ZDF, 8. Juli 2009) in der ZDFmediathek, abgerufen am 11. Februar 2014. (offline)
  117. Rebecca A. Clothey: ICT and Indigenous Education: Emerging Challenges and Potential Solutions. In: W. James Jacob, Sheng Yao Cheng, Maureen K. Porter (Hrsg.): Indigenous Education: Language, Culture and Identity. Springer, Dordrecht u. a. 2015, ISBN 978-94-017-9354-4, S. 63–75, doi: 10.1007/978-94-017-9355-1.
  118. China: Peking verhängt Todesurteile nach Uiguren-Unruhen. In: DiePresse.com, 15. Oktober 2009.
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  122. Bericht: Sui-Lee Wee, Michael Martina, Li Hui; Bearbeitung: Nick Macfie: China state media blames Syria rebels for Xinjiang violence. (Nicht mehr online verfügbar.) In: reuters.com. 1. Juli 2013, archiviert vom Original am 9. November 2017; abgerufen am 22. Mai 2020.
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  125. a b World Report 2020: Events of 2019. (PDF; 3,1 MB) (Nicht mehr online verfügbar.) Human Rights Watch, 2020, S. 1–652; hier: S. 130–141, archiviert vom Original am 21. Mai 2020; abgerufen am 21. Mai 2020 (englisch, ISBN 978-1-64421-005-5)., Zugriff über Internetseite: " World Report 2020: China’s Global Threat to Human Rights". Auch veröffentlicht als: China: Events of 2019. (Nicht mehr online verfügbar.) Human Rights Watch, archiviert vom Original am 15. Januar 2020; abgerufen am 21. Mai 2020 (englisch).
  126. a b c d China’s Algorithms of Repression - Reverse Engineering a Xinjiang Police Mass Surveillance App. (PDF; 1,3 MB) (Nicht mehr online verfügbar.) Human Rights Watch, 1. Mai 2019, S. 1–71, archiviert vom Original am 27. November 2019; abgerufen am 19. Mai 2020 (englisch, ISBN 978-1-6231-37304)., Zugriff über Internetseite: " China’s Algorithms of Repression - Reverse Engineering a Xinjiang Police Mass Surveillance App", 2. Mai 2019.
  127. a b Alessandra Cappelletti: Socio-Economic Development in Xinjiang Uyghur Autonomous Region: Disparities and Power Struggle in China’s North-West. Palgrave Macmillan (Springer Nature), Singapore 2020, ISBN 978-981-15-1535-4, S. 54, doi: 10.1007/978-981-15-1536-1.
  128. a b c Axel Dorloff: Totalüberwachung der Uiguren: Wie China Muslime kontrolliert. (Nicht mehr online verfügbar.) In: deutschlandfunkkultur.de. 17. September 2018, archiviert vom Original am 17. Oktober 2018; abgerufen am 23. Mai 2020.
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  130. Adrian Zenz: Brainwashing, Police Guards and Coercive Internment: Evidence from Chinese Government Documents about the Nature and Extent of Xinjiang’s “Vocational Training Internment Camps”. In: jpolrisk.com. 7, Nr. 7, Juli 2019. (Online veröffentlicht als: Brainwashing, Police Guards and Coercive Internment: Evidence from Chinese Government Documents about the Nature and Extent of Xinjiang’s “Vocational Training Internment Camps”. (Nicht mehr online verfügbar.) In: jpolrisk.com. 1. Juli 2019, archiviert vom Original am 2. Juli 2019; abgerufen am 22. Mai 2020.)
  131. a b Adrian Zenz: Break Their Roots: Evidence for China’s Parent-Child Separation Campaign in Xinjiang. In: jpolrisk.com. 7, Nr. 7, Juli 2019. (Online veröffentlicht als: Break Their Roots: Evidence for China’s Parent-Child Separation Campaign in Xinjiang. (Nicht mehr online verfügbar.) In: jpolrisk.com. 4. Juli 2019, archiviert vom Original am 5. Juli 2019; abgerufen am 22. Mai 2020.)
  132. a b c Christoph Giesen, Kai Strittmatter: China: Internierungslager für eine Million Uiguren. (Nicht mehr online verfügbar.) In: sueddeutsche.de. 10. September 2018, archiviert vom Original am 5. November 2019; abgerufen am 23. Mai 2020.
  133. a b c d Ma Wen: Provinz Xinjiang: China nennt Umerziehungslager für Uiguren "Berufsbildungszentren". Die Uiguren in Chinas Westen sind Repressalien ausgesetzt. Nun legalisiert Chinas Regierung die Umerziehungslager in Xinjiang. (Nicht mehr online verfügbar.) In: tagesspiegel.de. 18. Oktober 2018, archiviert vom Original am 18. Oktober 2018; abgerufen am 23. Mai 2020.
  134. a b Darren Byler: China’s Nightmare Homestay: In Xinjiang, unwanted Chinese guests monitor Uighur homes 24/7. (Nicht mehr online verfügbar.) In: foreignpolicy.com. 26. Oktober 2018, archiviert vom Original am 26. Oktober 2018; abgerufen am 23. Mai 2020. (erschienen in: Jugend und Bildung, Ausgabe 2 / 2019).
  135. Axel Dorloff: Uiguren in China: Überwachung bis ins Schlafzimmer hinein. (Nicht mehr online verfügbar.) 15. September 2018, archiviert vom Original am 16. September 2018; abgerufen am 23. Mai 2020.
  136. Darren Byler: China: Big Brother im eigenen Haus. Chinas Regierung will die Uiguren im Westen des Landes auf Linie bringen – und schickt dazu Chinesen in deren Dörfer. Einige folgen widerwillig, andere glauben an ihre Erziehungsmission. (Nicht mehr online verfügbar.) In: welt-sichten.org. 27. Januar 2019, archiviert vom Original am 25. Februar 2020; abgerufen am 23. Mai 2020. (Übersetzung aus dem Englischen: Thomas Wollermann).
  137. James A, Millward: Qing and Twentieth-Century Chinese Diversity Regimes. In: Andrew Phillips, Christian Reus-Smit (Hrsg.): Culture and Order in World Politics. Cambridge University Press, Cambridge 2020, ISBN 978-1-108-48497-8, S. 71–92, doi: 10.1017/9781108754613.
  138. Lucas Niewenhuis: China’s re-education camps for a million Muslims: What everyone needs to know. (Nicht mehr online verfügbar.) In: supchina.com. 22. August 2018, archiviert vom Original am 24. August 2018; abgerufen am 22. Mai 2020.
  139. Adrian Zenz: “Wash Brains, Cleanse Hearts”: Evidence from Chinese Government Documents about the Nature and Extent of Xinjiang’s Extrajudicial Internment Campaign. In: jpolrisk.com. 7, Nr. 11, November 2019. (Online veröffentlicht als: “Wash Brains, Cleanse Hearts”: Evidence from Chinese Government Documents about the Nature and Extent of Xinjiang’s Extrajudicial Internment Campaign. (Nicht mehr online verfügbar.) In: jpolrisk.com. 24. November 2019, archiviert vom Original am 24. November 2019; abgerufen am 22. Mai 2020.)
  140. Adrian Zenz: Beyond the Camps: Beijing’s Long-Term Scheme of Coercive Labor, Poverty Alleviation and Social Control in Xinjiang. In: jpolrisk.com. 7, Nr. 12, Dezember 2019. (Online veröffentlicht als: Beyond the Camps: Beijing’s Long-Term Scheme of Coercive Labor, Poverty Alleviation and Social Control in Xinjiang. (Nicht mehr online verfügbar.) In: jpolrisk.com. 10. Dezember 2019, archiviert vom Original am 1. Januar 2020; abgerufen am 22. Mai 2020.)
  141. Axel Dorloff: Chinas kultureller Genozid in Xinjiang. In: Bayern 2, 12. Oktober 2018, abgerufen am 20. November 2018.
  142. Washington: China sperrt Muslime in „Konzentrationslager“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Mai 2019.
  143. Adrian Zenz: Brainwashing, Police Guards and Coercive Internment: Evidence from Chinese Government Documents about the Nature and Extent of Xinjiang’s “Vocational Training Internment Camps”. In: jpolrisk.com. 7, Nr. 7, Juli 2019. (Online veröffentlicht als: Brainwashing, Police Guards and Coercive Internment: Evidence from Chinese Government Documents about the Nature and Extent of Xinjiang’s “Vocational Training Internment Camps”. (Nicht mehr online verfügbar.) In: jpolrisk.com. 1. Juli 2019, archiviert vom Original am 2. Juli 2019; abgerufen am 22. Mai 2020.) Dort mit folgendem Beleg-Verweis: "Chinese: 职业技能教育培训中心把宗教极端思想从那些受到“三股势力”蛊惑的人的头脑中清除出去. Sources: http://www.xjfy.gov.cn/zwxx/001005/20181122/30bbf141-eae2-47e2-b233-b60ce14bbd13.html or http://archive.is/OowEo, or http://www.xj-agri.gov.cn/fslj/43101.jhtml or http://archive.is/THLVC, or http://www.xjkpx.gov.cn/xwzx/xjyw/20181123/i141354.html or http://archive.is/DBEwU, or http://www.xjks.gov.cn/Item/43288.aspx or http://archive.is/XyHq2, or http://www.xuegong.cug.edu.cn/info/1051/6341.htm or https://archive.today/20190609123012/http://www.xuegong.cug.edu.cn/info/1051/6341.htm"
  144. Patrick Zoll: Mit einer App verfolgen die chinesischen Behörden die Menschen in Xinjiang auf Schritt und Tritt. In: Neue Zürcher Zeitung, 4. Mai 2019.
  145. China: Wie Massenüberwachung in Xinjiang funktioniert. Nachkonstruktion von Polizei-App deckt Strategien der Profilerstellung und Überwachung auf. Human Rights Watch, 1. Mai 2019, abgerufen am 19. Mai 2020.
  146. a b Austin Ramzy, Chris Buckley: The Xinjiang Papers: ‘Absolutely No Mercy’: Leaked Files Expose How China Organized Mass Detentions of Muslims. More than 400 pages of internal Chinese documents provide an unprecedented inside look at the crackdown on ethnic minorities in the Xinjiang region. (Nicht mehr online verfügbar.) In: nytimes.com. 16. November 2019, archiviert vom Original am 16. November 2019; abgerufen am 20. Mai 2020 (englisch).
  147. Martin Aldrovandi: Unterdrückung der Uiguren - «Die Echtheit der Dokumente stellt China nicht infrage». (Nicht mehr online verfügbar.) In: srf.ch. 18. November 2019, archiviert vom Original am 19. November 2019; abgerufen am 21. Mai 2020.
  148. a b c d e Adrian Zenz: The Karakax List: Dissecting the Anatomy of Beijing’s Internment Drive in Xinjiang. In: Journal of Political Risk. 8, Nr. 2, Februar 2020. (Online veröffentlicht als: The Karakax List: Dissecting the Anatomy of Beijing’s Internment Drive in Xinjiang. (Nicht mehr online verfügbar.) In: jpolrisk.com. 17. Februar 2020, archiviert vom Original am 17. Februar 2020; abgerufen am 21. Mai 2020.)
  149. a b c China Cables: Geheimpapiere zeigen systematische Verfolgung von Uiguren. Die chinesische Regierung hat Hunderttausende Mitglieder ethnischer Minderheiten zur ideologischen Umerziehung eingesperrt. Vertrauliche Dokumente dazu wurden geleakt. (Nicht mehr online verfügbar.) In: zeit.de. 25. November 2019, archiviert vom Original am 25. November 2019; abgerufen am 20. Mai 2020.
  150. Adrian Zenz: Umerziehung der Uiguren: Wascht Gehirne, reinigt Herzen. In: faz.net. 5. Dezember 2019, abgerufen am 21. Mai 2020.
  151. Adam Withnall: 'Cultural genocide': China separating thousands of Muslim children from parents for 'thought education'. Beijing calls claims about its Xinjiang detention facilities for Uighur Muslims 'fake news'. (Nicht mehr online verfügbar.) In: independent.co.uk. 5. Juli 2019, archiviert vom Original am 5. Juli 2019; abgerufen am 20. Mai 2020.
  152. China-Experte Zenz: "Eine beispiellose Kampagne der Assimilierung". (Nicht mehr online verfügbar.) In: tagesschau.de. 24. November 2019, archiviert vom Original am 24. November 2019; abgerufen am 20. Mai 2020. Auch der ursprüngliche Titel China-Experte Zenz: "Eine beispiellose Kampagne der Assimilierung" dieses Tagesschau-Onlinebeitrags wurde noch im November 2019 in China-Experte Zenz: „Es handelt sich um kulturellen Genozid“ umgeändert (cf. z. B. Webarchiv auf Internet Archive vom 27. November 2019).
  153. Anand Ram, Adam Miller, Adrienne Arsenault, Frédéric Zalac: The China Cables: Secret documents reveal systematic plan to detain and indoctrinate Muslim minority in western China. Communist Party files instruct officials to 'prevent escape' from Uighur re-education camps. In: cbc.ca. 24. November 2019, abgerufen am 23. Mai 2020.
  154. Fergus Shiel: About the China Cables Investigation. China Cables is an investigation into the surveillance and mass internment without charge or trial of Uighurs and other Muslim minorities in China’s Xinjiang province, based on leaked classified Chinese government documents. (Nicht mehr online verfügbar.) In: icij.org. 23. November 2019, archiviert vom Original am 24. November 2019; abgerufen am 23. Mai 2020 (englisch).
  155. Colm Keena: China Cables: ‘The largest incarceration of a minority since the Holocaust’. (Nicht mehr online verfügbar.) In: irishtimes.com. 24. November 2019, archiviert vom Original am 24. November 2019; abgerufen am 23. Mai 2020 (englisch).
  156. a b Ivan Watson, Ben Westcott: Watched, judged, detained. Leaked Chinese government records reveal detailed surveillance reports on Uyghur families and Beijing's justification for mass detentions. (Nicht mehr online verfügbar.) In: edition.cnn.com. 2020, archiviert vom Original am 17. Februar 2020; abgerufen am 23. Mai 2020 (englisch).
  157. Unterdrückung von Uiguren in Xinjiang: Ein Gebet, ein Bart oder ein Schleier reichen China als Haftgrund. China steckt Hundertausende Uiguren in Umerziehungslager. Eine geheime Gefangenenliste offenbart, wie willkürlich die Obrigkeit dabei vorgeht. (Nicht mehr online verfügbar.) tagesspiegel.de, 18. Februar 2020, archiviert vom Original am 19. Februar 2020; abgerufen am 21. Mai 2020.
  158. a b Helena Kaschel (mit Jens Thurau, Esther Felden, Andreas Becker): DW Investigation: #KarakaxList: Kritik an europäischer China-Politik. Berichte der DW und anderer Medien enthüllen, mit welcher Willkür Peking muslimische Uiguren in Xinjiang verfolgt. Menschenrechtler und Politiker fordern nun einen härteren Kurs Deutschlands und Europas gegenüber China. (Nicht mehr online verfügbar.) In: dw.com. 19. Februar 2020, archiviert vom Original am 20. Februar 2020; abgerufen am 21. Mai 2020.
  159. Xie Wenting und Baiyunyi: ‘East Turkistan’ forces make up ‘Karakax list’. Scholar hypes report to smear China’s policies in Xinjiang: officials. (Nicht mehr online verfügbar.) In: globaltimes.cn. 23. Februar 2020, archiviert vom Original am 23. Februar 2020; abgerufen am 21. Mai 2020.
  160. Cf. Colin Mackerras: Ethnic minority languages and cultures. In: Xiaowei Zang (Hrsg.): Handbook on Ethnic Minorities in China (= Handbooks of Research on Contemporary China series). Edward Elgar Publishing, Cheltenham & Northampton 2016, ISBN 978-1-78471-735-3, Chapter 10, S. 214–239, doi: 10.4337/9781784717360.00017. DOI des Sammelwerks: https://doi.org/10.4337/9781784717360.

Anmerkungen

  1. Für die englischsprachige Literatur ist zu beachten, dass die Schreibweise des Ethnonyms für die Uiguren in offiziellen chinesischen Texten „Uygur“ lautet, während die uigurische Diaspora die Schreibweise „Uyghur“ verwendet. Als neutralere Schreibweise wurde auch „Uighur“ vorgeschlagen. (Quelle: Colin Mackerras: Xinjiang in China’s Foreign Relations: Part of a New Silk Road or Central Asian Zone of Conflict?. In: East Asia. 32, Nr. 1, 2015, S. 25-42. doi: 10.1007/s12140-015-9224-8.)
  2. a b c Das als „Turkestan“ (persisch: Land der Türken) im Sinne einer Bezeichnung für die zentralasiatischen Länder im Norden des modernen Persien und Afghanistan begrifflich gefasste Territorium unterlag im Laufe der Geschichte und abhängig vom Standpunkt des Verwenders einigen Wandlungen. In der Literatur und insbesondere in Reiseaufzeichnungen wurde üblicherweise zwischen dem russischen, dem chinesischen und dem afghanischen Turkistan eingeteilt, während manche eine Einteilung in West- und Ostturkestan vornahmen. Anfang des 20. Jahrhunderts war nach Ende des zaristischen Russlands ein gemeinsames Gefühl der Einheit Turkestans gewachsen und es kam 1917 zur Gründung des (nach dem Khanat Chiwa) zweiten unabhängigen Staates Zentralasiens, dem ethnienübergreifenden Staat Turkistan Äwtanam Hukumäti (sogenannte Kokand-Autonomie). Der bolschewistischen Führung in Moskau, die gegenüber jeder ethnischen, tribalen oder lokalen Organisation feindlich gestimmt war, gelang es schnell, dieser Entwicklung gegenzuwirken und durch geschicktes Ausspielen der verschiedenen ethnischen Gruppen gegeneinander, die Gründung der nach ethnischen Einheiten unterteilten Sowjetrepubliken in den 1920er Jahren zu bewirken. Der Begriff „Turkestan“ verschwand aus der Presse und wurde von Stalins Zensoren jahrzehntelang als Name und Konzept verboten, so dass es den Zentralasiaten nicht möglich war, ihre eigene Identität selbst zu bestimmen. (Quelle: W. Barthold-[C. E. Bosworth]: Turkistan. In: P. J. Bearman, Th. Bianquis, C. E. Bosworth, E. van Donzel & W. P. Heinrichs (Hrsg.): The Encyclopaedia of Islam. New Edition. 10 („T-U“). Brill, Leiden 2000, ISBN 90-04-12761-5, S. 679–680.).
  3. Die Region war im Laufe der Geschichte unter vielen verschiedenen Namen bekannt, unter anderem als Turkestan, Ostturkestan, Chinesisch-Turkestan, Uighurstan, Innerasien und Provinz Xinjiang. (Quelle: Barbara A. West: Encyclopedia of the peoples of Asia and Oceania. Facts On File / Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 848. Cf. W. Barthold-[C. E. Bosworth]: Turkistan. In: P. J. Bearman, Th. Bianquis, C. E. Bosworth, E. van Donzel & W. P. Heinrichs (Hrsg.): The Encyclopaedia of Islam. New Edition. 10 („T-U“). Brill, Leiden 2000, ISBN 90-04-12761-5, S. 679–680. Cf. Cyril Glassé: The concise encyclopædia of Islam: Revised edition. Stacey International, London 2001, ISBN 1-900988-06-2, S. 480.).
  4. „Ostturkestan“ (oder die neuere politische Herrschaft widerspiegelnd: „Chinesisch-Turkestan“) war der gebräuchliche Name für die ausgedehnte Berg-, Wüsten- und Oasenregion östlich und nördlich des Tien-Shan-Gebirges sowie östlich und nördlich des Pamir- und Kunlun-Gebirges, die das Tarim-Becken und die Region Dsungarei im Norden einschließt. (Quelle: W. Barthold-[C. E. Bosworth]: Turkistan. In: P. J. Bearman, Th. Bianquis, C. E. Bosworth, E. van Donzel & W. P. Heinrichs (Hrsg.): The Encyclopaedia of Islam. New Edition. 10 („T-U“). Brill, Leiden 2000, ISBN 90-04-12761-5, S. 679–680.). Während die Bezeichnung „Ostturkestan“ seit dem 19. Jahrhundert in der Wissenschaft gebräuchlich ist und sich bisweilen auch auf westlich ans heutige Xinjiang angrenzende Gebiete ausdehnt, ist die uigurische Entsprechung Shärqiy Türkistan für die uigurisch geprägten Landesteile, aus denen die uigurische Bevölkerung der Provinzhauptstadt Ürümqi zu großen Teilen stammt, in China aus politischen Gründen verboten. (Quelle: Paula Schrode: Islam und religiöse Praxis in Ostturkestan. (Nicht mehr online verfügbar.) tethys.caoss.org (Tehtys – Central Asia Everyday), 12. April 2008, archiviert vom Original am 15. April 2015; abgerufen am 26. Mai 2020.).
  5. Obwohl der Name Hui eine Ableitung vom Namen Uigure ist, bezeichnet er ein Volk, das ethnisch eher den Han-Chinesen als den Turkvölkern zuzuordnen ist und zum größten Teil außerhalb von Xinjang lebt. (Quelle: Cyril Glassé: The concise encyclopædia of Islam: Revised edition. Stacey International, London 2001, ISBN 1-900988-06-2, S. 480.). Aufzeichnungen aus der Dynastie der Nördlichen Song erwähnen den Namen Hui als Kurzform der Gruppe Huihui, den Vorfahren der heutigen Uiguren. Dagegen erhielten die Hui ihren Namen nicht aufgrund von Abstammung, sondern weil sie als Muslime eine ähnliche Religion wie die ebenfalls muslimischen und Huihui genannten Vorfahren der Uiguren hatten. Als Vorfahren der Hui vermutet man hingegen arabische, persische und mongolische Einflüsse. (Barbara A. West: Encyclopedia of the peoples of Asia and Oceania. Facts On File / Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 293.)
  6. In Bezug auf die Antike findet der Name „Uiguren“ oft Verwendung, um die turksprachigen Zentralasiaten, die zur Bewirtschaftung der Oasen um diese herum sesshaft wurden und Städte gründeten, von den Stammesföderationen der Gök-Türken und Oğuzen zu unterscheiden, die größtenteils nomadisch blieben. (Quelle: Barbara A. West: Encyclopedia of the peoples of Asia and Oceania. Facts On File / Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 848. Nachdem sich die Göktürken („Himmelstürken“) in einer ersten Phase (682–742) noch frei durch die mongolische Steppe gestreift waren, wurde in der darauffolgenden Phase (742–840) die Sedentarisation durch Heirat der Vornehmen mit chinesischen Frauen und der Handel mit China über Kamel- Karawanen eingeleitet. Nachdem die Uiguren Stadtbewohner, Kaufleute und Osasenbauern geworden waren, verlor die Steppe mit der Zeit an Bedeutung und die als heilig verehrte yayla (Sommerweidegebiet der Nomaden in den Hochländern und Gebirgen) von Otüken wurde von Kirgisen in Besitz genommen. Xavier de Planhol: Kulturgeographische Grundlagen der islamischen Geschichte (= J. van Ess [Hrsg.]: Die Bibliothek des Morgenlandes - Gegründet von G. E. von Grunebaum). Artemis, Zürich & München 1975, ISBN 3-7608-4522-3, S. 23 f. (französisch: Les fondements géographiques de l'histoire de l'islam. Paris 1968. Übersetzt von Heinz Halm).).
  7. Neben diesen turksprachigen Bevölkerungsgruppen lebten auch die nomadischen Mongolen im Norden und Osten, eine tadschikische Gemeinde im Pamir-Gebirge und einige usbekische und tatarische Händler in den großen Oasen. Nachdem die Region von der Qing-Dynastie erobert wurde, kamen Han-Chinesen zur Besiedlung in die Region und die mandschurische Bevölkerung wurde demobilisiert oder dorthin entsandt, um die Kontrolle über den Norden der Provinz und über die chinesischen Muslime ( Hui) zu gewährleisten (Quelle: Rémi Castets: The Uyghurs in Xinjiang – The Malaise Grows: After September 11th 2001, the Chinese regime strove to include its repression of Uyghur opposition within the international dynamic of the struggle against Islamic terrorist networks. In: China Perspectives. 49, 2003, S. 34–48. doi: 10.4000/chinaperspectives.648. Veröffentlicht am 1. Oktober 2003, online seit 17. Januar 2007. Übersetzung aus dem französischen Original: Philip Liddell. Französisches Original: Rémi Castets: Le nationalisme ouïghour au Xinjiang: expressions identitaires et politiques d’un mal-être. Après le 11 septembre 2001, le régime chinois s’est efforcé d’insérer la répression de l’opposition ouïghoure dans la dynamique internationale de lutte contre les réseaux terroristes islamistes. In: Perspectives chinoises. 78, Nr. 1, 2003, S. 34–48.).
  8. a b Während verschiedener Phasen der chinesischen Geschichte haben die dominierenden Han-Chinesen versucht, die gesamte Bevölkerung ihres Landes zu sinisieren. Zu den verschiedenen Techniken, die sie zur Erreichung dieses Ziels angewendet haben, gehörte auch die Umsiedlung chinesischer Familien in die Regionen der ethnischen Minderheiten, das Verbot anderer Sprachen und Kulturen sowie die Missachtung der Rechte und Bräuche der Minoritäten. Allen Methoden zum Trotz hielten die chinesischen Tadschiken an ihrer Kultur und Sprache oder gar an einer allumfassenden tadschikischen Identität fest. (Quelle: Barbara A. West: Encyclopedia of the peoples of Asia and Oceania. Facts On File / Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 776.) Ähnliches gilt für die Uiguren. Die Geschichte hat gezeigt, dass sich die aus Han-Chinesen zusammensetzende Führung der Volksrepublik China sowie die ebenfalls von Han-Chinesen dominierte Regierung auf Provinzebene üblicherweise repressive Mittel anwendet, um etwa ihre Vormachtstellung in Xinjiang zu sichern. (Quelle: Raymond Lee: Muslims in China and their Relations with the State. (PDF; 385 kB) studies.aljazeera.net (Al Jazeera Centre for Studies), 26. August 2015, archiviert vom Original am 1. Juni 2020; abgerufen am 1. Juni 2020. Kilic Kanat: Repression in China and Its Consequences in Xinjiang. hudson.org, 28. Juli 2014, archiviert vom Original am 16. August 2014; abgerufen am 1. Juni 2020.)
  9. Das moderne chinesische Wort Afanti („Betrüger“) entstand durch uigurische Abwandlung aus dem türkischen efendi (hier als Ausdruck der respekterweisenden Ansprache). Als Ependi oder Apandi ist in Zentralasien die Figur des Nasreddin bekannt, die aus der türkischen Tradition stammte, sich in allen Regionen der osmanischen Herrschaft verbreitet und inzwischen Erzählstoff krimtatarischen (Ahmet Akaj), usbekischen ( Navoi) oder kirgisischen (Aldarkösö) Ursprungs eingebunden hat. (Quelle: U. Marzolph: Naṣr al-Dīn K̲h̲od̲j̲a. In: Encyclopaedia of Islam, Second Edition. P. Bearman, Th. Bianquis, C.E. Bosworth, E. van Donzel, W.P. Heinrichs, abgerufen am 30. Mai 2020 (englisch). Erste Online-Veröffentlichung: 2012, Erste Printausgabe: ISBN 978-90-04-16121-4, 1960–2007. DOI: http://dx.doi.org/10.1163/1573-3912_islam_SIM_5842.)