St Paul’s Cathedral Information

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St Paul’s Cathedral (Januar 2010)

Die St.-Pauls-Kathedrale (St Paul’s Cathedral) ist eine Bischofskirche in London. Sie liegt im Stadtbezirk City of London etwa 300 Meter nördlich der Themse und ist Sitz des Bischofs der Diözese London der Church of England. Die St.-Pauls-Kathedrale gehört zu den größten der Welt. Neben der Westminster Abbey gilt sie außerdem als die bekannteste Kirche der britischen Hauptstadt. Der Bau wurde nach 1666 im Stile des klassizistischen Barocks anstelle der beim großen Brand von London zerstörten Kathedrale errichtet.

Geschichte

Vorg√§ngerbau mit dem schon 1561 eingest√ľrzten Turm, Darstellung aus dem 17. Jahrhundert
Old St Paul’s: auch die Kirche brennt 1666, Zeichnung aus dem 17. Jahrhundert

Alte Kathedrale

Am Ort der heutigen St.-Pauls-Kathedrale befand sich wohl schon die erste dem hl. Paulus geweihte Bischofskirche Londons, die 604 von Mellitus aus Holz errichtet worden war. Sie brannte 675 nieder und wurde bereits wenige Jahre sp√§ter in Holz neu errichtet. Nach weiteren Brandsch√§den begannen die Normannen 1087 mit einem Bauwerk, das im Mittelalter durch Br√§nde und Umbauten best√§ndigen Ver√§nderungen unterworfen war. 1300 wurde die Kathedrale geweiht, am Langhaus wurde noch gebaut. Nach Vollendung des Langhauses 1314 war die Kirche eine der gr√∂√üten und h√∂chsten ihrer Zeit: Das Geb√§ude war 181 m lang und 149 m hoch. In der Zeit nach der Regentschaft Heinrichs VIII. begann der Verfall der Kirche. Die Ausstattung wurde teilweise zerst√∂rt, und 1561 fiel der Turm einem Blitzschlag zum Opfer. Danach wurde lediglich ein neuer Portikus errichtet.

Wrens Neubau

Nach dem gro√üen Brand √ľbernahm der Architekt Sir Christopher Wren die Planungen f√ľr den Wiederaufbau der Stadt. F√ľr die Kathedrale plante er 1666 einen gro√üen Zentralbau auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes mit Kuppel, der allerdings als zu radikal und teuer abgelehnt wurde, ebenso die darauffolgenden √úberarbeitungen seines Entwurfs, die zum Bau eines gro√üen Modells im Ma√üstab 1:24 f√ľhrten, dem sogenannten ‚Äěgro√üen Modell‚Äú, das in der Kathedrale gezeigt wird.

Erst ein Entwurf Wrens von 1675 wurde angenommen. Wren plante einen Langbau mit mittiger Vierung, √ľber der er einen hohen Turm vorsah. Nach diesem Plan begann man mit dem Bau, wegen zahlreicher √Ąnderungen blieben jedoch von diesem urspr√ľnglichen Plan praktisch nur die Grundrissma√üe √ľbrig. Statt des Vierungsturmes konnte Wren doch seine Vorstellungen der Kuppel aus den ersten Entw√ľrfen durchsetzen. Der Westportikus, der Hauptzugang zur Kathedrale, wurde erst nach 1703 geplant und bis zur Vollendung der Kathedrale 1708 mit zwei Uhrt√ľrmchen bekr√∂nt.

Die St.-Pauls-Kathedrale ist h√§ufig ein Schauplatz wichtiger staatlicher Zeremonien und √∂ffentlicher Ereignisse: vom Staatsbegr√§bnis 1806 f√ľr Lord Nelson bis zu den Feierlichkeiten des goldenen Thronjubil√§ums K√∂nigin Elisabeths II. im Jahre 2002. 1981 wurden Lady Diana Spencer und Prinz Charles in der Kathedrale getraut. In der Krypta der Kathedrale sind zahlreiche ber√ľhmte Briten beigesetzt oder durch ein Denkmal verewigt worden. Sie geh√∂rt zu den meistbesuchten Sehensw√ľrdigkeiten Londons.

Bauwerk und Ausstattung

Luftbild

Grundriss

Die Kathedrale ist 158 Meter lang und hat eine kreuzf√∂rmige Grundfl√§che, die in Ost-West-Richtung ausgerichtet ist. In der Mitte dieses Kreuzes befindet sich eine Kuppel, auf der sich eine 750 t schwere Laterne befindet, die in 111 Metern H√∂he endet. 111 Meter entsprechen 365 Fu√ü, einen Fu√ü f√ľr jeden Tag des Jahres. Um zum h√∂chsten Aussichtspunkt zu kommen, muss man 528 Stufen steigen.

Kuppel

Wie bei mehrschaligen neuzeitlichen Kuppelkirchen √ľblich, strahlt das Licht indirekt durch das Opaion der inneren Kuppelschale in den Raum. Um die gewaltige Last der Laterne abzuleiten, befindet sich zwischen der √§u√üeren und der inneren Kuppel ein konischer Steinaufbau, der auf den massiven Vierungspfeilern ruht. Immerhin hatte Wren das Ziel, auf der Kathedrale eine gr√∂√üere Laterne als die des Petersdoms zu errichten. An der Kuppelbasis in etwa 30 m H√∂he befindet sich in der Kirche ein ringf√∂rmiger Umgang mit einem Durchmesser von 34 m: das Fl√ľstergew√∂lbe, die Whispering Gallery. Der Schall wird hier durch die gebogenen W√§nde zur Gegenseite reflektiert. Die dort ebenfalls gekr√ľmmte Wand fokussiert den Schall an den innen liegenden Rand der Galerie. Auf diese Weise sind gefl√ľsterte Worte auf der gegen√ľberliegenden Seite zu verstehen.

Chorausstattung

Die Schnitzarbeiten des Chorgest√ľhls stammen von Grinling Gibbons, die schmiedeeisernen Chorschranken von Jean Tijou. Erst 1890 wurden die Glasmosaiken an der Decke √ľber dem Chor von William Blake Richmond fertiggestellt. Der Hochaltar, nach Pl√§nen Wrens gebaut, ist das Werk von Stephen Dykes Bower und Godfrey Allan, die ihn 1958 vollendeten.

Krypta

Unter der Kirche befindet sich eine Krypta, die sich unter der ganzen L√§nge des Hauptschiffes erstreckt. Im Osten befindet sich seit 1960 unterhalb des Chores die Kapelle des Order of the British Empire. Am westlichen Ende des Untergeschosses sind das Dommuseum sowie Einrichtungen f√ľr Besucher der Kathedrale untergebracht. Dazwischen befinden sich zahlreiche Gr√§ber und Denkm√§ler bedeutender Pers√∂nlichkeiten der britischen Geschichte, von denen die monumentalen Sarkophage f√ľr den Duke of Wellington und Admiral Lord Nelson besonders hervorzuheben sind.

Gräber in Saint Paul’s

In der St. Paul's Cathedral wurden viele bedeutende Persönlichkeiten beigesetzt. Unter ihnen sind:

Winston Churchill und Florence Nightingale haben zwar ein Denkmal in der Krypta von St. Paul’s, sind jedoch dort nicht bestattet.

Orgel

Die erste Orgel wurde 1697 von dem Orgelbauer Bernard ‚ÄěFather‚Äú Smith erbaut, einem Immigranten aus Deutschland. Der Prospekt stammt von Wren, mit dem Smith jahrelang um den endg√ľltigen Standort und die Gr√∂√üe der Orgel stritt. Hierbei setzte sich letztlich Wren durch, so dass die Orgel quer zum Raum an die Grenze zwischen Schiff und Chor gestellt wurde, wodurch sie die Funktion eines Lettners bekam. Die Kosten f√ľr das Instrument mit 27  Registern auf drei Manualen beliefen sich auf ca. 2000 Pfund. Die Orgel blieb bis zum Jahre 1830 unver√§ndert; ber√ľhmte Komponisten wie Georg Friedrich H√§ndel und Felix Mendelssohn Bartholdy spielten auf ihr. 1859 wurde die Orgel an die Seite des Chorraumes ger√ľckt, um einen freien Blick auf den Chorraum zu haben.

Im Jahre 1872 wurde durch den Orgelbauer Henry Willis ein neues Instrument gebaut, wobei etwa 200 Pfeifen der Smith-Orgel wiederverwendet wurden und bis heute erhalten sind. Das Orgelgehäuse wurde geteilt und ergänzt. Das neue Instrument hatte nun vier Manualwerke und ein Pedal; die Trakturen waren pneumatisch. Im Laufe der Zeit wurde das Instrument mehrfach erweitert und reorganisiert und mit elektrischen Trakturen ausgestattet.

Von 1972 an wurde die Orgel von der Orgelbaufirma Mander Organs (London) umfassend √ľberarbeitet und erweitert, insbesondere mit Blick auf eine bessere Beschallung des gesamten Kirchenraumes. In diesem Rahmen kamen unter anderem die Trompeten im Westwerk hinzu, die insbesondere zu k√∂niglichen Anl√§ssen ert√∂nen. Fertiggestellt wurden die Arbeiten 1977, anl√§sslich des silbernen Thronjubil√§ums der K√∂nigin. [1] Die Orgel gliedert sich in drei Teile: Die Chancel Section, die Dome Section und die West Section. Alle drei Teile sind vom Hauptspieltisch ansteuerbar. Die Chancel Section, die eigentliche Orgel, steht links und rechts des Altarraums. Die Dome Section steht in der Kuppel und unterst√ľtzt wie die West Section den Gemeindegesang im Kirchenschiff. In der West Section finden sich auch die ber√ľhmten Royal Trumpets in 16‚Ä≤-, 8‚Ä≤- und 4‚Ä≤-Lage. Die Orgel besitzt 105 Register. [2]

I Choir Organ C-c4 (North)
1. Chimney Flute 8′
2. Principal 4′
3. Nason Flute 4′
4. Nazard 223′
5. Fifteenth 2′
6. Blockflute 2′
7. Tierce 135′
8. Larigot 113′
9. Sharp Mixture IV
10. Trumpet 8′
Tremulant
I Choir Organ C-c4 (South)
11. Contra Viola 16′
12. Bourdon 16′
13. Open Diapason 8′
14. Violoncello 8′
15. Dulciana 8′
16. Claribel Flute 8′
17. Principal 4′
18. Gemshorn 4′
19. Flute Harmonique 4′
20. Lieblich Gedact 4′
21. Flageolet 2′
22. Sesquialtera II
23. Corno di Bassetto 8′
Tremulant
II Great Organ C-c4
24. Double Open Diapason 16′
25. Open Diapason I 8′
26. Open Diapason II 8′
27. Stopped Diapason 8′
28. Claribel Flute 8′
29. Quint 513′
30. Principal 4′
31. Flute 4′
32. Twelfth 223′
33. Fifteenth 2′
34. Mixture III 135′
35. Mixture III 45′
36. Fourniture IV 113′
37. Trombone 16′
38. Trumpet 8′
39. Clarion 4′
III Swell Organ C-c4
40. Contra Gamba 16′
41. Open Diapason 8′
42. Lieblich Gedact 8′
43. Salicional 8′
44. Vox Angelica 8′
45. Principal 4′
46. Fifteenth 2′
47. Cornet III 15′
48. Contra Posaune 16′
49. Cornopean 8′
50. Hautboy 8′
51. Vox Humana 8′
52. Clarion 4′
Tremulant
IV Solo Organ C-c4
schwellbar
53. Open Diapason 8′
54. Viola 8′
55. Viola Celeste 8′
56. Fl√Ľte Harmonique 8‚Ä≤
57. Concert Flute 4′
58. Piccolo 2′
59. Corno di Bassetto 8′
60. Cor Anglais 8′
61. French Horn 8
Tremulant
nicht schwellbar
62. Tuba 8′
63. Tuba Clarion 4′
V Dome Section C-c4
64. Double Open Diapason 16′
65. Open Diapason I 8′
66. Open Diapason II 8′
67. Octave 4′
68. Super Octave 2′
69. Quartane II-III
70. Mixture IV
71. Mixture III
72. Contra Posaune 16′
73. Trumpet 8′
74. Double Tuba 16′
75. Tuba 8′
76. Clarion 4′
77. Trompette Militaire 8′
V West Section C-c4
78. Open Diapason 8′
79. Octave 4′
80. Super Octave 2′
81. Mixture IV
82. Royal Trumpet 16′
83. Royal Trumpet 8′
84. Royal Trumpet 4′
Pedal Organ Chancel Section C-g1
85. Open Metal 16′
86. Open Diapason 16′
87. Viola (Nr.11) 16′
88. Bourdon 16′
89. Principal 8′
90. Flute 8′
91. Fifteenth 4′
92. Flute 4′
93. Mixture IV 223′
94. Contra Posaune 32′
95. Ophicleide 16′
96. Posaune 8′
97. Clarion 4′
Pedal Organ Dome Section C-c4
98. Double Open Wood 32′
99. Contra Violone 32′
100. Open Wood (Ext. Nr.98) 16′
101. Open Diapason (Nr.64) 16′
102. Contra Bass 16′
103. Principal 8′
104. Super Octave 4′
105. Fourniture IV
106. Contra Bombarde 32′
107. Bombarde 16′
108. Posaune (Nr.74) 16′
109. Clarion 8′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, IV/I, V/I, IV/II, II/III, IV/III, V/III, III/IV, V/IV, I/P, II/P, III/P, IV/P, V/P
    • Superoktavkoppeln: II/II, IV/IV, IV/P
    • Suboktavkoppeln: II/II, IV/IV,

Geläut

Im Nord-West-Turm der Kathedrale befinden sich zw√∂lf Glocken, die im traditionellen √úberschlag-L√§uten erklingen. Die Glocken wurden 1878 gegossen und durch Spenden von Firmen finanziert. Die kleinste Glocke (der Treble) wiegt ca. 400 Kilogramm; die gr√∂√üte Glocke (der Tenor) wiegt √ľber drei Tonnen.

Daneben befindet sich im Turm die Glocke ‚ÄěThe Banger‚Äú, die im Jahre 1700 von Philip Wightman gegossen wurde. Sie wird regelm√§√üig vor der Eucharistiefeier um 8 Uhr gel√§utet. Im S√ľd-Westturm befinden sich weitere Glocken: zum einen die Glocke Great Paul, die gr√∂√üte Glocke Gro√übritanniens, mit einem Gewicht von 16,5 Tonnen. Au√üerdem h√§ngen dort die Uhrglocken, u. a. die gro√üe Glocke Great Tom aus dem Jahre 1706 mit einem Gewicht von 5 Tonnen. [3]

Weblinks

  Commons: St.-Pauls-Kathedrale ‚Äď Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Klangwelten des Genusses, auf Europe Online Magazine, ver√∂ffentlicht und abgerufen am 4. Juni 2012
  2. ‚ÜĎ Ausf√ľhrlich zur Geschichte und Disposition der Orgel in St. Paul's
  3. ‚ÜĎ N√§here Informationen zu den Glocken und der L√§utetechnik von St. Pauls

Koordinaten: 51¬į 30‚Ä≤ 49‚Ä≥  N, 0¬į 5‚Ä≤ 53‚Ä≥  W