Politische Farbe Information

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Eine politische Farbe ist eine Kennfarbe, die eine bestimmte politische Ausrichtung und damit eine politische Partei (als Parteifarbe) oder Bewegung repräsentieren soll. Auf internationaler Ebene verwenden Parteien mit ähnlichen Ideologien oft dieselben Farben.

Farben in Deutschland

In Deutschland werden von den großen Parteien die folgenden Farben benutzt [1]:

Blau

Die Farbe Blau wird der CSU zugeordnet (neben Schwarz als Teil der Fraktionsgemeinschaft mit der CDU), sowie seit 2013 der Alternative für Deutschland. 2017 gründete die damalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry die blaue Partei und spaltete sich damit von der AfD ab. Auch beim Gesamtdeutschen Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (Dunkelblau), dem Südschleswigschen Wählerverband (blau-gelb) und der Statt Partei galt bzw. gilt Blau als Grundfarbe.

In anderen europäischen Ländern wird Blau fast ausschließlich von liberalen Parteien benutzt, u. a. von der Allianz der Liberalen und Demokraten in Europa. In der Europäischen Union, dem Europarat und den Vereinten Nationen findet Blau Verwendung in der Außendarstellung der jeweiligen Institutionen. So sind die Europa-Flagge (von Europarat und EU) sowie das Symbol der UN in Blau gehalten, da es neben Weiß als Farbe des Friedens gilt.

Braun

In der Weimarer Republik verwendete die nationalsozialistische SA braune Hemden, die anfangs aus Restbeständen der deutschen Schutztruppen in den Kolonien kamen. Die NSDAP benutzte das nationalistische Schwarz-Weiß-Rot, ihre Flagge wurde zur Nationalflagge des Deutschen Reiches.

Rechtsextreme Parteien in der Bundesrepublik Deutschland wie DVU, NPD und Republikaner verwenden, oder verwendeten, selbst kein Braun, sondern Rot (NPD) oder Schwarz-Rot-Gelb (DVU, Republikaner), werden aber aus historischen Parallelen dennoch mit der Farbe Braun assoziiert. Eine „braune Ideologie“ oder „braune Gesinnung“ steht in der Gegenwart umgangssprachlich-salopp für eine nationalsozialistische oder dem Nationalsozialismus ähnliche politische Einstellung.

Die Satirepartei Die PARTEI spielt auch mit der schwarz-weiß-roten Symbolik.

Gelb

Die Farbe Gelb wurde früher in Europa, im Gegensatz zu anderen Kulturen, mit sozial Randständigen und Geächteten in Verbindung gebracht. Zum Beispiel mussten Prostituierte ein gelbes Kopftuch tragen oder Frauen mit unehelichen Kindern gelbe Kleidung. Während des Kaiserreiches und der Weimarer Republik galt die Farbe Gelb in Deutschland als „Farbe der Verräter“. [2] Die sogenannten Werksgemeinschaften wurden mit dieser Farbe diskreditiert (vgl. Volksgemeinschaft#Im Deutschen Kaiserreich). [3] Auch der Judenstern war in Gelb gehalten.

Bereits im 19. Jahrhundert war Gelb oder Gold als Farbe des Liberalismus etabliert (in Deutschland siehe das stark national geprägte Schwarz-Rot-Gold). Seit der Landtagswahl in Baden-Württemberg 1972 wird Gelb in Deutschland politisch von der Freien Demokratischen Partei (Freie Demokraten, FDP) als Parteifarbe genutzt. [1]

Grün

Auch in Deutschland wird die Farbe Grün der „ grünen“ Partei Bündnis 90/Die Grünen zugeordnet. Zurückzuführen ist dies auf die Assoziation von Farbe mit Natur und Vegetation.

Orange

Konrad-Adenauer-Haus (Berlin) Flaggen.jpg

Die Farbe Orange ist historisch weitgehend unbelastet. Sie tritt aber erst seit einiger Zeit auf der politischen Ebene stärker in den Vordergrund. So führte die CDU die Farbe Orange als Leitfarbe während der Europawahl 2004 ein. Die Farbe etablierte sich, sodass beispielsweise die Fahnen vor dem Konrad-Adenauer-Haus in Berlin seit längerer Zeit in Orange wehen. Sie soll Urlaub, Sonne und Energie symbolisieren und eignet sich laut eigenen Aussagen sehr als weitere Leitfarbe neben Schwarz.

Neben der CDU wird die Farbe Orange zunehmend mit der Piratenpartei Deutschland in Verbindung gebracht (gegründet 2006). Das Logo der Partei enthält zu großem Teil diese Farbe. Als „native“ Parteifarbe hat auch die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) Orange gewählt. Auch die Familien-Partei verwendet Orange als Parteifarbe. Teilweise wird auf kommunaler Ebene oder durch einzelne Vertreter politischer Gruppen der Freien Wähler, die keine offizielle Farbe haben, auf Orange als Unterscheidungsmerkmal verwiesen (vgl. auch Bundesverband Freie Wähler Deutschland).

Rot

Die Farbe Rot ist schon seit langer Zeit ein Zeichen für Anspruch auf Herrschaft. Sie wurde zum ersten Mal als Zeichen der Emanzipation auf den Mützen der Jakobiner während der französischen Revolution im 19. Jahrhundert benutzt. Arbeiter der Seidenindustrie demonstrierten in roten Farben bei den Arbeiteraufständen von Lyon. In Deutschland fand die rote Flagge im Revolutionsjahr 1848 zum ersten Mal Gebrauch, wurde jedoch mit der Zeit von der schwarz-rot-goldenen Flagge als, stark national geprägtes, Emanzipationssymbol abgelöst.

Seit 1863 war Rot die Farbe des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins und später Traditionsfarbe der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Während des Verbotes der SPD gingen staatliche Behörden gegen rote Fahnen und Banner strafrechtlich vor. Nach dem Ersten Weltkrieg benutzte die SPD die Farbe rot nur noch intern, da der aufflammende Kommunismus, von dem sich die SPD distanzierte, mit dieser Farbe in Verbindung gebracht wurde. In der vom Kommunismus geprägten DDR gehörten rote Banner zum Alltag. Aufgrund dessen wurde die Farbe Rot in der Bundesrepublik, auch wegen der nationalsozialistischen Vergangenheit, nur noch dezent eingesetzt.

Derzeit gebrauchen Die Linke (außer im Logo) und die SPD bevorzugt die Farbe Rot für ihre Außendarstellung. Die CDU benutzt Rot für ihren Schriftzug, der laut Marketinganalysen zu einem festen Markenzeichen geworden ist.

Violett

Als „spirituelle“ Farbe hat Violett eine lange Tradition als christliche liturgische Farbe.

Die Kleinpartei Die Violetten – für spirituelle Politik führt die Farbe im Namen. Des Weiteren nutzt die Partei Volt Violett in ihrem Logo. [4] In der internationalen Frauenbewegung wird die Farbe traditionell oft verwendet.

Schwarz

In der Vergangenheit hatte die Farbe Schwarz mehrere politische Bedeutungen. So war der schwarze Stern seit Beginn der Neuzeit Symbol für den Anarchismus.

Ebenso nutzten faschistische Bewegungen in Italien Schwarz und schwarze Hemden als einheitliches Symbol.

Derzeit wird in Deutschland unter den „ Schwarzen“ die Christlich Demokratische Union Deutschlands beziehungsweise deren Sympathisanten verstanden. Die CSU wird in der Fraktionsgemeinschaft oft gemeinsam mit der CDU in Schwarz dargestellt.

Priests rome.jpg

Die Farbe Schwarz wurde nicht von der CDU selbst bestimmt, sondern von politischen Gegnern zugewiesen. Da der Konservatismus aus dem christlichen Milieu stammte und so mit Priestern, die die Farbe Schwarz trugen, in Verbindung gebracht wurde, etablierte sich die Farbe. Aus diesem Grund benutze die CDU schwarz für ihre Außendarstellung nur noch selten. Die Jugendorganisation der Partei, die Junge Union (JU), begann jedoch 2004, ein Markenzeichen aus der Farbe Schwarz aufzubauen, indem sie eine große Kampagne mit dem Slogan Black is beautiful starteten. Die Farbe Schwarz steht neben Trauer und Depressionen für Stärke und Kraft, jenen beiden Eigenschaften, mit denen sich die Christdemokratische Partei Deutschlands identifizieren möchte.

Farben von Parteien anderer Länder

Australien

Belgien

Volksrepublik China

Dänemark

Finnland

Frankreich

Griechenland

Indien

Irland

Italien

Kanada

Kroatien

Luxemburg

Mexiko

Neuseeland

Niederlande

Nordmazedonien

Norwegen

Österreich

Polen

Portugal

Rumänien

Schweden

Schweiz

Spanien

Türkei

Ukraine

Vereinigte Staaten

Vereinigtes Königreich

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Farben als Wegweiser in der Politik. Bundeszentrale für politische Bildung (BPB), abgerufen am 23. Oktober 2016
  2. Eva Heller: Wie Farben wirken. Farbpsychologie, Farbsymbolik, kreative Farbgestaltung. Reinbek bei Hamburg 2004, S. 141. ISBN 978-3499619601
  3. Arnold Rabbow: dtv-Lexikon politischer Symbole, dtv Verlag
  4. Volt's Visual Identity. Abgerufen am 5. August 2019 (englisch).
  5. Geschicht: Schatten- und Sonnenseiten: die Wahlen 1999 und 2004. Parteiwebsite, Version im Google-Cache vom 16. August 2014