Lloyd’s of London Information

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Logo von Lloyd’s of London
Lloyd’s Building, London (im Vordergrund, mit den blauen KrĂ€nen)

Lloyd’s of London mit Sitz in London ist ein internationaler Versicherungsmarkt. Im Gegensatz zu den Konkurrenten im Versicherungs- und RĂŒckversicherungsgeschĂ€ft ist Lloyd’s of London keine Firma oder Kapitalgesellschaft, sondern eine Börse, an der mit Versicherungen gehandelt wird.

Lloyd’s of London steht abgesehen von den gemeinsamen AnfĂ€ngen in Lloyd’s Kaffeehaus in keiner Verbindung zu Lloyd’s Register of Shipping, einem Schiffsregister und einer Klassifikationsgesellschaft.

Geschichte

Der Anfang von Lloyd’s war ein Kaffeehaus, welches von Edward Lloyd (erstmals erwĂ€hnt in einer Anzeige in der London Gazette vom 18. Februar 1688) [1] zuerst in der Londoner Tower Street, dann in der Lombard Street gefĂŒhrt wurde. Wie andere KaffeehĂ€user wurde Lloyd’s zum Treffpunkt von GeschĂ€ftsleuten, darunter solchen, die bereit waren, Risiken im Bereich der Schifffahrt abzudecken. Es wurde zur Gepflogenheit, einen Versicherungsgeber im Kaffeehaus zu suchen, da dort mehr als ein Anbieter zu finden war. Dies wurde umso attraktiver, als 1720 durch Rechtevergabe ein faktisches Monopol im Bereich der Versicherungsunternehmen entstand und so private Versicherungsgeber eine wichtige Alternative wurden. Edward Lloyd starb 1713, das Kaffeehaus bestand unter dem Namen Lloyd’s weiter.

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Lloyd’s zu einem Zentrum fĂŒr private Versicherungen. Um 1811 begann die Umwandlung des Kaffeehauses in eine Gesellschaft, so wurden z. B. Agenturen gegrĂŒndet und ihre Aufgaben festgelegt. Von 1774 bis 1928 residierte Lloyd’s in der Royal Exchange. 1871 wurde der GeschĂ€ftsbetrieb von Lloyd’s of London gesetzlich geregelt (Lloyd’s Act). Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem individuellen Engagement der Versicherungsgeber.

Seit 1928 befindet sich der Sitz der Institution in eigenen HĂ€usern. Das aktuelle, 1978 bis 1986 errichtete GebĂ€ude ist eine Schöpfung des Architekten Richard Rogers. Der von Robert Adam gestaltete Committee Room im 11. Stock stammt allerdings aus dem Jahr 1763. Er wurde Stein fĂŒr Stein in das futuristische Hochhaus von Rogers transferiert.

Lloyd’s als Versicherungsmarkt

Vertragspartner

Auf der einen Seite stehen die Versicherungsnehmer, ursprĂŒnglich ausschließlich Schiffseigner, die fĂŒr ein Risiko – z. B. den Fall eines Schiffsuntergangs – PrĂ€mien bezahlen. Auf der anderen Seite stehen die Names, quasi die Versicherungsgeber. Tritt der vertraglich definierte Schadensfall ein, sinkt also beispielsweise ein ĂŒber Lloyd’s versichertes Schiff, werden die Versicherungsnehmer aus dem Privatvermögen der Names bis zur vertraglichen Höhe entschĂ€digt.

Als Names bezeichnet man die Investoren im VersicherungsgeschĂ€ft. Sie verpfĂ€nden ihr Privatvermögen (haften also persönlich, daher die Bezeichnung) in bestimmter Höhe fĂŒr bestimmte Risiken, z. B. einzelne Schiffe. Der Vorteil dieses Investments besteht darin, dass die Names ihr Risikokapital – solange der Schadensfall nicht eintritt – weiterhin nutzen können: Immobilien können neben den VersicherungsprĂ€mien weiterhin Mieteinnahmen erbringen, Barvermögen kann weiterhin angelegt werden.

Kodex

Ein Kodex soll die AnsprĂŒche beider Seiten schĂŒtzen: Die Names mĂŒssen auch im Schadensfall vor Verarmung geschĂŒtzt sein, die AnsprĂŒche der Versicherungsnehmer dĂŒrfen nicht durch ParallelgeschĂ€fte der Names gefĂ€hrdet werden. UrsprĂŒnglich geschah dies durch eine gesellschaftliche Auslese: Names mussten ein Barvermögen in ausreichender Höhe besitzen.

Durch die gestiegene Nachfrage nach Versicherungen im 20. Jahrhundert wurden die Regeln komplizierter; theoretisch konnte bald jeder zum Name werden. Ein Kodex aus Regeln zum Schutz beider Seiten entstand: Das eigene Haus wird von Lloyd’s nur als Sicherheit akzeptiert, wenn der Name auch im Schadensfall vor Obdachlosigkeit geschĂŒtzt ist. Auf der anderen Seite darf der Name Sicherheiten wie Barvermögen nicht durch hochriskante Spekulation gefĂ€hrden.

Syndikate

Innerhalb von Lloyd’s wurde das GeschĂ€ft auf zahlreiche Syndikate aufgeteilt, die wie konkurrierende Versicherungsgesellschaften nebeneinander agieren. Um Kompetenzzentren zu bilden, haben sich die Syndikate auf Gebiete wie Luftfahrt, Schiffe, GebĂ€udeversicherungen, RĂŒckversicherungen etc. spezialisiert.

Im Sinne der Diversifikation haben Names ihr Vermögen bei unterschiedlichen Syndikaten fĂŒr unterschiedliche Projekte verpfĂ€ndet. Gleichzeitig erforderten hohe Risikosummen (wie bei milliardenteuren Bohrinseln), die durch die Names einzelner Syndikate nicht abgedeckt werden konnten, komplexe Ketten von RĂŒckversicherungsvertrĂ€gen zwischen Syndikaten, so dass die Names nicht mehr nachvollziehen konnten, fĂŒr welche Risiken sie hafteten.

Als die Bohrinsel Piper Alpha nach einem Feuer im Jahr 1988 als Totalverlust verbucht werden musste, zeigte sich der Reformbedarf bei Lloyd’s: Die bestehende Kette von RĂŒckversicherungen fĂŒhrte dazu, dass die Gesamtheit der Syndikate infolge des UnglĂŒcks ein Mehrfaches des tatsĂ€chlichen Schadens abschreiben musste. Der Großschaden fĂŒhrte auch zu einer ÜberprĂŒfung der teilweise veralteten Verfahren bei Lloyd’s. So waren bis dahin VersicherungsverhĂ€ltnisse noch handschriftlich in die BĂŒcher eingetragen worden, was die Transparenz herabsetzte.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ Lloyds Register of Shipping (Hrsg.): Annals of Lloyd's Register – Being a Sketch of the Origin, Constitution, and Progress of Lloyd’s Register of British & Foreign Shipping. 1. Auflage. Lloyds Register of Shipping, London 1884 (S. 3).