L’Anse Amour Site Information

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Eine Tafel erlÀutert auf Englisch und Französisch die Bedeutung der Nationalen Historischen StÀtte

Die L'Anse Amour Site (nach dem Borden-System (EiBf-4)) ist eine archĂ€ologische FundstĂ€tte im sĂŒdlichen Labrador in der kanadischen Provinz Neufundland und Labrador. Nahe der namengebenden kleinen Ansiedlung L’Anse Amour an der Strait of Belle Isle wurde 1974 das bisher Ă€lteste, rund 7500 Jahre alte Grab Nordamerikas ausgegraben. [1] Es barg ein 12 bis 13 Jahre altes Kind, das erkennbar unter aufwĂ€ndigen Zeremonien beigesetzt wurde. Zudem fand sich hier die Ă€lteste Harpune Nordamerikas und der frĂŒheste Nachweis fĂŒr die Jagd auf Wale.

Ausgrabung

1973 wurden die ArchĂ€ologen James Tuck und Robert McGhee von der Memorial University of Newfoundland auf einen SteinhĂŒgel an einem Sandstrand aufmerksam. Dieser lag an der schmalsten Stelle der atlantischen Wasserstraße, die Labrador und Neufundland trennte, der Belle-Isle-Straße.

In dem runden GrabhĂŒgel ( Mound) aus Erde, die mit etwa 300 Steinen durchsetzt war, fanden sie den spĂ€ter auf ein Alter von 7500 Jahren Before Present (~ 5550 v. Chr.) datierten Leichnam eines Kindes. Sein Alter wurde auf 12 bis 13 Jahre geschĂ€tzt. Der HĂŒgel lag 28 m ĂŒber dem Meeresspiegel und hatte mehr als 8 m Durchmesser und eine Höhe von etwa einem Meter. In der Mitte des HĂŒgels befand sich eine zweite Schicht aus Steinen, die einen Durchmesser von 4 m aufwies. [2]

Das Kind war mit dem Gesicht abwĂ€rts und nach Westen gerichtet in einer 1,6 m tiefen Grube unter dem HĂŒgel beigesetzt worden. An Grabbeigaben wurden eine Flöte aus Vogelknochen, ein StĂ¶ĂŸel aus Bein, der zum Zerkleinern von HĂ€matit benutzt worden war, die Ă€lteste bekannte Spitze einer Harpune Nordamerikas, ebenfalls aus Bein, und eine Projektilspitze aus Hornstein gefunden. Die Harpune war vom Typ der sogenannten toggling harpoon, bei der die Spitze nicht nur durch einen Riemen gehalten wird, sondern abbricht und im Körper des Tieres verbleibt, wĂ€hrend der Schaft wieder verwertet werden kann. Die Spitze bleibt durch den Riemen entweder mit dem Schaft oder dem Fischer verbunden. Ist der Drehpunkt zur LĂ€ngsachse der Waffe versetzt, dann stellt sich die Spitze infolge des Zuges, den der Riemen ausĂŒbt, quer und die Spitze wirkt wie ein Anker.

Der Leichnam des Kindes war mit rotem Ocker aus gestampftem HĂ€matit bestreut und mit einem flachen Stein abgedeckt worden. Im Rahmen der Beisetzung und des Baus des HĂŒgels, an dem die JĂ€gergruppe etwa eine Woche gearbeitet haben muss, wurden um die Grube Speisen zubereitet. Spuren der Feuerstellen fanden sich. FischgrĂ€ten sind als Reste erhalten, außerdem wurde der Stoßzahn eines Walrosses gefunden. [3] [4] Schließlich fand sich ein Artefakt, das als Bannerstone bezeichnet wurde. [5]

Einordnung

Grab und Funde werden der Maritime Archaic Tradition aus der Archaischen Periode zugeordnet. [6] Das Grab von L'Anse Amour ist der Ă€lteste Fund der Kultur, die sich kurz zuvor die KĂŒste entlang nach Norden ausgebreitet hatte und um 4050 v. Chr. ihre grĂ¶ĂŸte Ausdehnung bis weit ĂŒber die Waldgrenze hinaus in die Tundren erreichte. Ab 2050 v. Chr. wurden sie von Norden wieder verdrĂ€ngt durch die nach SĂŒden vorrĂŒckenden PalĂ€o-Eskimos, die die Maritime Archaic Tradition um 1250 v. Chr. völlig ersetzten.

Der Harpunenfund weist darauf hin, dass die Jagd auf Wale bereits bis in diese Zeit zurĂŒckreicht. Damit ist der Fund, der sich auf 7530 +- 140 BP datieren ließ, um weniges Ă€lter als ein Ă€hnlicher Fund in Japan (Higashikushiro), der auf etwa 7130 Jahre BP datiert werden konnte. Die dortige Jagdwaffe wies große Ähnlichkeit mit der in Labrador auf, was wiederum Diskussionen ĂŒber mögliche Beziehungen zwischen den JĂ€gern am Westrand des Pazifiks und denen am Westrand des Atlantiks auslöste. [7]

Nationale Historische StÀtte

Der HĂŒgel wurde nach der Ausgrabung rekonstruiert und ist als National Historic Site ausgewiesen, die Artefakte werden im Labrador Straits Museum im nahe gelegenen L’Anse au Loup ausgestellt.

Literatur

  • Robert McGhee: The Burial at L'Anse-Amour, Ottawa 1976 bzw. La sĂ©pulture de l'Anse-Amour, 1979.
  • James Tuck: Early Cultures on the Strait of Belle Isle, Labrador, in: Annals of the New York Academy of Sciences 288 (1977) 472–480.
  • James Tuck: Maritime Archaic Tradition. In: Guy Gibbon: Archaeology of Prehistoric Native America, New York, Garland Publishing, 1998, ISBN 0-8153-0725-X.
  • James A. Tuck, Robert Mcghee: Archaic Cultures in the Strait of Belle Isle Region, Labrador, in: Arctic Anthropology 12,2, Papers from a Symposium on Moorehead and Maritime Archaic Problems in Northeastern North America (1975), S. 76–91.
  • Robert McGhee, James A. Tuck: An Archaic Sequence from the Strait of Belle Isle, Labrador, Ottawa: National Museums of Canada, 1975.

Siehe auch

Weblinks

Anmerkungen

  1. ↑ Barbara Ann Kipfe: Encyclopedic Dictionary of Archaeology, New York 2000, S. 298.
  2. ↑ Johan Jelsma: A Bed of Ochre. Mortuary Practices and Social Structure of a Maritime Archaic Indian Society at Port au Choix, Newfoundland, Groningen, 2000, S. 15.
  3. ↑ L’Anse Amour Site (englisch, französisch) In: The Canadian Encyclopedia. Abgerufen am 21. August 2016.
  4. ↑ Labrador Straits Museum: L'anse Amour Burial Mound (abgerufen am 29. April 2019)
  5. ↑ Bulletin of the Massachusetts Archaeological Society 64/65 (2003) S. 50.
  6. ↑ James A. Tuck: The Maritime Archaic Tradition, Museums Notes, Newfoundland and Labrador Museum The Rooms, 1991
  7. ↑ Serge Jaumain, Marc Maufort (Hrsg.): The Guises of Canadian diversity. New European perspectives / Les masques de la diversitĂ© canadienne. Nouvelles perspectives europĂ©ennes, Amsterdam, Atlanta 1995, S. 188.

Koordinaten: 51° 28â€Č  N, 56° 52â€Č  W