Energiewende nach Staaten Information

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Der Artikel Energiewende nach Staaten beschreibt die globalen Bemühungen zur Transformation des bestehenden fossil- nuklearen Energiesystems hin zu einem nachhaltigen Energiesystem auf Basis erneuerbarer Energien (EE). Diese Energiewende etabliert sich seit einigen Jahren in vielen Industriestaaten und Schwellenländern, wobei sich die jeweilige politische Herangehensweise teilweise deutlich unterscheidet.

Motivation und Hintergrund der Energiewende

Windkraftanlagen und Photovoltaikanlagen sind die wichtigsten Energiewandler eines zukünftigen regenerativen Energiesystems.

Als Energiewende wird der Übergang von der nicht-nachhaltigen Nutzung von fossilen Energieträgern sowie der Kernenergie zu einer nachhaltigen Energieversorgung mittels erneuerbarer Energien bezeichnet. [1] Ziel der Energiewende ist es, die von der Energiewirtschaft verursachten ökologischen und gesellschaftlichen Probleme auf ein Mindestmaß zu verringern und die dabei anfallenden, bisher im Energiemarkt kaum eingepreisten externen Kosten vollständig zu internalisieren. Von besonderer Bedeutung ist angesichts der maßgeblich vom Menschen verursachten globalen Erwärmung heutzutage die Dekarbonisierung der Energiewirtschaft durch Ende der Nutzung von fossilen Energieträgern wie Erdöl, Kohle und Erdgas. Ebenso stellen die Endlichkeit der fossilen Energieträger sowie die Gefahren der Kernenergie wichtige Gründe für die Energiewende dar. [2] Die Lösung des globalen Energieproblems gilt als zentrale Herausforderung des 21. Jahrhunderts. [3]

Die Energiewende umfasst alle drei Sektoren Strom, Wärme und Mobilität, ferner auch die perspektivische Abkehr von den fossilen Rohstoffen bei deren stofflicher Nutzung etwa in der Kunststoff- oder Düngerproduktion. Ein mit der Energiewende verbundener Kohleausstieg und Ölausstieg muss auch bedeuten, dass wesentliche Mengen der vorhandenen Energieträger im Boden verbleiben müssen. [4] Kernelemente der Wende sind der Ausbau der erneuerbaren Energien, die Steigerung der Energieeffizienz sowie die Realisierung von Energieeinsparmaßnahmen. Zu den erneuerbaren Energien zählen Windenergie, Sonnenenergie ( Solarthermie, Photovoltaik), Meeresenergie, Bioenergie, Wasserkraft und Erdwärme. Darüber hinaus kommt der Elektrifizierung des Wärmesektors und des Verkehrswesens mittels Wärmepumpen und Elektromobilität eine wichtige Rolle zu. Der Übergang weg von konventionellen Brennstoffen und hin zu erneuerbaren Energien ist in vielen Staaten der Welt im Gang. Sowohl die Konzepte als auch die dafür erforderlichen Technologien sind bekannt. [5] Aus rein technischer Sicht wäre eine vollständige weltweite Energiewende bis ca. 2030 möglich, u. a. politische und praktische Probleme lassen jedoch erst eine Umsetzung bis 2050 möglich erscheinen, wobei das Fehlen politischen Willens als größte Hürde erachtet wird. [6] [7] Sowohl auf globaler Ebene als auch für Deutschland kamen Studien zu dem Ergebnis, dass die Energiekosten in einem regenerativen Energiesystem auf gleichem Niveau wie in einem konventionellen fossil-nuklearen Energiesystem liegen würden. [8] [9]

Die öffentliche Diskussion reduziert den Begriff der Energiewende häufig auf den Stromsektor, welcher in Deutschland nur rund 20 % des Energieverbrauchs umfasst. Ebenso wird in der politischen und öffentlichen Debatte oft nicht beachtet, dass mit Energieeinsparung neben erneuerbaren Energien und Effizienz als technischen Strategien darauf verwiesen wird, dass zu einer gelingenden Energiewende auch Verhaltensänderungen im Sinne von Energiesuffizienz, also mehr Genügsamkeit gehören könnten. [10]

Weltweite Entwicklung

Als Pionier der Energiewende gilt Dänemark, das im Jahr 2012 bereits 30 % seines Strombedarfs mittels Windenergie deckte. Bis 2050 strebt Dänemark eine vollständig regenerative Energieversorgung in den drei Sektoren Strom, Wärme und Verkehr an. [11] Ähnliche Ziele hat Schweden, das bis 2045 klimaneutral werden will, was auch den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen bedeutet. [12] Ebenfalls von Bedeutung ist die deutsche Energiewende, die weltweit Zustimmung und Nachahmer, aber auch Kritik und Ablehnung erfahren hat. Obwohl sie in der Öffentlichkeit oft fälschlicherweise mit dem zweiten Atomausstieg 2011 verbunden wird, begann die Energiewende in Deutschland bereits in den 1980er Jahren mit der Förderung von erneuerbaren Energien und Einstellung neuer Kernkraftwerksprojekte.

Die mit dem Bau von fossilen Kraftwerken einhergehenden gravierenden Umweltschädigungen wie Smog, Wasserverschmutzung und Bodenverseuchung, die Endlichkeit fossiler Energieträger, ihre Verknappung und Verteuerung sowie insbesondere die durch ihre Verbrennung maßgeblich verursachte globale Erwärmung haben jedoch auch in vielen weiteren Ländern zu einem Umdenken in Bezug auf die Energieversorgung geführt. Mittlerweile wurde in vielen Staaten der Erde die Energiewende eingeleitet. [11] Gerade in China, wo es, ausgelöst durch Umweltprobleme, immer wieder zu Protesten der Bevölkerung kam, werden in letzter Zeit starke politische Anstrengungen unternommen, diese negativen Auswirkungen einzudämmen, wobei insbesondere schärfere, staatlich verordnete Umweltschutzmaßnahmen durchgeführt werden und es zu einem massiven Vorantreiben von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz kommt. [13] 2013 war China Weltmarktführer in der Herstellung und im Einsatz von Windkraftanlagen, Solarzellen und Smart-Grid-Technologien; zudem ist das Land sowohl der größte Investor in regenerative Energien als auch der weltweit bedeutendste Ökostromproduzent. [14] Daneben spielt für viele Staaten weltweit die Einsparung fossiler Brennstoffe eine zentrale Rolle für den Umstieg auf erneuerbare Energien, da sie so in der Lage sind Energieimporte zu reduzieren und parallel an Versorgungssicherheit zu gewinnen. Zugleich wird die Gefahr von militärischen Konflikten um Energieressourcen reduziert. [15]

Die Umgestaltung der Energieversorgung wird auf supranationaler Ebene durch viele Institutionen unterstützt. Zur besseren Koordination der unterschiedlichen Wege wurde 2010 die Internationale Organisation für erneuerbare Energien IRENA gegründet. Sie versteht sich als „treibende Kraft“ den großflächigen und verstärkten Einsatz und die nachhaltige Nutzung von erneuerbaren Energien weltweit zu fördern. [16] Das Generalsekretariat der Vereinten Nationen kündigte an, Fahrpläne für die Dekarbonisierung der globalen Ökonomie vorzulegen. Im Juli 2014 wurde durch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hierzu ein Report mit dem Titel Pathways to Deep Decarbonization herausgegeben, in dem unter anderem auch Pfade für nachhaltige Entwicklung und Dekarbonisierung von 12 Industriestaaten zu finden sind. [17]

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme hat zur Ermittlung, inwieweit die Energiewende in einzelnen Ländern bereits fortgeschritten ist, den sogenannten Energy Transformation Index (ETI) entwickelt. Dieser vergleicht sowohl die Etablierung erneuerbarer Formen der Stromerzeugung wie Photovoltaik als auch die effiziente Nutzung der Energie. Deutschland liegt dabei hinter den Ländern Schweden, Brasilien und Italien gleichauf mit Japan und Großbritannien auf Platz vier. Bei der Zuwachsrate seit dem Jahr 1990 liegt Deutschland jedoch zusammen mit Großbritannien an Platz 1. [18]

Für die Mitgliedstaaten der Europäischen Union ist zu berücksichtigen, dass sie bei der Wahl des nationalen Energiemixes – und damit des nationalen Energiewendepfads – zwar souverän sind, über die Einbindung in grenzüberschreitende Strom- und Gasnetze sowie in Regulierungssysteme wie den Emissionshandel jedoch starke Wechselwirkungen mit der EU-Gesetzgebung und den Energiepolitiken der jeweiligen Nachbarländer bestehen. [19] [20]

Armenien

Die armenische Regierung plant mit Unterstützung durch die Weltbank seit 2017 ein Solarkraftwerk. [21] 2019 kam sie mit der European Bank for Reconstruction and Development überein, dass mit Unterstützung der Europäischen Union das Kraftwerk mit einer Leistung von 55 Megawatt gebaut werden soll. [22] [23] Es ist die erste Anlage dieser Art im Land und im Kaukasus. Motivation für Armenien ist eine Unabhängigkeit vom russischen Erdgas. Ende 2015 waren lediglich Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von etwa einem Megawatt installiert. [24] Zum Stand Januar 2019 gab es zwei Windkraftanlagen mit zusammen 2,9 MW Leistung und zwei weitere Anlagen mit 5,3 MW waren im Bau. [25]

Australien

Australiens Primärenergiebedarf wird von fossilen Energieträgern dominiert. Im Bilanzjahr 2017/18 stammten 39 % der Energie aus Erdöl, 30 % aus Kohle und 25 % aus Erdgas; erneuerbare Energien hatten einen Anteil von 6 %. Australien ist zugleich ein großer Exporteur von Energieträgern wie Kohle, LNG und Uran. Etwa 2/3 der geförderten Energieträger werden exportiert. [26] Unter anderem stammen knapp 30 % der weltweit gehandelten Kohle und mehr als 20 % des Erdgases aus Australien; ein weiterer Ausbau ist geplant. [27] Die inländische Stromproduktion lag bei 261 TWh, die ebenfalls größtenteils aus fossilen Quellen gewonnen wurden. 60 % des Stroms stammen von Stein- und Braunkohlekraftwerken, der jedoch rückläufig ist. 2000 waren es noch mehr als 80 % gewesen. 21 % lieferten Gaskraftwerke, 17 % erneuerbare Energien, insbesondere Wind- und Solarenergie. Der Anteil von Ökostrom nahm dabei stark zu. [26] Allein im Jahr 2018 wurden 5,2 GW Solar- und Windenergie installiert. Es wird davon ausgegangen, dass Australien bei Beibehaltung der 2018 erreichten Wachstumsraten auf gutem Weg ist, 2024 50 % erneuerbaren Strom und 2032 100 % zu erzeugen. [28] International blockiert Australien eine ambitionierte Klimaschutzpolitik, um den Export von fossilen Energieträgern, vor allem der Kohle nicht zu gefährden. So war das Land z. B. bei der UN-Klimakonferenz 2019 in Madrid maßgeblich mit verantwortlich, dass dort nur ein Minimalkompromiss beschlossen wurde. [29]

Belgien

Im Jahr 2003 beschloss Belgien unter einer Regierungskoalition mit grüner Beteiligung den Atomausstieg bis zum Jahr 2025. Demnach sollten alle 8 vorhandenen Reaktorblöcke in den beiden Kernkraftwerken Tihange und Doel nach 40 Jahren Betrieb außer Dienst gestellt werden. Ein Neubau von Kernkraftwerken wurde gesetzlich verboten. Dieses Gesetz wurde in den Folgejahren kontrovers diskutiert und auch eine Laufzeitverlängerung in die Debatte eingebracht, es kam jedoch zu keinen Gesetzesänderungen. Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima wurde der Atomausstieg bis 2025 bestätigt. Zugleich wurde die Laufzeit von Tihange I um 10 Jahre auf 2025 verlängert, während die Kraftwerke Doel 1 und 2 dafür 2015 abgeschaltet werden sollten. [30]

Nachdem in den beiden Reaktordruckbehältern der Blöcke Doel 3 und Tihange 2 mehrere Tausend Risse infolge von Materialschäden entdeckt worden waren, erhielten die Blöcke Doel 1 und 2 eine Laufzeitverlängerung bis 2015. Bisher fehlt jedoch noch die Freigabe der Atomsicherheitsbehörde FANC für den Weiterbetrieb. Hingegen ist unsicher, ob die beiden beschädigten Blöcke repariert werden können oder endgültig stillgelegt werden müssen. Beide Blöcke wurden im März 2014 auf Anordnung der FANC heruntergefahren und sind seit 2016 wieder in Betrieb. [31]

Beim Ausbau der erneuerbaren Energien strebt Belgien bis 2020 einen Anteil von 13 % am Bruttoendenergieverbrauch an. Mit Stand 2014 lag der Anteil bei 8,0 %, womit er sich gegenüber 2004 (1,9) mehr als vervierfacht hat. [32] Ende 2016 waren in Belgien Windkraftanlagen mit einer Leistung von 2.386 MW installiert. [33] Bedeutendester Einzelproduzent war der Offshore-Windpark Thorntonbank mit einer installierten Leistung von 325 MW. An Photovoltaik-Leistung waren Ende 2014 3.105 MWp vorhanden. Dies entspricht ca. 277 W/Einwohner und ist der dritthöchste Wert in der EU nach Deutschland und Italien. [34]

Im Dezember 2017 einigte sich das Kabinett darauf, dass Belgien bis 2050 vollständig aus der Nutzung fossiler Energieträger aussteigen soll. Am Atomausstieg bis 2025 wurde ebenfalls festgehalten. Den Ausstieg aus der Kohleverstromung schloss das Land bereits 2016 ab, womit es im Dezember 2017 einer von 7 EU-Staaten war, die ohne Kohlekraftwerke auskommen. [35]

Bolivien

Bis 2020 plant die bolivianische Regierung insgesamt eine Erneuerbaren-Energien-Leistung von 545 Megawatt. Damit würde der Ökostrom-Anteil (ohne Wasserkraft) von heute drei Prozent auf zwölf Prozent steigen. [24]

Bulgarien

Fossile Energiequellen mit 29 % Kohle, 23 % Erdöl und 14 % Erdgas haben neben 22 % Kernenergie dominate Anteile an der Energieproduktion in Bulgarien (2018). Erneuerbare Energien und hier vor allem die Bioenergie (9 %), Wasserkraft (2 %) sowie Sonnen- und Windenergie (1 %) haben einen geringeren Anteil. [36] Kohlekraftwerke liefern rund 45 % der Elektronenergie. Das Kernkraftwerk Kosloduj produziert etwa 35 % des Stroms. Seit den 1980er Jahren ist mit dem Kernkraftwerk Belene der Ausbau der Kernkraft geplant, aber bisher nicht realisiert.

Ein Ausstieg aus der Kohleverstromung ist bisher nicht geplant. [37] Der Nationale Energie- und Klimaplan Bulgariens sieht bis 2030 die Steigerung der erneuerbaren Energien auf 25 % des Endenergieverbrauchs vor. [38] Die installierte Leistung mit Photovoltaik soll in den Jahren 2020 bis 2030 von 1042 MW auf 3216 MW steigen und damit soll der Anteil der Sonnenenergie an der Stromproduktion von 1,18 % auf 3,95 % mehr als verdreifacht werden. Die Nutzung von Bioenergie für die Stromproduktion soll in diesem Zeitraum von 80 MW auf 302 MW steigen. Der Anteil der Kernenergie soll etwa beibehalten werden. Die Energieeffizienz soll mindestens um 32,5 % verbessert werden.

China

In China gestaltet sich die Energiewende sehr ambivalent. Einerseits hat China die USA als größten Energiekonsumenten und Verursacher von Treibhausgasen überholt. Im Jahre 2013 kam China für 22,4 % der globalen Energienachfrage und 27 % der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen auf. [39] Zwei Drittel des chinesischen Energieverbrauchs und 90 % der Stromproduktion basieren auf Kohle, gefolgt von Öl, mit dem 20 % des Energiebedarfs gedeckt werden. Bis 2015 wurden nur 1 % des chinesischen Energieverbrauchs durch Wind- und Solarenergie gedeckt, 2 % durch Wasserkraft und 6 % durch Biomasse wie Dung und Holz. Fast die Hälfte der weltweiten Kohleproduktion wird von China konsumiert. China ist auch weltweit der größte Kohleproduzent. [39] Mit dem geplanten weiteren wirtschaftlichen Wachstum und der notwendigen Armutsreduktion sowie dem Anwachsen konsumfreudiger Mittelschichten wird in den kommenden Jahren die Energienachfrage tendenziell steigen.

Andererseits ist China mit großem Abstand vor anderen Ländern Weltmarktführer bei der Herstellung und im Einsatz von Windkraftanlagen, Solarzellen und Smart-Grid-Technologien sowie der weltweit bedeutendste Ökostromproduzent. China hat etwa seit 2011 weltweit die Führungsrolle beim Ausbau erneuerbarer Energien von Europa übernommen, „da es die enormen Marktchancen erkennt und die wirtschaftlichen Vorteile“ ( Claudia Kemfert) [40]. Gegenwärtig (2020) kommen mehr als 70 % des Weltmarktes an Solarmodulen, 69 % der Lithium-Ionen-Akkumulatoren und 45 % der Windkraftanlagen aus chinesischen Unternehmen. [41] Seit 2005 zielt die politische Führung zunehmend auf eine nachhaltige Energiewirtschaft. Dies ist wirtschaftlich motiviert, nämlich einerseits durch massive lokale Umweltverschmutzung mit Krankheits- und Todesfolgen für die eigene Bevölkerung und andererseits durch das Bemühen, im Interesse der Versorgungssicherheit den steigenden Bedarf an Energie aus einheimischen Quellen zu decken. Im 11. Fünfjahrplan (2006–2010) wurde auf Steigerung der Energiesuffizienz und -effizienz orientiert – heruntergebrochen bis auf Provinzebene. Im 12. Fünfjahrplan (2011–2015) wurde diese Zielsetzung fortgesetzt (z. B. mit der Einführung strikter Höchstgrenzen für den Benzinverbrauch mit privaten Kraftwagen) und erweitert um die Förderung der Dekarbonisierung durch Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien am Energieverbrauch. Angeblich wurden die Ziele zur Steigerung der Energiesuffizienz und -effizienz im 12. Fünfjahrplan erreicht [42], unter anderem durch Schließung Hunderter ineffizienter Fabriken, Kraftwerke und Kohleminen. [39] [43] Dies wurde auch erreicht durch eine „Verschärfung der Kontrolle und Überwachung, was zu einer großen Bürokratie führte, ohne dass sich für die Menschen viel verbesserte“ [44]. Mit dem 2015 verabschiedeten 13. Fünfjahrplan (2016–2020) wird der Trend der Verbesserung der Ressourcen- und Energieeffizienz und der Förderung erneuerbarer Energien fortgesetzt – im Einklang mit dem Engagement Chinas während der UN-Klimakonferenz in Paris 2015. Bis 2020 sollen die Kohlendioxidemissionen um 20 % gesenkt werden und die verarbeitende Industrie wurde angewiesen, diese Emissionen innerhalb von zehn Jahren um 40 Prozent zu reduzieren. Die Energieproduktion durch Sonnenenergie soll bis 2020 um 20 % steigen. Der geplante Bau von mehr als 100 Kohlekraftwerken wurde gestoppt. Vier Städte in der Region, darunter Peking und Tianjin, sollen ab 2020 komplett „kohlefreie Zonen“ werden. [43] Im Jahr 2017 hat China 86,5 Milliarden US-Dollar in Solarkraftwerke investiert. Das waren fast 60 % mehr als ein Jahr zuvor. [45]

Während der 75. UNO-Generalversammlung am 22. September 2020 erklärte der Präsident der Volksrepublik China, Xi Jinping, dass China bis zum Jahr 2060 die Klimaneutralität anstrebt. [41] Anstelle eines Erdölstaates (petro-state) wolle China ein Elektrizitätsstaat (electro-state) werden. Ab 2035 sollen in China keine Pkw mit konventioneller Verbrennertechnologie mehr zugelassen werden. [46]

Dennoch wird eingeschätzt, dass die 2015 in Paris gemeldeten Minderungen an Treibhausgasemissionen gemessen an dem für China Möglichen und Notwendigen zurückbleiben. [39] Aber: Die ökologische Zivilisation wurde als visionäres Nachhaltigkeitsziel proklamiert. [47] Diese Ausrichtung Chinas auf eine Ökologisierung der Wirtschaft kann als Modell für viele Entwicklungsländer dienen. [44]

Dänemark

Gondel und Rotor der Gedser-Windkraftanlage, des Prototyps aller modernen Windkraftanlagen. Heute ausgestellt im Außengelände des Energiemuseums Gudenaacentralen in Bjerringbro

Dänemark ist ein Pionierland der Energiewende. [48] Mit dem Vorhaben, bis 2050 die komplette Energieversorgung (Strom, Wärme und Verkehr) vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen, ist es zugleich eines der Länder mit der anspruchsvollsten Zielsetzung. Erreicht werden soll dies durch den starken Ausbau der Windenergie sowie der Elektrifizierung des Wärme- und Transportsektors. [11] Mit Stand 2020 beruhte fast die Hälfte der dänischen Stromerzeugung auf fluktuierenden erneuerbaren Energien. [49]

Hauptziel seit 1972 ist es, die Abhängigkeit von Ölimporten zu verringern, später kam schließlich Energieautarkie, der Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger sowie die Reduktion des Treibhausgasausstoßes hinzu. [50] Durch Einführung verschiedener Maßnahmen wie Energieeinsparungen, Effizienzsteigerungen und Kraft-Wärme-Kopplung gelang es Dänemark, den Primärenergieeinsatz über 40 Jahre (1972 bis 2012) auf einem Niveau zu halten, obwohl das Bruttoinlandsprodukt im selben Zeitraum um mehr als 100 % wuchs. Zugleich wurden 25 % der Primärenergie durch erneuerbare Energien ersetzt. [51] Die Kohlenstoffdioxidemissionen bei der Stromproduktion, die im Jahr 1990 noch bei über 1000 g/kWh lagen, sanken bis 2019 auf 135 g/kWh, etwa ein Siebtel des Ausgangswertes. 2018 waren es noch 194 g/kWh gewesen. [52]

Geschichte

Infolge der Ölkrise 1973, die Dänemark als weitgehend ölabhängigen Staat im Besonderen traf, gab es dort Überlegungen, Kernkraftwerke zu errichten, um die Energieversorgung zu diversifizieren. So plädierte die Vereinigung dänischer Stromversorger 1974 dafür, alle zwei Jahre ein Kernkraftwerk zu errichten. 1976 schloss sich das Handelsministerium dieser Position an und sprach sich dafür aus, bis 1995 65 % der Stromnachfrage mittels Kernenergie zu decken. Es entstand eine starke Anti-Atomkraft-Bewegung, die die Kernkraftpläne der Regierung heftig kritisierte.

Das dänische Parlament beschloss am 29. März 1985 ein Gesetz, das die Kernenergienutzung verbot. [53] [54] Stattdessen setzte man in Dänemark auf die erneuerbaren Energien, vor allem auf die Windenergie. Windkraftanlagen zur Stromerzeugung konnten in Dänemark in ihrer Frühform bereits auf eine längere Geschichte zurückblicken, die bis ins späte 19. Jahrhundert zurückreicht. Bereits 1974 erklärte eine Expertenkommission, „daß es möglich sein müßte, 10 % des dänischen Strombedarfs aus Windenergie zu erzeugen, ohne daß es zu besonderen technischen Problemen im öffentlichen Stromnetz kommen werde“. [55] Parallel zu dieser grundlegenden Forschung wurde die Entwicklung großer Windkraftanlagen aufgenommen; sie war zunächst jedoch – wie auch ähnlich gelagerte Projekte in anderen Staaten – wenig erfolgreich.

Vielmehr setzten sich kleine Anlagen durch, die oft von privaten Eigentümern oder kleinen Unternehmen (z. B. Bauern) betrieben wurden. Die Errichtung dieser Anlagen wurde durch staatliche Maßnahmen gefördert; zugleich begünstigten die gute Windhöffigkeit, die dezentrale Siedlungsstruktur Dänemarks sowie fehlende administrative Behinderungen ihre Verbreitung. Zum Einsatz kamen robuste Anlagen im Leistungsbereich von zunächst nur 50–60 kW, die in der Tradition der Entwicklungen der 1940er Jahre standen und die z. T. von Kleinstfirmen in Handarbeit gefertigt wurden; zudem fand bereits ab Ende der 1970er Jahre und in die 1980er Jahre hinein eine rege Exporttätigkeit in die Vereinigten Staaten statt, wo die Windenergie ebenfalls einen frühen Boom erlebte. 1986 gab es in Dänemark bereits rund 1200 Windkraftanlagen, [56] die allerdings erst knapp 1 % zur Stromversorgung Dänemarks beitrugen. [57]

Dieser Anteil stieg im Laufe der Zeit deutlich. Im Jahr 2011 deckten die erneuerbaren Energien 40,7 % des Stromverbrauchs, 28,1 Prozentpunkte davon entfielen auf Windkraftanlagen. [58] Am 22. März 2012 veröffentlichte das Dänische Ministerium für Klima, Energie und Bauwesen ein vierseitiges Papier mit dem Titel DK Energy Agreement. Darin werden langfristige Leitlinien der dänischen Energiepolitik formuliert. [59] Bereits zuvor hatte das dänische Parlament beschlossen, bis 2020 den Anteil der Windenergie auf 50 % in der Stromerzeugung zu steigern; langfristig soll die gesamte dänische Energieversorgung dekarbonisiert werden. Ziel ist es, bis 2050 vollständig auf die Nutzung fossiler Energieträger zu verzichten. [60]

Im Jahr 2019 deckte Windstrom 47 % des dänischen Strombedarfes. [61] Drei Viertel des Windstroms werden mit Onshore-Anlagen gewonnen, die über einen starken Rückhalt bei der Politik verfügen. Durch diesen hohen Windstromanteil kann es während Sturmphasen zu Zeiten kommen, in denen die Stromerzeugung aus Windenergie die Stromnachfrage übersteigt. Beispielsweise wurden im Juli 2015 in einer sehr windreichen Nacht bis zu 140 % des Strombedarfes durch Windenergie geliefert. Dieser Überschuss wurde nach Norwegen, wo er in zahlreichen Wasserkraftwerken gespeichert werden kann, sowie nach Deutschland und Schweden exportiert. [62] In Zeiten von geringer Windstromproduktion kann Dänemark wiederum auf Strom aus norwegischen und schwedischen Wasserkraftwerken zurückgreifen. Dänemark verfügt seit mindestens 2002 über Erfahrung mit einem Windstromanteil von 20 % und mehr am Strommix. [60] So hat sich Dänemark am 22. Februar 2017 den Tag über ausschließlich mit Strom aus Windkraft versorgt. [63]

Maßnahmen

Im Rahmen der Elektrifizierung des dänischen Energiesystems sollen Wärmepumpenheizungen Öl- und Gasheizungen ersetzen.

Kernelemente des dänischen Ansatzes sind strenge Energieeffizienz, starke Besteuerung von fossilen Energieträgern, Elektrizität und Kohlenstoffdioxid sowie die Förderung von Kraft-Wärme-Kopplung und Windkraftanlagen. Dadurch gelang es dem Staat, trotz Wirtschaftswachstums und eines Bevölkerungsanstieges den (Primär)-Energieverbrauch auf dem Niveau der 1970er Jahre zu halten. Bereits 1974 wurden die Steuern auf Benzin, Diesel und Heizöl erhöht; 1985, als die Ölpreise fielen, folgte eine weitere Steuererhöhung. 1982 wurde eine Steuer auf Kohle eingeführt, 1992 die Produktion von Kohlenstoffdioxid mit einer Abgabe belegt. KWK-Anlagen auf Basis von Erdgas und Biomasse (darunter Abfälle und Stroh) wurden gebaut und liefern mittlerweile einen großen Teil des Wärmebedarfs sowie einen Teil des Strombedarfs des Staates. 1981 wurde eine Einspeisevergütung für erneuerbare Energien festgesetzt infolgedessen Dänemark nach dem Anteil an der Stromversorgung sowie per Kopf zum erfolgreichsten Windenergieland der Welt wurde. [64] 2019 beschloss die Regierung, dass die Stromversorgung bis 2030 komplett auf erneuerbare Energien umgestellt werden soll, um damit die Kohlendioxidemissionen bis zu diesem Jahr um 70 % zu senken. [61]

Seit Anfang 2013 ist in Neubauten der Einbau von Öl- und Erdgasheizungen verboten, seit 2016 [65] gilt dies auch für Bestandgebäude. Zugleich wurde ein Förderprogramm für den Heizungsaustausch aufgelegt. Ziel Dänemarks ist es, bis 2020 die Nutzung fossiler Energien um 33 % zu reduzieren. 2050 soll die vollständige Unabhängigkeit von Erdöl und Erdgas erreicht sein. [66] Auch der Neubau bzw. die Erweiterung von Kohlekraftwerken wurde staatlich verboten. [67] 2020 beschloss das Parlament im Rahmen seiner Strategie, bis 2050 komplett aus fossilen Energien auszusteigen, keine weiteren Projekte zur Förderung von Erdöl- und Erdgas in der Nordsee mehr zu genehmigen. Dänemark war zu diesem Zeitpunkt der größte Erdölproduzent der EU. Auch bestehende Förderanlagen müssen bis spätestens 2050 die Förderung beenden. [68]

Dazu wird auch der Einbau von Wärmepumpenheizungen vorangetrieben. Binnen weniger Jahre kamen bis 2012 27.000 Anlagen hinzu, dazu kommen 205.000 weitere Haushalte, die bisher Ölheizungen nutzen, für Umrüstung in Frage. [11] Daneben soll die Fernwärme ausgebaut werden, die in Dänemark 2012 bereits etwa die Hälfte der Gebäude beheizt. Dabei wird Fernwärme in Zeiten günstiger Strompreise bereits oft mit Strom in einem Elektrodenheizkessel ( Power-to-Heat) zusätzlich erzeugt.

Dänemark fördert massiv den Kauf von Elektroautos. Beim Kauf entfallen die 25%ige Mehrwertsteuer sowie die Zulassungssteuer, die bis zu 180 % des Kaufpreises betragen kann. Der Bestand an Elektrofahrzeugen lag im Juni 2012 bei 1160 Fahrzeugen. [69] Auch das dänische Schienennetz soll weiter elektrifiziert werden. [11]

Der größte Energieproduzent Dänemarks ist das Unternehmen Dong Energy, welches einen Marktanteil in Dänemark von 49 % bei Elektrizität und 35 % bei Wärme hat. Es besitzt Anteile an den sehr großen Offshore-Windparks Nysted Havmøllepark, Anholt und Horns Rev. In Dänemark gibt es auch wichtige Produktionsstätten von Windkraftanlagen, wie die von Vestas Wind Systems und Siemens Windenergie. Der dänische nationale Übertragungsnetzbetreiber Energinet.dk für Strom und Erdgas gehört dem Staat.

Deutschland

Windkraftanlage in Aurich (Inbetriebnahme um 1990)

Frankreich

Seit 2012 entwickeln sich in Frankreich politische Diskussionen zum Thema Energiewende und wie die französische Wirtschaft davon profitieren könnte. [70] Der Hintergrund der Diskussion ist, dass sich in den kommenden Jahren mehrere französische Atomkraftwerke dem Ende ihrer 40-jährigen Laufzeit nähern.

Im September 2012 prägte die Umweltministerin Delphine Batho den Begriff „Ökologischer Patriotismus“. Die Regierung begann einen Arbeitsplan für einen möglichen Beginn der Energiewende in Frankreich. Dieser sollte bis Juni 2013 folgenden Fragen nachgehen: [71]

  • Wie kann Frankreich in Richtung Energieeffizienz und Energieeinsparung gehen? Dies umfasst Überlegungen zu veränderten Lebensstilen, Änderungen in Produktion, Verbrauch und Transport.
  • Welchen Weg kann man gehen um den angepeilten Energiemix im Jahre 2025 zu erreichen? Die Klimaschutzziele Frankreichs fordern eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 40 % bis 2030 und 60 % bis zum Jahr 2040.
  • Auf welche erneuerbaren Energien soll Frankreich setzen? Wie sollen die Nutzung von Wind- und Sonnenenergie gefördert werden?
  • Mit welchen Kosten und Finanzierungsmodellen muss für Beratung und Investitionsförderung für alternative Energien gerechnet werden? Mit welchen für Forschung, Renovierung und Erweiterung der Fernwärme, Biomasse und Geothermie? Eine Lösung könnte eine Fortführung der CSPE ( Contribution au service public de l'électricité) sein, eine Steuer, die auf die Stromrechnung aufgeschlagen wird.

Die Umweltkonferenz für nachhaltige Entwicklung am 14. und 15. September 2012 behandelte als Hauptthema das Thema Umwelt- und Energiewende. [72] Dort stellte Präsident François Hollande konkrete Ziele der Energiewende vor, die er als „strategische Entscheidung“ bezeichnete. Demnach soll der Verbrauch fossiler Brennstoffe bis 2050 halbiert werden, als Zwischenziel strebt die Regierung eine Senkung um 30 % bis zum Jahr 2030 an. Neben einer verstärkten Förderung von erneuerbaren Energien sowie von Elektrofahrzeugen soll zudem der Anteil der Atomkraft bis 2025 von heute rund 75 % auf dann 50 % reduziert werden. Auch sollte 2016 das Kernkraftwerk Fessenheim vom Netz gehen, wie Hollande vor seiner Wahl zum Präsidenten versprochen hatte. Dieser Termin wurde später aus 2017 und schließlich auf 2018 [veraltet] verlegt. [73] [74] Zuvor war bereits im August 2013 unter den Regierungsparteien eine Abgabe für umweltschädliche Energien vereinbart worden. [75] Diese soll ab 2014 schrittweise für fossile Brennstoffe eingeführt werden und sich nach den von diesen verursachten Emissionen richten; auch eine Gewinnabgabe für Kernkraftwerke ist geplant. [76]

Im April 2014 kündigte Ségolène Royal, die neue Umwelt- und Energieministerin (im Kabinett Valls) für Juli 2014 einen Gesetzesentwurf an. In diesem soll definiert werden, wie der Anteil der Kernenergie an der französischen Stromproduktion bis 2025 auf 50 % gesenkt werden soll. Der Plan umfasst eine Liste von sechs prioritären Zielen, darunter auch der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien. Es sollen (Stand April 2014) 100.000 Arbeitsplätze in der Green Economy geschaffen werden. [77]

Im Oktober 2014 wurde das Energiewende-Gesetz im französischen Parlament mit 314 zu 219 Stimmen beschlossen. Es sieht vor, den Anteil der Kernenergie am Strommix bis 2025 auf 50 % zu reduzieren, aktuell sind es etwa 75 %. Die Leistung der Kernkraftwerke wurde auf 63,2 Gigawatt gedeckelt. Zudem soll die Gebäudeisolation stark verbessert werden, eine Million Ladestationen für Elektroautos geschaffen werden und die erneuerbaren Energien stark ausgebaut werden. Dadurch soll der Treibhausgas-Ausstoß bis 2030 um 40 Prozent sinken. Der Gesamtenergieverbrauch soll bis 2050 auf die Hälfte des heutigen Wertes sinken. [78]

Im Juli 2015 passierte das Gesetz endgültig die Nationalversammlung. Als Zwischenziel soll der Anteil der Atomkraft bis 2025 auf 50 % fallen und der Anteil erneuerbaren Energien bis 2030 auf 40 % steigen. Zudem soll der Kohlenstoffdioxidausstoß bis 2050 gegenüber 1990 um 75 % reduziert werden. [79]

Im französischen Klimaplan 2050 wurde Anfang 2017 festgeschrieben, dass die CO2-Emissionen des Energiesektors auf der Basis des Jahres 1990 bis 2013 um 40 % und bis 2050 um 96 % gesenkt werden sollen. Das 75-%-Ziel über alle Sektoren hinweg wurde bestätigt. [80]

Im Juli 2017 gab der französische Energieminister Hulot bekannt, dass Frankreich bis 2025 bis zu 17 Reaktoren schließen will. Parallel dazu solle der Energieverbrauch sinken und „die Stromproduktion diversifiziert“ werden. [81] [82]

Im Bereich Windenergie waren mit Stand zum 31. Dezember 2016 etwa 12 Gigawatt (GW) Leistung installiert, wobei 1,56 GW 2016 neu ans Netz gegangen waren. [83] 2019 erreichte die installierte Leistung der Windenergieanlagen 16,26 GW. [84] Ende März 2020 kam die installierte Leistung der Solaranlagen auf 10,1 GW; die Solaranlagen lieferten im ersten Quartal des Jahres 2020 2.3 TWh an elektrischer Energie und damit 1,7 % des Stromverbrauchs. [85]

Indien

Anfang 2017 lag der Erneuerbare-Energien-Anteil im Stromsektor bei 16 Prozent. Davon machen etwa neun Prozent Windkraft und knapp drei Prozent Photovoltaik aus. [86] Größte Energiequelle ist zurzeit noch die Kohlekraft. Einer Studie zufolge braucht Indien möglicherweise keine neuen Kohlekraftwerke um den steigenden Strombedarf zu decken, da bis zum Jahr 2026 die vorhandenen oder im Bau befindlichen Kraftwerke ausreichen. Ebenso würde der steigende Strombedarf durch die weiter günstigen erneuerbaren Energien und mittels Stromspeicher gedeckt werden. Ferner sei der Kohleausstieg bis 2050 möglich. Aktuell sind nach offiziellen Angaben 50 Gigawatt (nach anderen Angaben 65 Gigawatt) Kohlekraftwerke im Bau, weitere 178 Gigawatt geplant. Durch die neuen Kraftwerke könnten große Überkapazitäten auf dem indischen Strommarkt entstehen. [87] [88]

Die indische Regierung hat 2015 erklärt, bis 2030 einen Anteil von 40 Prozent installierter Energieleistung aus nicht-fossilen Energieträgern verwirklichen zu wollen. Dies bedeutet eine Vervierfachung gegenüber 2015. [89] Ebenso sollen die erneuerbaren Energien bis 2022 eine installierte Leistung von 175 Gigawatt aufweisen; davon sollen 100 Gigawatt Photovoltaik sein. Für die Photovoltaik wurde 2017 das Ziel gesetzt, bis 2020 eine installierte Leistung von 40 Gigawatt in großen Solarparks zu erreichen, die durchschnittlich jeweils 500 Megawatt installierte Leistung umfassen sollen. [86] Zumindest die Leistung indischer Solaranlagen insgesamt, also mit den kleineren Anlagen wie die auf Dächern, wird oberhalb von 40 Gigawatt liegen, da Ende Juni 2020 bereits 38,377 Gigawatt installiert waren und bis Ende 2020 mit einem Zubau von weiteren 4,72 Gigawatt zu rechnen ist. [90] Als ehrgeiziges Ziel plant die Regierung außerdem bis 2030 eine vollständige Umstellung auf Elektrofahrzeuge. [87]

Japan

Das zerstörte Kernkraftwerk Fukushima Daiichi; v. l. n. r. Reaktorblöcke 4 bis 1 (5 und 6 sind nicht im Bild). Die Kernschmelzen in drei Kernreaktoren waren Auslöser für mehrere Staaten, ihre Atompolitik zu verändern bzw. ganz auf die Kernenergienutzung zu verzichten: In Deutschland, Belgien und der Schweiz wurde ein Atomausstieg beschlossen

Am 11. März 2011 ereignete sich in Japan das Tōhoku-Erdbeben 2011, das einen Tsunami auslöste, durch den mehr als 18.000 Menschen getötet wurden. Dieser Tsunami löste die Nuklearkatastrophe von Fukushima aus, bei der es zu mehreren Kernschmelzen im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi kam. Daraufhin wurde die Energiepolitik in Japan neu überdacht. Der Anteil der Kernenergie am Strommix soll sinken, zudem erneuerbare Energien deutlich ausgebaut werden.

Am 18. Juni 2012 bestätigte der damalige Wirtschafts- und Industrieminister Yukio Edano das ab dem 1. Juli gültige Einspeisegesetz für erneuerbare Energien nach deutschem Vorbild. [91] Die gewährten Fördersätze liegen erheblich über denen in anderen Ländern, weshalb ein Solarboom ausbrach. Zum 1. April 2013 waren bereits Solaranlagen mit 5,3 GW in Betrieb und zur Einspeisevergütung zugelassen waren zum 31. Mai 2013 rund 17,5 GW Solaranlagen. [92] Japanische Unternehmen sind bei Batterie-Speicherkraftwerken für Systemdienstleistung im Stromnetz weltweit führend, so dass Japan bereits Demonstrationsanlagen mit einer Speicherkapazität von 20-MWh und 60-MWh baut (Stand Oktober 2013). [93]

Am 14. September 2012 beschloss die japanische Regierung auf einem Ministertreffen in Tokio einen schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie bis in die 2030er-Jahre, spätestens aber bis 2040. Die Regierung teilte mit, man wolle „alle möglichen Maßnahmen“ ergreifen, um dieses Ziel zu erreichen. [94] Wenige Tage später schränkte die Regierung den geplanten Atomausstieg wieder ein, nachdem die Industrie gedrängt hatte, die Pläne zu überdenken. Angeführte Argumente waren, dass ein Atomausstieg die Wirtschaft belasten und es aufgrund des Imports von Öl, Kohle und Gas zu hohen Mehrkosten kommen würde. Daraufhin billigte die Regierung die Energiewende, ließ aber den Zeitpunkt für die Stilllegung der Kernkraftwerke offen. [95] Im April 2014 machte das Kabinett Abe den vollständigen Kernenergieausstieg rückgängig. Es wurde ein neuer Energieplan beschlossen, nach dem weiter Kernkraftwerke betrieben werden sollen, wobei jedes Kraftwerk zunächst auf die Sicherheit überprüft werden soll. Allerdings soll der Anteil der Kernenergie am Energiemix insgesamt zurückgefahren und stattdessen verstärkt erneuerbare Energien zum Einsatz kommen. [96]

Angestrebt wird vom Kabinett Abe ein Atomstromanteil von knapp 20 %; vor Fukushima waren es ca. 30 % gewesen. Mit Stand April 2015 erhielten insgesamt 4 der 48 Kernkraftwerksblöcke nach Überprüfen der neu eingeführten erhöhten Sicherheitsbestimmung durch die staatliche Atomaufsichtsbehörde die Genehmigung für ein Wiederanfahren. Zuvor waren bis 2013 alle Kernkraftwerke sukzessive vom Netz genommen worden. Bisher steht das Anfahren dieser vier Reaktorblöcke jedoch aus, da ein Gericht mit Verweis auf die nicht nachgewiesene Erdbebensicherheit den Betrieb der Reaktoren untersagt hat. [97]

Jordanien

Jordanien importierte 2017 etwa 97 % seiner Energie und gab dafür 2016 ca. 20 % seines Bruttoinlandsproduktes aus. Das Land plante 2017, den Anteil der erneuerbaren Energien von zwei Prozent (2011) auf zehn Prozent bis 2020 zu erhöhen, indem 600 MW Solar- und 1.200 MW Windenergie ausgebaut werden. Insgesamt soll die Abhängigkeit von Energieimporten auf 65 % gesenkt werden und Maßnahmen zur Energieeffizienz, bspw. im Gebäudesektor, umgesetzt werden. [98]

Ende 2018 lag die Gesamtleistung der in Jordanien installierten erneuerbaren Energiequellen bei 1.130 MW; sie erzeugten etwa 11 % des Gesamtverbrauchs an elektrischer Energie. [99] Das Ausbauziel für die regenerative Stromgewinnung Ende 2020 wurde auf 2400 MW angehoben. [100]

Mexiko

Die mexikanische Regierung plant die Erhöhung des Erneuerbaren-Energien-Anteil im Stromsektor von 16 % (2016) auf 50 % im Jahr 2050. [101]

Norwegen

Die norwegische Stromerzeugung basiert nahezu vollständig auf Wasserkraft. 2008 lag ihr Anteil am erzeugten Strom bei 99 %. In den letzten Jahren kam Windkraft hinzu, die 2017 auf einen Anteil von etwa 2 % kam. [102] [103] Die Gesamtleistung der Windkraftanlagen in den 33 Windparks lag 2017 bei 1.188 Megawatt [102] [104] und stieg 2018 auf 1.595 Megawatt. [103] 2020 begann der Bau eines offshore-Windparks, der mit insgesamt 88 Megawatt der weltgrößte schwimmende Windpark werden soll. [105] Ferner ist ein Ausbau der offshore-Windenergie mit einer weiteren Kapazität von 4,5 Gigawatt geplant. [106]

Mit verschiedenen Maßnahmen arbeitet das Land darauf hin, CO2-neutral zu werden. In Norwegen existiert die höchste Dichte an Elektroautos pro Person. Ab 2025 soll die Neuzulassung von Autos mit Verbrennungsmotor verhindert werden, [107] wobei eher auf Anreize als auf ein striktes Verbot gesetzt werden soll. [108]

Österreich

Wasserkraft ist der größte regenerative Energieträger zur Stromerzeugung in Österreich.
Holzvergasungsanlage zur Deckung des Wärme- und Strombedarfs in Güssing

Die Energieerzeugung in Österreich ist traditionell auf Grund der geographischen Gegebenheiten stark geprägt durch erneuerbare Energien, insbesondere Wasserkraft. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch lag im Jahr 2018 bei 33,4 %, im Stromsektor lag ihr Anteil bei 77 % der Inlandsproduktion. [109] Auf Grund des Atomsperrgesetzes sind in Österreich keine Kernkraftwerke in Betrieb.

Die inländische Energieerzeugung macht aber in Summe nur 31 % des österreichischen Gesamtenergieverbrauchs, d. h. in den drei Sektoren Verkehr, Strom und Wärme aus. Der Gesamtenergieverbrauch wird gedeckt durch circa 42 % Öl, 23 % erneuerbare Energien, 23 % Gas und 12 % Kohle. Relativ zum Gesamtenergieverbrauch erhöhte sich der Anteil erneuerbarer Energieträger in den letzten 20 Jahren nur um zirka einen Prozentpunkt. Er soll nach EU-Vorgaben bis 2020 auf 35 % zulegen. [110] Insbesondere im Bereich der Ökostromanlagen ist jedoch kein Trend zur Energiewende erkennbar – der tatsächliche Ökostromanteil nimmt in Österreich stetig ab. Auch wenn die Stromerzeugung durch Ökostromanlagen laufend wächst (von 37 TWh 1997 auf 45,4 TWh 2010) sinkt der relative Anteil der Ökostromanlagen am Gesamtenergieverbrauch (von 66 % 1997 auf 61 % 2010). Die von der EU in der Richtlinie 2001/77/EG für Österreich vorgeschriebenen Ziele für den Anteil an erneuerbaren Energien am (Brutto-)Stromverbrauch von 78,1 % für 2010 wurden somit deutlich verfehlt. Österreich droht daher ein Vertragsverletzungsverfahren, welches am 20. November 2013 eingereicht wurde. [111] [112] 2017 einigte sich die österreichische Regierung darauf, den Stromsektor bis 2030 auf 100 % erneuerbare Energien umzustellen; ein Ziel das Österreich bereits bei der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 zugesagt hatte. [113]

Im Osten Österreichs wird die Windenergie stark ausgebaut. Insgesamt waren Ende 2020 1.307 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 3.120 MW in Betrieb. [114] Das Regelarbeitsvermögen der Windkraftanlagen lag 2017 bei mehr als 7 TWh, was etwa 11 % des österreichischen Strombedarfs entspricht. [114] Der größte Teil dieser Anlagen steht in den Bundesländern Niederösterreich (Ende 2020: 1.699,5 MW) und Burgenland (1.103,7 MW). [114] Das Burgenland erreichte im März 2013 erstmals die rechnerische Stromautarkie. [115] Seit 2015 wird auch der in Niederösterreich verbrauchte Strom vollständig aus erneuerbaren Energien gewonnen. [116]

Polen

In Polen dominiert Kohle den Energiesektor. Der Anteil von Stein- und Braunkohle an der Stromerzeugung lag im Jahr 2017 bei 78 %, gefolgt von erneuerbaren Energien (14 %, davon Windkraft 9 %), Gas und andere (8 %). [117] Kohle ist die größte Quelle für polnische Treibhausgasemissionen (64 %). [118] Der Ausstieg Polens aus der Kohleverstromung ist deshalb der Hauptbeitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende. Über Kernkraftwerke verfügt Polen bisher nicht. Drei große polnische Gewerkschaften hatten von der polnischen Regierung gefordert, bei der UN-Klimakonferenz in Katowice 2018 den Schwerpunkt auf "Klimaneutralität" statt auf "Dekarbonisierung" zu legen. Sie forderten neben der Emissionsreduzierung in gleichem Maße für Klimaneutralität durch CO2-Absorption durch Böden, Wälder und Moore zu sorgen. [119] Polnische Kohle ist jedoch im Vergleich zu importierter Kohle nicht wettbewerbsfähig. [120] Die polnische Regierung (nachdem sie zunächst auf einen Ausstiegsjahr 2036 orientierte) vereinbarte Ende September 2020 mit Bergarbeitergewerkschaften, bis zum Jahr 2049 alle Kohlebergwerke Polens zu schließen. [121] [122]

Rumänien

Fossile Energiequellen mit 29 % Erdöl, 29 % Erdgas und 15 % Kohle haben dominate Anteile an der Energieproduktion in Rumänien (2018). Mit einem Anteil von 9 % trägt die Kernenergie ebenfalls wesentlich zur Energieversorgung bei. Bei erneuerbare Energien dominiert die Bioenergie (12 %) gefolgt von Wasserkraft (4 %) sowie Sonnen- und Windenergie (2 %). [123]

Der Nationale Energie- und Klimaplan Rumäniens sieht bis 2030 die Steigerung der erneuerbaren Energien auf 32 % des Endenergieverbrauchs vor. [124] Die Energieeffizienz soll um 32,5 % verbessert werden. Der Primärenergieverbrauch soll bis 2030 um 45,1 % sinken und der Endenergieverbrauch um 40,4 % bezogen auf das Jahr 2007. Die Stromproduktion mittels Photovoltaik soll von 2020 bis 2030 um 130 % steigen (Zubau von 3.692 MW) und die mittels Windkraftanlagen an Land um 60,7 % (Zubau 2.302 MW). Damit sollen schrittweise Kohlekraftwerke stillgelegt werden. Die auf Braunkohle basierenden Kraftwerke in den Kreisen Hunedoara ( Kraftwerk Rovinari) and Gorj (Kraftwerk Rovinari) emittieren etwa 90 % der Treibhausgase, die auf der Kohleverstromung in Rumänien zurückzuführen sind, und 30 % der Treibhausgasemissionen, die durch den Energiesektor und die Industrie bedingt sind. Hiermit sind 18.600 Arbeitsplätze direkt und weitere 10.000 verbunden, so dass der Ausstieg aus der Kohleverstromung in diesen Regionen arbeitsmarktpolitisch herausfordernd ist. Ferner ist ein Ausbau bei der Kernenergie in Rumänien geplant (Zuwachs um 675 MW).

Russland

Fossile Energien und Kernenergie sind für die Russische Föderation von größter wirtschaftlicher und politischer Bedeutung. Dementsprechend sind Schritte in Richtung Energiewende sehr klein. [125] Fossile Energiequellen mit 54 % Erdgas, 20 % Erdöl und 16 % Kohle haben dominanten Anteil an der Engergieproduktion in Russland, gefolgt von 7 % Kernernergie (Jahr 2018). Die verbleibenden 3 % werden durch Wasserkraft (2 %) und Bioenergie (1 %) bereitgestellt. Erneuerbare Energien wie Wind- und Sonnenenergie sind bisher von marginaler Bedeutung (0,02 %). [126]

Am weltweit größten Erdgasförderunternehmen Gazprom, einem der größten Arbeitgeber des Landes, hält der russische Staat die Mehrheit der Aktien. Das Unternehmen lebt zu einem Großteil von Erdgasexporten nach Europa. Anfang April 2020 hat Russlands Regierung die "Energiestrategie bis 2035" verkündet. Bevorzugt werden weiterhin die fossilen Energierohstoffe Kohle, Erdöl und Erdgas. Fossile Energieträger sollen nach diesem Konzept bis 2035 einen Anteil von über 92 % an der Primärenergieerzeugung behalten. [127] Die "Energiestrategie bis 2035" sieht den Ausbau der Kernkraft vor. Das Potenzial der Stromerzeugung mit großen Wasserkraftwerken ist aufgrund natürlichen Gegebenheiten weitgehend ausgeschöpft. Zahlenmäßig erfasst werden unter den erneuerbaren Energien "sonstige Naturstoffe", also Biomasse (Holzpellets) und kommunaler Müll sowie landwirtschaftliche und industrielle organische Abfälle, deren Aufkommen die Energiestrategie mit rund einem Prozent der gesamten Energieerzeugung als konstant bleibend darstellt.

Für die künftige Entwicklung von Sonnen- und Windenergie, kleiner Wasserkraft, Erdwärme und Gezeitenenergie gibt es in der "Energiestrategie bis 2035" keine zahlenmäßigen Angaben. Einen Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel sollen und können diese Energieformen nach der in der Energiestrategie vertretenen Auffassung nicht leisten. Am 23. März 2020 publizierte das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung den Entwurf einer "Strategie der langfristigen Entwicklung der Russischen Föderation mit niedrigem Niveau der Treibhausgase bis 2050". [128] Es wird darin festgestellt, dass das Potential der nichttraditionellen erneuerbaren Energien (Photovoltaik, Windenergie …) das Fünffache der gegenwärtigen Stromerzeugung beträgt. Gemäß dem Basisszenario der Strategie wird ihr Anteil an der Stromerzeugung allerdings nur auf 1,9 % im Jahr 2030 und 4,4 % im Jahr 2050 prognostiziert.

Saudi-Arabien

Die saudi-arabische Regierung plante mit Stand 2013 bis 2032 insgesamt 100 Mrd. Dollar an Investitionen in die Solarenergie. Es sollen 41 GW an Photovoltaik installiert werden. Bis 2023 sollen insgesamt 9.500 Megawatt an Wind- und Solarparks installiert werden. So sollen zehn Prozent der installierten Erzeugungskapazitäten aus erneuerbaren Energien bestehen. 2013 verfügte das Land lediglich über 16 MW an Photovoltaik. Eine erste Windkraftanlage wurde Anfang 2017 errichtet. [129] [130] [131]

Im März 2018 wurden von dem Unternehmen Softbank und dem saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman deutlich umfangreichere Ausbaupläne für die Photovoltaik vorgestellt. Demnach soll in Saudi-Arabien bis 2030 ein Solarpark entstehen, der nach und nach auf eine Leistung von 200 GW ausgebaut wird. Die Investitionssumme für das Projekt wird mit ca. 200 Mrd. Dollar angegeben. Gegenüber dem gegenwärtigen, aus Öl und Gas bestehenden Strommix Saudi-Arabiens, soll der Solarstrom etwa 40 Mrd. Dollar an Stromkosten einsparen. [132]

Schweden

Im Juni 2016 einigten sich die regierenden Sozialdemokraten und Grünen mit den Oppositionsparteien der Christdemokraten, der Moderaten und der Zentrumspartei auf den Ausbau der erneuerbaren Energien auf 100 % bis 2040. [12] [133] Bereits 2017 deckte das Land 58 % seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energiequellen. [134] Etwa 40 Prozent des in Schweden produzierten Stroms stammt aus Kernenergie. Im Energieabkommen von 2016 einigten sich Regierung und Opposition darauf, dass die Stromproduktion bis 2040 zu 100 Prozent fossilfrei sein sollte, indem 4 der 10 Kernreaktoren bis 2020 abgeschaltet würden und man den Rest des Atomkraftausstiegs dem Markt überlassen wolle. [135]

Im April 2020 wurde das letzte schwedische Kohlekraftwerk stillgelegt, zwei Jahre früher als geplant. [136] [137]

Schweiz

Aufgrund des hohen Wasserkraftanteils von rund 60 % ist die Stromproduktion in der Schweiz bereits vergleichsweise nachhaltig. Da der Stromverbrauch aber nur 24 % des Gesamtenergieverbrauchs ausmacht, sind Mobilität/Logistik und Wärmeproduktion sehr viel relevanter für die Bilanz der Nachhaltigkeit, da die entsprechende Nachfrage primär durch fossile Brennstoffe befriedigt wird. [138]

Für die Energieproduktion aus Kernkraft ist die Schweiz von ausländischen Uran-Zulieferern abhängig, die teilweise beschuldigt werden, große Umweltschäden in den Abbaugebieten zu verursachen. [139] Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima haben Bundesrat und Parlament den Atomausstieg im Grundsatz beschlossen [140]. Derzeit sind fünf Schweizer Atomkraftwerke am Netz, die 35 % der Schweizer Stromproduktion realisieren. Bisher wurden keine verbindlichen Termine zur Abschaltung der Atomkraftwerke ausgehandelt. Dies gilt auch für das Kernkraftwerk Beznau, das neben dem Kernkraftwerk Mühleberg (das am 20. Dezember 2019 abgeschaltet wurde [141]) zu den ältesten der Welt gehört. Gemäß Bundesrat sollen die Atomkraftwerke am Netz bleiben, solange sie sicher sind. [142]

Am 21. Mai 2017 stimmte die Schweizer Bevölkerung der Energiestrategie 2050 mit 58,2 % Ja-Stimmen zu. [143] Dies hat zur Folge, dass der Bau neuer Atomkraftwerke verboten ist. Des Weiteren sollen erneuerbare Energien und die effizientere Nutzung von Energie gefördert werden (siehe Maßnahmen der Energiestrategie 2050).

Der Schweizer Finanzplatz investiert insgesamt viermal mehr Mittel in Firmen, die Strom aus fossilen Quellen erzeugen, als in Produzenten von erneuerbarem Strom (Stand 2020). [144]

Slowakei

Fossile Energien mit 24 % Erdgas, 23 % Erdöl und 20 % Kohle haben neben 22 % Kernenergie dominate Anteile an der Energieproduktion in der Slowakei (Jahr 2017). Der Anteil erneuerbarer Energien beträgt 11 %. Er soll nach den Plänen der Regierung bis 2030 auf 19 % gesteigert werden. [145] Die Stromproduktion erfolgte 2018 zu 54,7 % aus Kernenergie, gefolgt von fossiler Energie mit 21,7 % und Wasserkraft mit 14,4 %. [146] Nach den Plänen der Regierung soll bei der Stromproduktion die Kernkraft zunehmend dominieren gefolgt von Beiträgen aus den erneuerbaren Quellen der Wasserkraft (4.822 GWh/a im Jahr 2030) und Bioenergie (2.540 GWh/a). Photovoltaik und Windkraft sollen nach diesen Plänen auch im Jahr 2030 vergleichsweise geringe, aber besonders bei der Windkraft markant steigende Beiträge leisten (von 530 GWh im Jahr 2019 steigend auf 1.260 GWh im Jahr 2030 bei Photovoltaik und von 5,5 GWh/a steigend auf 1.000 GWh/a bei Windkraft). [145]

Die Slowakei muss den größten Teil des Energiebedarfs durch Importe decken. Einheimische Energiequellen sind Kohle und erneuerbare Energien. Auch Kohle wird zu 68 % importiert. Die Energiegewinnung aus einheimischer Kohle ist für das Land ein Verlustgeschäft. Deshalb sollen bereits 2023 alle Kohlekraftwerke stillgelegt werden. Stattdessen soll die Nutzung der Kernenergie verstärkt werden. [147] Beim Neubau von Kernkraftanlagen ist jedoch die Rentabilität problematisch. [148]

Südkorea

Der südkoreanische Präsident Moon Jae In kündigte im Juni 2017 an, Südkorea werde innerhalb der nächsten 40 Jahre komplett aus der Atomkraft aussteigen. Darüber hinaus kündigte Moon Jae In an, zehn Kohlekraftwerke bis 2021 schließen und keine neuen Kohlekraftwerke bauen zu wollen. Der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix soll bis 2030 von 6,6 auf 20 % gesteigert werden, gleichzeitig soll der CO2-Ausstoß um 37 % gesenkt werden. [149]

Spanien

Windpark in Spanien

Mit einem Anteil von 32 % an der Stromerzeugung im Jahr 2012 liegt der Anteil der erneuerbaren Energien in Spanien europaweit auf hohem Niveau. Dies ist vor allem auf die große Bedeutung der Wasserkraft sowie der Windenergie zurückzuführen. Die Wasserkraft (ohne Pumpspeicher) trug mit 7,6 % zur Gesamtstromerzeugung, die Windenergie (41,8 TWh 2011 [150]) kam 2012 auf einen Anteil von 18,2 % und lag damit hinter der Kernenergie (22,1 %) und GuD-Kraftwerken (19,3 %) auf dem dritten Platz in der Erzeugungsstatistik. Vergleichsweise geringe Bedeutung haben dagegen die Erzeugung aus Biomasse (1,8 %) sowie aus Solarenergie (4,3 %), die wiederum in Photovoltaik (3 %) und Solarthermische Kraftwerke (1,3 %) aufgeteilt werden kann. [151]

Im Jahr 2013 war die Windenergie nach vorläufigen Zahlen des Netzbetreibers Red Eléctrica de España der wichtigste spanische Stromproduzent. Mit einem Anteil von 21,1 % lag sie demnach knapp vor der Kernenergie mit 21,0 %, der Kohlekraft mit 14,6 % und der Großwasserkraft (14,4 %). [152]

Die Nutzung der Wasserkraft hat in Spanien wie in vielen Staaten mit entsprechenden Ressourcen eine lange Tradition. Die Entwicklung der Windenergie begann Mitte der 1990er Jahre, als staatliche Förderungen eingeführt wurden. Zudem sind die geographischen Bedingungen für die Windkraft günstig, Widerstände durch die Bevölkerung sind – unter anderem auch durch die geringe Siedlungsdichte – selten. [153] Ende 2012 waren in Spanien Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 22,8 GW installiert, womit Spanien hinter China, den USA und Deutschland weltweit auf dem vierten Rang lag. [154]

Die Photovoltaik, die zuvor ein Nischendasein fristete, erfuhr 2007 einen starken Anstieg, nachdem zuvor von der Regierung Zapatero eine Einspeisevergütung eingeführt worden war, die den Investoren hohe Renditen garantierte. Anschließend wurde die Solarförderung durch ein Moratorium wegen der großen Nachfrage auf eine bestimmte Anzahl von Sonnenstunden pro Jahr und eine Laufzeit von 25 Jahren begrenzt. Ende 2012 führte die konservative Regierung Rajoy eine Stromsteuer auch für Solarenergie ein und kündigte weitere Renditesenkungen an. Laut einem Bericht der EU-Kommission von 2012 sind hierfür jedoch vor allem „exzessive“ Ausgleichszahlungen für bereits abgeschriebene Kernkraftwerke und für die unrentablen spanischen Kohlebergwerke verantwortlich. [155] Zukünftig sollen Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen zusätzlich zu den Strommarktpreisen eine zusätzliche Zahlung und eine Investitionszulage erhalten. Damit soll eine „vernünftige Rentabilität“ ermöglicht werden. [156]

Nachdem der Ausbau der erneuerbare Energien unter der Vorgängerregierung zeitweise fast zum Erliegen gekommen war, kündigte die sozialdemokratisch geführte Regierung 2018 an, dass die Stromversorgung in Spanien bis 2050 vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden soll. Ebenfalls bis 2050 sollen die Treibhausgasemissionen um 90 % reduziert werden, kurze Zeit darauf soll die vollständige Dekarbonisierung der Wirtschaft erreicht werden. Ein Enddatum für den Kohleausstieg und den Atomausstieg wurde nicht verlautbart, jedoch sollen keine neuen Genehmigungen mehr für Projekte zur Förderung fossiler Energieträger erteilt werden. Um die Ziele zu erreichen, sollen im kommenden Jahrzehnt pro Jahr mindestens je 3000 MW Wind- und Solarenergie installiert werden. Ab 2040 sollen zudem keine neuen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zugelassen werden. [157]

Das spanische Unternehmen Gamesa gehört zu den weltweit größten Herstellern von Windkraftanlagen. Die Unternehmen Iberdrola, Acciona und EDP Renováveis sind weltweit aktive Unternehmen, die auch weltweit Windparks entwickeln und betreiben. Außerdem gehören ihnen etwa die Hälfte aller spanischen Windkraftwerke.

Taiwan

Windkraftanlagen vor Kaohsiung (2009)

Der Anteil erneuerbarer Energien an der gesamten Energieerzeugung Taiwans (der Republik China) war bis vor wenigen Jahren noch gering und lag bei etwa 5 bis 10 Prozent. Die Energieversorgung von Taiwan wurde bisher durch das weitgehend in staatlichem Besitz befindliche Unternehmen Taiwan Power Company („Taipower“) gewährleistet. Seit Ende der 1970er Jahre/Anfang der 1980er Jahre waren auch drei Kernkraftwerke in Betrieb (siehe dazu Kernenergie in Taiwan). Eine weiteres viertes Kernkraftwerk wurde weitgehend fertiggestellt, ist aber bisher nicht in Betrieb gegangen, da in Taiwan seit den 1990ern eine engagierte Anti-Atomkraft-Bewegung herangewachsen ist, deren Proteste und Lobbyismus dies verhindert haben. Insbesondere seit der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 sind die Kernkraftbefürworter stark in die Defensive geraten. Politiker alle Couleur betonten die Notwendigkeit des Ausbaus regenerativer Energien. [158] Bei der Parlamentswahl 2016 gewann die kernkraftkritische Demokratische Fortschrittspartei (DPP) die absolute Mandatsmehrheit und zugleich wurde die DPP-Kandidatin Tsai Ing-wen ins Präsidentenamt gewählt. Am 20. Oktober 2016 verabschiedete die taiwanische Regierung einen Plan, nach dem Taiwan bis zum Jahr 2025 vollständig aus der Kernenergierzeugung aussteigen soll. [159] Der Plan sah einen deutlichen Ausbau der Solarstromproduktion bis zum Jahr 2025 auf 20 GW vor. Weitere 3 GW sollten durch Windenergie in Offshore-Windparks erzeugt werden. [160] In den Jahren 2014–2016 wurden zwei der drei laufenden Kernkraftwerke abgeschaltet. [161]

Thailand

Bisher ist Thailand in hohem Maße von Energieimporten abhängig. Aus Öl, Gas und Kohle werden mit Stand 2012 über 80 % des Stromes erzeugt. Zusätzlich wird eine Verdopplung des Strombedarfes bis 2022 erwartet. Die Regierung will deshalb den Anteil der erneuerbaren Energien im Stromsektor bis 2021 auf 25 % steigern. Dies soll unter anderem mit einer Stromeinspeiseverordnung passieren. Als Erfolg davon wird die Inbetriebnahme des Solarparks Nakhon Ratchasima mit einer installierte Leistung von 7,5 MW angesehen. [162] Bis zum Jahr 2036 soll der Anteil an erneuerbaren Energien bei 30 % liegen. [163]

Tschechische Republik

Fossile Energien mit 33 % Kohle, 22 % Erdöl und 17 % Erdgas haben neben 18 % Kernenergie dominate Anteile an der Energieproduktion in der Tschechischen Republik. Erneuerbare Energien und hier vor allem die Bioenergie haben eine Anteil von 10 % (Jahr 2019). Wasserkraft (0,4 %) sowie Wind- und Sonnenenergie sind bisher von marginaler Bedeutung. [164]

Der Nationale Energie- und Klimaplan der Tschechischen Republik sieht bis 2040 die Reduktion der Kohleverstromung um etwa den Faktor drei (von 50 % im Jahr 2016 auf 11 – 21 %) und die Verdopplung der Stromproduktion mittels Kernenergie (von 29 % auf 46 % – 58 %) als auch eine Verdopplung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energiequellen (von 13 % auf 18 – 25 %) vor. Bis 2030 soll die Elektrizität aus Photovoltaik etwa verdoppelt (von 7.673 TJ im Jahr 2016 auf 15.077 TJ) und aus Windenergie verdreifacht (von 1.867 TJ im Jahr 2016 auf 6.460 TJ) werden, während das Niveau der Stromproduktion aus Bioenergie erhalten bleiben soll bei Werten um 17.000 TJ und damit als erneuerbare Energiequelle dominant bleiben soll. [165]

Tunesien

Die Regierung plant eine Erhöhung der installierten Leistung von Erneuerbare-Energien-Anlagen von 300 MW (Anfang 2017) auf 4.700 MW im Jahr 2025. [24]

Türkei

Im Februar 2017 wurde berichtet, dass die Türkei eine Photovoltaikanlage mit einem Gigawatt installierter Leistung ausschreiben möchte. Diese soll bei Karapınar in der Provinz Konya im Süden des Landes entstehen. Im Zuge dessen ist vor Ort die Errichtung eines Solarenergiezentrums, eine Modulfabrik und ein Photovoltaik-Forschungszentrum geplant. Der in der Ausschreibung ermittelte Preis soll für 15 Jahre gewährt werden. Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren Das Gesetz dazu wurde am 9. Oktober 2016 im Parlament verabschiedet. [24]

Ungarn

Fossile Energiequellen mit 33 % Erdgas, 31 % Erdöl und 8 % Kohle haben neben 17 % Kernenergie dominate Anteile an der Energieproduktion in Ungarn. Erneuerbare Energien und hier vor allem die Bioenergie haben einen Anteil von 11 % (Jahr 2019). Wasserkraft (0,08 %) sowie Wind- und Sonnenenergie sind bisher von marginaler Bedeutung. [166] Von ehemals elf Kohlekraftwerken ist in Ungarn im Jahr 2020 nur noch eins am Netz (Mátrai Erőmű). Es produziert 13 Prozent des ungarischen Stroms. 40 % des Stroms wird mit Kernenergie produziert. 2030 ist mit dem Ausbau der Kernenergie der Ausstieg aus der Kohleverstromung geplant. [167] Das Potenzial zur Energieeinsparung und Effizienzsteigerung wird auf 20 bis 30 % geschätzt. [168]

Der Nationale Energie- und Klimaplan Ungarns sieht bis 2030 die Steigerung der erneuerbaren Energien von 14 % des Gesamtstromverbrauchs (Jahr 2016) auf 20 % vor. Für die Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen (mehr als 6.500 GWh/a) soll vorwiegend (70 %) Photovoltaik genutzt werden, wobei die installierte Leistung von 168 MW (Jahr 2015) auf 6.645 MW im Jahr 2030 gesteigert werden soll. Für die Wärmeerzeugung und Kühlung wird vor allem auf Bioenergie (von 375 MW im Jahr 2015 auf 529 MW im Jahr 2030) und in geringem Maße auch auf Geothermie (von Null auf 20 MW) gesetzt. Beim Verkehr wird auf Biokraftstoffe und Elektromobilität auf der Grundlage erneuerbarer und Kernenergie orientiert. [169] Ein wichtiges Ziel der ungarischen Energiepolitik ist neben dem Klimaschutz die Verringerung der Abhängigkeit von Importen fossiler Energiequellen. Zwischen 2025 und 2030 ist in Kooperation mit Russland der Bau des Kernkraftwerks Paks 2 mit zwei neuen Blöcken von jeweils 1.200 MW Leistung geplant. Damit soll die Kernenergieproduktion in Ungarn verdoppelt und die Kohleverstromung beendet werden.

USA

Im Jahr 2016 wurde von der Obama-Administration der Klimaplan 2050 beschlossen, der auf Basis des Jahre 2005 eine CO2-Reduktion um 80 % bis 2050 vorsieht. Erreicht werden soll dieses Ziel durch eine Verringerung des Primärenergieverbrauchs um 20 Prozent, durch eine Stromerzeugung, die zu 55 Prozent auf erneuerbaren Energien basiert, sowie durch die Nutzung der CCS-Technik für Kohlekraftwerke. [170]

Das Engagement der USA beim Ausbau erneuerbarer Energien ist heterogen von Bundesstaat zu Bundesstaat, von Stadt zu Stadt und es ist in absoluten Zahlen beachtlich: [171] Die USA liegen hinsichtlich der Investitionen für erneuerbare Energien auf Rang 3 (17 % der weltweiten Investitionen) nach China (32 %) und Europa (21 %), ebenso hinsichtlich der Stromproduktion mit erneuerbaren Energien (188 GW, nach China mit 404 GW und Europa mit 339 GW). Bei der geothermalen Stromproduktion sind die USA führend (2,5 GW, 16,7 TWh) ebenso wie bei der Produktion von Biokraftstoffen. Unter den Bundesstaaten nimmt Kalifornien eine Vorreiterrolle ein. Hier wurde 2018 beschlossen, dass bis 2045 der Strom zu 100 % aus erneuerbaren Energien geliefert werden muss. [172] Einige US-amerikanische Städte, wie Burlington (Vermont), Georgetown (Texas) und Rock Port ( Missouri) werden bereits (2019) zu 100 % mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt, die Großstadt Seattle zu über 70 %. Voraussichtlich werden die USA im Jahr 2020 zum ersten Mal mehr elektrische Energie aus erneuerbaren Energien gewinnen als aus Kohlekraftwerken. [173]

Vereinigtes Königreich

Eine Stromtrasse vor einem Windpark nahe Rye, Ost Sussex, England

Großbritannien hat sich das Ziel gesetzt, bis 2050 den Kohlenstoffdioxidausstoß gegenüber 1990 um 80 % zu reduzieren. [174] Zudem soll bis in die 2030er Jahre der Elektrizitätssektor dekarbonisiert, d. h. CO2-frei werden. [60] Um die Umstellung zu fördern, wird auf die Produktion von Kohlendioxid ein Mindestpreis von £18,08/Tonne (20,32 Euro/Tonne) erhoben. Dieser Mindestpreis wird zusätzlich zu den sich aus dem EU-Emissionshandel ergebenden Kosten berechnet und soll unter den aktuellen Marktbedingungen hoch genug sein, um einen Umstieg von emissionsintensiven Kohle- auf emissionsschwächere Gaskraftwerke zu bewirken. [175] Unter anderem aufgrund dieser Regelung sowie der Schließung mehrerer Kohlekraftwerke sank der Anteil der Kohleverstromung am britischen Strommix im Jahr 2016 auf 9,2 %. 2015 waren es noch 22,6 % gewesen. Großbritannien hat seinen Kohlestromanteil von 143 TWh im Jahr 2012 auf 7 TWh im Jahr 2019 reduziert. [176] Bis spätestens 2025 will Großbritannien gänzlich aus der Kohleverstromung aussteigen. [177]

In Großbritannien sind Offshore-Windparks mit knapp 5,2 GW (Stand: 2016) im Betrieb, was gut einem Drittel der weltweit installierten Offshore-Leistung von etwa 14,4 GW entspricht. Ein großer Anteil dieser Windparks steht auf Flächen, die im Besitz der britischen Krone, dem Crown Estate, sind. Zusammen mit den an Land errichteten Turbinen waren Ende 2014 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 14,5 GW installiert, womit Großbritannien nach installierter Leistung weltweit auf Platz sechs rangierte. [33] Diese lieferten 2016 ca. 11,5 % des britischen Strombedarfs. [177]

Nachdem die Förderung der erneuerbaren Energien zunächst auf einer Quotenregelung („Renewables Obligation“) basiert hatte, wobei allerdings die Ausbauziele immer wieder verfehlt wurden, stellte man das Fördersystem auf Einspeisevergütung um. [178] Die mangelnde Versorgungssicherheit sowie der Ausfall existierender Kraftwerkskapazität sind Gegenstand verschiedener Kontroversen. [179] Großbritannien gibt der Kernenergie einen Anteil an der zukünftigen Energieversorgung, weshalb EDF zwei neue Reaktoren Hinkley Point C1 und C2 bauen und betreiben soll. [180]

2013 veröffentlichte die Regierung eine neue Solarstrategie, mit der in den nächsten zehn Jahren die Solarkapazität von 2,5 auf 20 Gigawatt gesteigert werden soll. [181]

Im August 2015 kündigte die Regierung an, die Förderung von Photovoltaikanlagen um 90 Prozent zu kürzen. [182]

Anders als in Deutschland sollte in Großbritannien die Energiewende nicht mit dem Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie verbunden werden. Ursprünglich sollte durch den Neubau von mehreren Kernkraftwerken die in den nächsten Jahren anstehe Stilllegung zahlreicher alter Kernkraftwerke ausgeglichen werden. Im Mai 2012 hat die Regierung daher beschlossen, durch langfristig festgelegte Strompreise den Bau neuer Atomkraftwerke zu subventionieren. [183] Allerdings ziehen sich wegen der hohen Kosten der Kernkraft und der immer weiter sinkenden Kosten von Windkraft und Fotovoltaik immer mehr Investoren wegen fehlender Wirtschaftlichkeit aus den geplanten Kernkraftprojekten zurück. [184] Nachdem sich RWE, E.ON, Toshiba und Hitachi trotz großzügiger Subventionsangebote aus verschiedenen Bauprojekten zurückgezogen haben, ist Hinkley Point C mittlerweile das letzte der ursprünglich fünf angekündigten Kernkraftwerke, das tatsächlich gebaut wird. [184] Die Subventionen für Hinkley Point C betragen über 100 Mrd. € und die garantierten Abnahmepreise liegen beim Dreifachen der Kosten für Onshore-Wind und Freiflächen-Fotovoltaik. [185] Wegen der hohen Kosten der Kernkraft zeichnet sich ein Umdenken in Richtung eines stärkeren Ausbaus Erneuerbarer Energien ab. [186] Im Jahr 2020 lag der Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung bereits bei über 40 %, nachdem er nur zehn Jahre zuvor noch bei 7 % lag. [187]

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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