√úberschwemmung Information

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Hochwassereinsatz des THW

Als √úberschwemmung bezeichnet man einen Zustand, bei dem eine normalerweise trockenliegende Bodenfl√§che vollst√§ndig von Wasser bedeckt ist. Flutkatastrophen waren neben besonders starken Erdbeben bislang die f√ľr Menschen folgenreichsten Naturkatastrophen.

Ursachen von √úberschwemmungen

√úberschwemmungen sind meistens Naturereignisse:

Bei der Flutkatastrophe von 1953 √ľberschwemmte Gebiete im M√ľndungsdelta von Maas, Rhein und Schelde
  • Sturmfluten schieben Meerwasser √ľber Flussm√ľndungen dort, wo es keine Sperrwerke gibt, tief ins Binnenland hinein sowie √ľber Deiche an der K√ľste und an k√ľstennahen Flussabschnitten hinweg oder bewirken Deichbr√ľche; Tsunamis k√∂nnen auch hoch gelegene, nicht durch Deiche gesch√ľtzte K√ľstenabschnitte √ľberfluten;
M√ľglitz in Schlottwitz am 13. August 2002 w√§hrend des Elbehochwassers
  • Binnengew√§sser treten bei Hochwasser √ľber die Ufer, wenn das Wasser nicht z√ľgig genug ‚Äěnach unten‚Äú flie√üt (als Oberfl√§chenwasser talw√§rts bzw. auf nicht versiegelten B√∂den ins Grundwasser versickernd). Das Hochwasser kann durch ergiebige Niederschl√§ge, aber auch durch den Bruch von D√§mmen oder Staumauern infolge zu hohen Wasserdrucks entstanden sein.
  • Gletscher hindern nachflie√üendes Wasser am Abflie√üen und bilden auf diese Weise einen Eisstausee.
  • Sich f√ľllende Grundwasserreservoirs f√ľhren zu steigenden Wasserst√§nden, wenn das Grundwasser √ľber wasserundurchl√§ssigen Bodenschichten liegt. Es findet dann von unten oder (unterhalb der Erdoberfl√§che) von den Seiten her seinen Weg in tiefliegende Teile von Bauwerken. Dies betrifft vor allem Gebiete mit einem st√§ndig hohen Grundwasserpegel.

Der mangelhafte, teils auch ausbleibende Abfluss großer Wassermassen im Binnenland und auf Inseln kann (zumindest teilweise) von Menschen ausgelöst sein:

  • Die Versiegelung gro√üer Fl√§chen erschwert das Versickern von Oberfl√§chenwasser, das ungehemmt in B√§che und Fl√ľsse gelangt. Allerdings bewirkt Starkregen selbst eine Versiegelung tiefer gelegener Fl√§chen, da er die F√§higkeit zur Aufnahme von Wasser auch in an sich nicht versiegelten B√∂den ab einem bestimmten Zeitpunkt unterbindet; [1]
  • Die Begradigung und Einengung von Fl√ľssen f√ľhrt zu einer Erh√∂hung der Flie√ügeschwindigkeit des Wassers, das schnell tiefer gelegene Gebiete erreicht und dort auf langsamer flie√üendes Wasser an Engstellen aufl√§uft. Es gibt vor allem in Ballungsr√§umen zu wenige Fl√§chen, in denen sich das Wasser ausbreiten kann. Dies f√ľhrt zwangsl√§ufig zu Hochwasser bei starkem Wasserzustrom durch heftige Niederschl√§ge und/oder in gro√üen Mengen nachr√ľckendes Oberfl√§chenwasser.
Wien, Schwarzenberg­br√ľcke mit Hochwasser- Verklausung (1897)
  • Zusammengebrochene Konstruktionen oder Treibgut k√∂nnen sich an Br√ľcken, Sperrwerken, Rechen oder √úberl√§ufen, bzw. Abl√§ssen verkanten und dadurch einen Wasserstau ausl√∂sen ( Verklausung);
  • Auch in gro√üer Entfernung zu gr√∂√üeren Fl√ľssen kann es zu (meist lokale begrenzten) √úberschwemmungen kommen. Zumeist sorgen hier Starkregenf√§lle daf√ľr, dass die Kanalisation und Entw√§sserungsgr√§ben die Wassermassen nicht bew√§ltigen k√∂nnen. Zur Zwischenlagerung von Wassermassen geschaffene Einrichtungen wie Regenr√ľckhaltebecken oder geplante √úberschwemmungsfl√§chen erweisen sich oft als unterdimensioniert. In den genannten F√§llen ist ein Hauptgrund f√ľr den Eintritt von √úberschwemmungen, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit und die Wirkung von Starkregenereignissen untersch√§tzt werden; [2]
Gr√∂√üerer Wasserrohrbruch auf der Leopoldstra√üe in M√ľnchen am 11. Januar 2006
Gebrochene Staumauer der Möhnetalsperre nach einem Fliegerangriff am 16./17. Mai 1943 ( Möhnekatastrophe)
  • Obwohl Wasserfluten eine Naturgewalt darstellen, handelt es sich bei einer √úberschwemmung dann nicht um ein ‚ÄěNaturereignis‚Äú, wenn sie durch einen Wasserrohrbruch ausgel√∂st wurde oder wenn Gebiete (insbesondere im Zusammenhang mit Kampfhandlungen) absichtlich unter Wasser gesetzt werden.

Generell stellt sich die Frage, ob Sch√§den durch √úberschwemmungen auf bebauten Grundst√ľcken dann ‚Äěschicksalhaft‚Äú f√ľr Gesch√§digte sind, wenn eine √úberschwemmung durch angrenzende Gew√§sser oder mangelhafte Entw√§sserungssysteme aufgrund der Lage der Schadensfl√§che vorhersehbar ist. Auch m√ľssten sich Bauherren des Risikos bewusst sein, das sie eingehen, wenn sie in einem Gebiet mit einem hohen Grundwasserspiegel Anlagen unterhalb des Erdbodens errichten.

Schädlichkeit von Überschwemmungen

√úberschwemmungen k√∂nnen unter Umst√§nden erhebliche Wassersch√§den am Eigentum von Menschen hervorrufen sowie die Gesundheit und das Leben von Menschen und Nutztieren gef√§hrden. Besteht eine solche Gefahr, so sprechen Rettungskr√§fte von einem Wassernotstand. Zu unterscheiden sind tempor√§re √úberschwemmungen, die durch das Ablaufen oder Hochpumpen des eingedrungenen Wassers enden, von dauerhaften √úberschwemmungen. Letztere drohen insbesondere tiefgelegenen K√ľstengebieten infolge des klimabedingten Anstiegs des Meeresspiegels.

Nicht jede √úberschwemmung stellt jedoch f√ľr Menschen ein Problem dar. So g√§be es z. B. in W√ľstengebieten ohne das regelm√§√üige √úber-die-Ufer-Treten von Fl√ľssen wie dem Nil abseits von Oasen kein fruchtbares Land f√ľr den Acker- und Gartenbau, und unter √∂kologischen Aspekten werden naturbelassene Feuchtgebiete, die regelm√§√üig √ľberschwemmt werden, als √ľberaus wertvoll bewertet.

Auch in Deutschland gibt es Kulturlandschaften, deren Bewohner ihren Wohlstand der Fruchtbarkeit ihres Landes verdanken, welche wiederum durch Sedimente zu erkl√§ren ist, die nach √úberschwemmungen auf dem Boden zur√ľckgelassen wurden. Dies trifft beispielsweise auf das Artland zu, welches gro√üenteils im Hase-Binnendelta liegt.

Wirtschaftliche Aspekte

Der Begriff der √úberschwemmung als wirtschaftlicher Schaden ist zugleich ein Rechtsbegriff, der insbesondere im Zusammenhang mit der Geb√§ude-, Hausrats-, Kfz-Teilkasko- und Betriebsunterbrechungsversicherung relevant ist. Besteht nach diesen Versicherungen Schutz gegen Elementarsch√§den, so wird dabei √ľblicherweise auch das √úberschwemmungsrisiko abgedeckt. Zum Zwecke der Risikoabsch√§tzung und damit der Pr√§mienkalkulation hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft ein geographisches Informationssystem erarbeitet: Das Zonierungssystem f√ľr √úberschwemmung, R√ľckstau und Starkregen (Z√úRS). [3] Grundlage sind statistische Berechnungen des Softwareunternehmens IAWG (Ingenieurhydrologie, Angewandte Wasserwirtschaft und Geoinformatik) in Ottobrunn. [4]

Rechtsprechung

Der Begriff der √úberschwemmung, also eine ‚Äě√úberflutung des Grund und Bodens, auf dem das versicherte Geb√§ude steht (Versicherungsgrundst√ľck)‚Äú, ist nach Ansicht des Bundesgerichtshofes aus der Sicht eines verst√§ndigen Versicherungsnehmers auszulegen. Demnach ist die ‚Äě√úberflutung von Grund und Boden‚Äú dann anzunehmen, wenn sich erhebliche Wassermengen auf der Gel√§ndeoberfl√§che ansammeln. [5] Einschr√§nkend urteilte hingegen das Landgericht Dortmund: [6] Erforderlich sei es, dass die normalerweise trocken liegenden Fl√§che eine Bodenfl√§che im Sinne einer mit dem Erdboden niveaugleichen Fl√§che sei. Wegen fehlender Niveaugleichheit gelten Flachd√§cher oder Balkone nicht als ‚ÄěBodenfl√§chen‚Äú. Sch√§den, welche etwa durch das Eindringen von (Tau-)Wasser √ľber das Dach hervorgerufen wurden, seien daher durch Geb√§udeversicherungen nicht gedeckt. Es fehle bereits an einer √úberflutung, sofern es nicht zu einer Ansammlung von Wasser auf der Gel√§ndeoberfl√§che gekommen ist. Aber auch eine √úberschwemmung von Terrassen gilt nicht als Versicherungsschaden (trotz der Niveaugleichheit mit dem Erdboden). Den Begriff √úberschwemmung fasst das LG N√ľrnberg-F√ľrth weiter. [7]

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Axel Bojanowski: Zehn Fakten zur Flut. Spiegel Online. 6. Juni 2013
  2. ‚ÜĎ Starkregen: Die untersch√§tzte Gefahr. Film-Dokumentation. N3. 7. Oktober 2019. 45 Minuten.
  3. ‚ÜĎ Informationen des GDV ( Memento vom 10. Juni 2016 im Internet Archive), Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V.
  4. ‚ÜĎ Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1 @2 Vorlage:Toter Link/www.kompass-naturgefahren.de
  5. ‚ÜĎ BGH, Urt. v. 20. April 2005 ‚Äď IV ZR 252/03.
  6. ‚ÜĎ LG Dortmund, Urt. v. 4. Juli 2012 ‚Äď 2 O 452/11.
  7. ‚ÜĎ LG N√ľrnberg-F√ľrth, Urt. v. 26. Juli 2012 ‚Äď 8 O 9839/10.

Weblinks