École nationale d’administration Information

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École nationale d’administration
GrĂŒndung 1945
TrÀgerschaft staatlich
Ort Straßburg, Frankreich
PrÀsident Jean-Marc Sauvé
Studierende ungefÀhr 100 (2017)
Mitarbeiter 229
Jahresetat 41,65 Millionen Euro
Website www.ena.fr
Die École nationale d’administration (rechts) in Straßburg

Die École nationale d’administration (ENA, deutsch Nationale Hochschule fĂŒr Verwaltung) ist eine in Straßburg ansĂ€ssige Grande Ă©cole, die traditionell die Elite der französischen Verwaltungsbeamten ausbildet. Sie wurde am 9. Oktober 1945 von Charles de Gaulle ins Leben gerufen, um den Aufbau einer von der Vichy-Vergangenheit unbelasteten Verwaltung zu ermöglichen.

Geschichte

Die GrĂŒndung der ENA war Teil eines Programms zur Reform der französischen Verwaltung, geleitet vom damaligen GeneralsekretĂ€r der Parti communiste français (PCF), Maurice Thorez. Die Schule wurde in Paris eingerichtet, zunĂ€chst an der Adresse 56, rue des Saint-PĂšres, spĂ€ter an der Adresse 13, rue de l’UniversitĂ©.

Édith Cresson setzte als Premierministerin im Zuge der bislang eher halbherzigen Dezentralisierungsbestrebungen 1992 gegen erhebliche WiderstĂ€nde durch, dass die klassische ENA-Ausbildung nach Straßburg verlegt wurde. Sie bezog dort das ehemalige Kloster Sainte Marguerite (ursprĂŒnglich eine Kommende des Malteserordens). Über zehn Jahre hinweg lief der Betrieb der ENA zugleich in Paris und in Straßburg ab, bevor 2005 der Umzug der restlichen Ausbildungseinrichtungen der ENA nach Straßburg abgeschlossen wurde. Damit einher ging auch die Integration des Institut international d’administration publique (IIAP) in die ENA.

Die Pariser GebĂ€ude wurden von der Sciences Po Paris (frĂŒher bekannt als Institut d’études politiques de Paris/ IEP Paris) ĂŒbernommen. Die meisten ENA-Studenten sind Absolventen der Sciences Po. [1]

Zulassung

Die ENA ist geprĂ€gt von den historischen UmstĂ€nden ihrer GrĂŒndung, insbesondere vom Geist derer, die – oftmals aus der RĂ©sistance kommend – den Wiederaufbau Frankreichs ĂŒbernahmen. Vor 1945 hatte es keine zentrale AusbildungsstĂ€tte fĂŒr die höheren französischen Verwaltungsbeamten gegeben. Um den Zugang zur ENA so gerecht und transparent wie möglich zu gestalten, wurde ein rigoroser Concours als Zulassungsverfahren eingefĂŒhrt. Von jĂ€hrlich etwa 3000 Bewerbern bestehen 120 das strenge Auswahlverfahren. Viele der auslĂ€ndischen Studenten an der ENA sind Deutsche, die vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) ein Stipendium erhalten. Die ENA kooperiert mit mehreren auslĂ€ndischen Hochschulen; Kooperationspartner in Deutschland sind die Bundesakademie fĂŒr öffentliche Verwaltung (BAKÖV), die Deutsche UniversitĂ€t fĂŒr Verwaltungswissenschaften Speyer, die UniversitĂ€t Potsdam und die FĂŒhrungsakademie des Landes Baden-WĂŒrttemberg.

Ausbildung

Aufgabe der ENA ist es, den zukĂŒnftigen höheren Verwaltungsbeamten eine fachĂŒbergreifende Ausbildung zukommen zu lassen. Die Gesamtdauer der Ausbildung ist 24 Monate. Die Schulzeit wird in drei Module geteilt: Modul „Europa“ mit 27 Wochen Dauer, davon 17 Wochen in Form eines Praktikums in europĂ€ischen und internationalen Institutionen; Modul „Territoire“ (Staatsgebiet) mit 33 Wochen Dauer, davon 22 Wochen Praktikum in einer PrĂ€fektur oder einer Gebietsverwaltung; Modul „Gestion et management publics“ (Verwaltung und Management), 27 Wochen, davon 15 Wochen Praktikum in einem Unternehmen.

Die Ziele der Studienphase, die aus Fallstudien, Gruppen- und Einzelarbeiten besteht, sind

  • die Vertiefung der Kenntnisse des Rechts, der Ökonomie sowie europĂ€ischer und internationaler Themen
  • die Vermittlung von Verwaltungstechniken (z. B. das Verfassen juristischer Texte, öffentliches Rechnungswesen, Leitung, MitarbeiterfĂŒhrung, Verhandlungstechniken, Sprachen, EDV)
  • die Entwicklung der FĂ€higkeit, in den Verwaltungswissenschaften zu forschen.

Absolventen

Französische Absolventen der ENA mĂŒssen nach dem Abschluss mindestens zehn Jahre im französischen Staatsdienst arbeiten. Viele „Enarchen“ treten ihren Dienst zunĂ€chst beim Conseil d’État, beim Rechnungshof oder in französischen Ministerien an. Einige verpflichten sich fĂŒr den diplomatischen Dienst. WĂ€hrend Eintritt und Verbleib im Staatsdienst bereits mit Bestehen des ENA-Auswahlverfahrens garantiert sind, hĂ€ngt die Erlangung lukrativer Dienstposten zu Beginn der Beamtenlaufbahn entscheidend vom erreichten Classement bei der AbschlussprĂŒfung ab.

Ein Großteil der französischen Spitzenpolitiker haben ihre Laufbahn als ENA-Absolvent begonnen. Alle bisherigen Enarchen, d. h. Absolventen der ENA (von der GrĂŒndung bis 2007 ca. 5600), sind im Verzeichnis „annuaire“ gemeinsam mit den auslĂ€ndischen ENA-Absolventen aufgefĂŒhrt. Jeder Abschlussjahrgang wĂ€hlt einen Namen, mit dem beispielsweise eine bestimmte Person geehrt wird. SpĂ€ter werden die Absolventen dann als Mitglieder beispielsweise der Promotion Nelson Mandela bezeichnet. Die Ehemaligenvereinigungen wie die Association des anciens Ă©lĂšves de l’ENA (AAEENA) in Paris und die Gesellschaft der deutschen ehemaligen ENA-SchĂŒler e. V. haben sich mit anderen auslĂ€ndischen ENA-Ehemaligenvereinigungen zu einer ConfĂ©dĂ©ration zusammengeschlossen.

Zu den bekanntesten Absolventen zÀhlen (nach Promotion geordnet):

Promotion France combattante (1947)

Promotion Union française (1948)

Promotion Europe (1951)

Promotion France-Afrique (1957)

Promotion 18 juin (1958)

Promotion Vauban (1959)

  • Jacques Chirac, ehemaliger StaatsprĂ€sident und ehemaliger Premierminister

Promotion Alexis de Tocqueville (1960)

Promotion Stendhal (1965)

Promotion Montesquieu (1966)

  • Jean-Paul Costa, ehemaliger PrĂ€sident des EuropĂ€ischen Gerichtshofs fĂŒr Menschenrechte

Promotion Marcel Proust (1967)

Promotion Thomas More (1971)

Promotion Charles de Gaulle (1972)

Promotion François Rabelais (1973)

Promotion Michel de L'Hospital (1979)

Promotion Voltaire (1980)

Promotion LĂ©onard de Vinci (1985)

Promotion Fernand Braudel (1987)

Promotion LibertĂ©-ÉgalitĂ©-FraternitĂ© (1989)

Promotion LĂ©opold Senghor (2004)

Bekannte ehemalige deutsche Austauschstudenten an der ENA sind Wolfgang Schuster, Michael Jansen, Andreas Kaplan, Edda MĂŒller, Gunter Pleuger, Reinhard SchĂ€fers, Uwe H. Schneider, Joachim Bitterlich und Hartmut BĂ€umer.

Kritik an der ENA

Die ENA ist in Frankreich hoch angesehen, ihre Ausbildung ist begehrt, zugleich aber nicht unumstritten. Über die Jahre hat sich gezeigt, dass auch der neutrale Concours eine auffallende HomogenitĂ€t der Studenten nicht verhindern konnte. Man befĂŒrchtet eine daraus resultierende Bildung eines gewissen Korpsgeistes und einseitig „enarchisch“ geprĂ€gte Sichtweisen, was faktisch zur Einengung der staatlichen HandlungsfĂ€higkeit fĂŒhren kann. Immer wieder werden Forderungen erhoben, nicht selten von ehemaligen Absolventen der ENA selbst, die Ausbildung, die Zulassung und die Verquickung mit dem Zugang zum öffentlichen Dienst (ĂŒber das classement) zu reformieren. Im Zuge des Umzugs der ENA nach Straßburg ist zwar ihr Curriculum ĂŒberarbeitet worden; ob dies die Kritiker verstummen lĂ€sst, bleibt allerdings abzuwarten. Mittlerweile rekrutiert sich die französische Elite nĂ€mlich nahezu ausschließlich aus einem Milieu, das gerade einmal zehn Prozent der Bevölkerung ausmacht. [2] Auf dem Fernsehsender arte wurde das vierteilige Drama Lehrjahre der Macht ausgestrahlt, das sich insbesondere mit diesen Kritikpunkten befasst.

2012 kam es in Frankreich durch die PrĂ€sidentschaftswahlen im Mai und die Parlamentswahlen im Juni zu einem historischen Machtwechsel: Zum ersten Mal seit 1981 (Mitterrand) wurde ein Kandidat des PS ( Parti socialiste) zum PrĂ€sidenten gewĂ€hlt ( François Hollande löste Nicolas Sarkozy ab); in beiden Kammern des Parlaments ( Nationalversammlung und Senat) bekam der PS die absolute Mehrheit. Zahlreiche der wichtigsten Ämter in Politik und Verwaltung wurden neu besetzt; viele mit Menschen, die Ende der 1970er an der ENA studiert hatten und denen Mitterrand ab 1981 den Weg in staatliche Ämter geebnet hat. [3]

Auflösung der ENA

Der französische StaatsprÀsident Macron teilte am 25. April 2019 mit, dass er die ENA auflösen wolle [4] und bekrÀftigte dies im Juli 2019 [5].

Weblinks

  Commons: École nationale d’administration â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ ENA: Frankreichs formatierte Elite. ( Memento des Originals vom 1. November 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. @1 @2 Vorlage:Webachiv/IABot/www.arte.tv, Blog auf arte.tv, 23. September 2011, abgerufen am 6. Juni 2013
  2. ↑ Julia Amalia Heyer: Schluss mit den Meriten. Sarkozy will den Eliteschulen eine Quotenregelung verpassen. In: SĂŒddeutsche Zeitung vom 23/24. Januar 2010
  3. ↑ sueddeutsche.de 6. April 2013: Wie eine Hochschul-Clique Frankreich regiert
  4. ↑ https://deutschlandfunk.de/frankreich-macron-will-elite-uni-ena-abschaffen.1939.de.html?drn:news_id=1000691
  5. ↑ In Zeit online, online auf: zeit.de/...

Koordinaten: 48° 34â€Č 51″  N, 7° 44â€Č 14,8″  O